Orale Immuntherapie hilft bei Erdnussallergie

Mit einer oralen Immuntherapie könnte jugendlichen Erdnuss-Allergikern die Angst vor einem allergischen Schock genommen werden. Eine internationale Studiengruppe konnte nachweisen, dass sich damit die Toleranzgrenzen von Erdnussprotein nach oben verschieben lassen.

Erdnüsse

Die Erdnuss-Allergie gilt als eine der schwersten Nahrungsmittelallergien weltweit. Schon kleinste Spuren können sich lebensbedrohlich auswirken. So wurde 2016 ein Fall bekannt, bei der eine Jugendliche an einem Kuss verstarb, weil ihr Freund Stunden zuvor Erdnüsse gegessen hatte. In Deutschland wird die Prävalenz der Erdnuss-Allergie unter Kindern und Jugendlichen auf 0,5-1,0 % geschätzt. Bei ihnen ist die Angst, an einem allergischen Schock zu versterben ein ständiger Begleiter.

Ist eine Hyposensiblisierung auf Erdnüsse möglich?

Bisher einzige Behandlungsoption ist die strikte Allergen-Vermeidung. Doch nicht immer weiß man, wo sich möglicherweise noch Spuren von Erdnüssen verbergen. Aufgrund der hohen Allergenität der Erdnuss besteht ständig das Risiko für anaphylaktische Reaktionen auf Lebensmittel.

Eine bei anderen Nahrungsmittelallergien etablierte erfolgreiche Therapiestrategie ist die langsame orale Hyposensibilisierung durch kontrollierte Aufnahme des Allergens, beginnend mit geringsten Allergenmengen.

Ob dieser Ansatz auch bei Erdnuss-Allergie trotz des großen Risikos funktioniert, hat nun eine internationale Studiengruppe (PALISADE Group, 66 Zentren in neun Ländern, darunter Deutschland) unter der Leitung von Professor Brian P. Vickery (Atlanta, Georgia) in einer großen, prospektiv randomisierten Studie an mehr als 500 Erdnuss-Allergikern getestet [1].

Ein halbes Jahr jeden Tag 3 mg mehr Erdnussprotein

Zunächst wurde bei den Teilnehmern die Diagnose Erdnuss-Allergie mittels einer Exposition (maximal vertragene Erdnussmenge: 10 mg) verifiziert. Von den 551 Probanden waren bei Studienbeginn 496 Patienten 4-17 Jahre, 55 Patienten 18-55 Jahre alt. Es wurde 3:1 in eine Verum- und eine Placebogruppe randomisiert. Die Teilnehmer erhielten in der 24-wöchigen Eskalationsphase mit steigenden Dosierungen ein orales Immuntherapeutikum aus Erdnüssen (AR101), beginnend mit 0,5 mg/Tag und dann ansteigend in 2-Wochen-Schritten um jeweils 3 mg bis zu 300 mg pro Tag oder ein Scheinpräparat.

In der darauffolgenden ebenfalls 24-wöchigen Erhaltungsphase bekamen die Teilnehmer 300 mg Verum täglich oder Placebo.

Primärer Endpunkt war der Anteil der Probanden, die in einem Allergenprovokationstest ohne dosislimitierende Symptome mindestens 600 mg Erdnussallergen (Äquivalent von 2 Erdnüssen) zu sich nehmen konnten.

Vor allem Jugendliche profitieren von der oralen Immuntherapie

Die wichtigsten Ergebnisse: Von den 496 Kindern und Jugendlichen konnten 67,2 % nach Verumbehandlung (250 von 372 Teilnehmern der Verumgruppe) mindestens 600 mg des Erdnussallergen-Präparats essen ohne dosislimitierende Krankheitszeichen, in der Placebogruppe waren es nur 4% − ein hochsignifikantes Ergebnis (p-Wert < 0,001).

Wermutstropfen: Die Behandlung funktionierte nicht bei allen. Vor allem bei den erwachsenen Teilnehmern konnte keine signifikante Wirkung der oralen Immuntherapie nachgewiesen werden.
Auch ein Risiko für eine allergische Reaktion bleibt. 14% der Teilnehmer in der Verumgruppe erhielten während der Behandlungsphase eine Notfallmedikation (Epinephrin), darunter ein Kind mit Anaphylaxie.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 05.12.2018

Quelle:
  1. The PALISADE Group of Clinical Investigators (2018): AR101 Oral Immunotherapy for Peanut Allergy. New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1812856
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