Priscus-Liste

Die Priscus-Liste ist eine praxistaugliche, übersichtliche Liste von 83 Wirkstoffen aus 18 Stoffklassen, die als potenziell inadäquat für ältere Menschen beurteilt werden. Sie umfasst Analgetika, Opioide, Anticholinergika, Sedativa und viele weitere Arzneimittelgruppen, von denen bekannt ist, dass sie im Alter schlecht vertragen werden. Die Liste informiert über die Hintergründe, Therapiealternativen und notwendig Maßnahmen, wenn der Einsatz potenziell inadäquater Wirkstoffe nicht zu umgehen ist.

Schmerzen aelterer Patient

Hintergrund

Alter und Multimorbidität von Patienten stellen eine zunehmende Herausforderung bei der Verordnung von Arzneimittel dar. Im Praxisalltag treten bei der Pharmakotherapie dieser Patientengruppe häufig folgende Probleme bzw. Fragestellungen auf:

  • Welches Medikament ist beim älteren Patienten geeignet?
  • Was sind die Therapiealternativen?
  • Welche Maßnahmen sind notwendig, wenn es keine Therapiealternativen gibt?
  • In welcher Form sind Dosierungsanpassungen notwendig?

Wegen eines erhöhten Risikos an unerwünschten Arzneimittelereignissen gilt die Gabe bestimmter Arzneimittel bei älteren Patienten als potenziell inadäquate Medikation (PIM).
Internationale PIM-Listen  sind aufgrund unterschiedlicher Marktgegebenheiten und Verschreibungspraktiken nur begrenzt auf Deutschland übertragbar. Deshalb war die Erarbeitung einer für Deutschland relevanten Liste von potenziell inadäquaten Arzneimitteln Bestandteil des Aktionsplans Arzneimitteltherapiesicherheit 2008/2009 des Bundesministeriums für Gesundheit.

Methode

Basierend auf einer selektiven Literaturrecherche und einer qualitativen Analyse internationaler PIM-Listen wurde eine vorläufige, an den deutschen Arzneimittelmarkt angepasste PIM-Liste zusammengestellt. Die finale deutsche PIM-Liste wurde nach einer zwei Runden umfassenden, strukturierten Expertenbefragung (Delphi-Methode) erarbeitet.

Ergebnis

Als Ergebnis wurden 83 Arzneistoffe aus 18 Arzneistoffklassen als potenziell inadäquat für ältere Patienten bewertet. 46 Arzneistoffe konnten auch nach der zweiten Befragungsrunde nicht eindeutig eingestuft werden. Für den Fall, dass eine potenziell ungeeignete Medikation unvermeidbar ist, beinhaltet die PRISCUS-Liste Empfehlungen für die klinische Praxis.

Betroffen Wirkstoffgruppen und Wirkstoffe

Analgetika und Antiphogistika

Nicht-steroidale Antirheumatika und Antiphlogistika

Opioid-Analgetika

Antiarrhythmika

Antibiotika

Anticholinergika

Antihistaminika

Urologische Spasmolytika

Antikoagulantien, Thrombozytenaggregationshemmer

Antidepressiva

Klassische Antidepressiva

Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)

MAO-Hemmer

Antiemetika

Antihypertensiva, kardiovaskuläre Arzneimittel

Alpha-Blocker

Andere kardiovaskuläre Arzneimittel

Calcium-Kanal-Blocker

Neuroleptika

Ergotamin und Ergotamin-Derivate

Laxantien

Muskelrelaxantien

Sedativa, Hypnotika

Langwirksame Benzodiazepine

Kurz-und mittellang wirksame Benzodiazepine

Z-Substanzen

Andere Sedativa

Antidementiva, Vasodilatatoren, durchblutungsfördernde Mittel

Antiepileptika

In der unten beigefügten PRISCUS-Liste finden Sie Empfehlungen für die klinische Praxis, beispielsweise Monitoring-Parameter oder Dosisanpassungen. Ferner werden Therapiealternativen genannt.

PDFPriscus-Liste

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 22.11.2018

Quelle:

Priscus-Liste potentiell inadäquater Medikation für ältere Menschen, http://www.priscus.net/

Holt S, Schmiedl S, Thürmann PA:  Potentially inappropriate medication in the elderly - PRISCUS list. (Dtsch Arztebl Int 2010; 107: 543-551), DOI: 10.3238/arztebl.2010.0543

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