Hohes Infektionsrisiko bei Psoriasis-Therapie mit Infliximab

Die Therapie der Plaque-Psoriasis mit dem monoklonalen Antikörper Infliximab birgt ein deutlich höheres Risiko schwerer Infektionen als eine Behandlung mit nicht-biologischen Wirkstoffen. Das gilt insbesondere in den ersten sechs Behandlungsmonaten.

Psoriasis

Patienten mit Plaque-Psoriasis erhalten neben nicht-biologischen Wirkstoffen wie Ciclosporin, Methotrexat und Psoralen-UVA (PUVA) auch Biologika wie Adalimumab, Etanercept und Infliximab. Der chimäre monoklonale Antikörper Infliximab wirkt gegen den Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF alpha) und wird vor allem bei ausgeprägter Psoriasis eingesetzt. Die Behandlung wird als äußerst wirksam beschrieben. Bislang fehlen jedoch Angaben zum therapieassoziierten Infektionsrisiko. Dabei gehören schwere Infektionen zu den wichtigsten Nebenwirkungen, die zum Absetzen biologischer Therapien führen. Für Großbritannien und Irland konnte aktuell in einer Kohortenstudie bestätigt werden, das Infliximab tatsächlich mit einem erhöhten Risiko für schwere Infektionen bei Patienten mit Psoriasis verbunden ist. Das belegt eine Analyse aus Daten des British Association of Dermatologists Biologic Interventions Register (BADBIR) [1].

Hintergrund der Studie

Die Richtlinien der British Association of Dermatologists für biologische Therapien empfehlen bei Psoriasis, Infliximab ausschließlich Psoriasis-Patienten mit sehr schweren Erkrankungen zu verschreiben, das heißt mit einem Psoriasis-Bereich und Schwierigkeitsindex (PASI) ) ≥ 20 und einem Dermatology Life Quality Index (DLQI) > 18 sowie Patienten, bei denen andere verfügbare biologische Wirkstoffe versagt haben oder nicht verwendet werden können. Eine Arbeitsgruppe untersuchte für Patienten aus Großbritannien und der Republik Irland das Risiko schwerer Infektionen unter Infliximab im Vergleich zu nicht-biologischen Therapien (einschließlich Methotrexat, Ciclosporin, Acitretin, Fumarsäureestern, Psoralen-Ultraviolett A und Hydroxycarbamid). Schwere Infektionen waren definiert als Infektionen, die mit Krankenhausaufenthalten, der Anwendung einer intravenösen antimikrobiellen Therapie und/oder mit Todesfällen verbunden waren. Die Daten der Analyse entstammen dem großen, nationalen, prospektiven Psoriasis-Register BADBIR.

Studiendesign

Die Kohortenstudie umfasst Daten von 3.843 Teilnehmern (bis Oktober 2016). Die Basisdaten wurden vor oder während der ersten sechs Monate der Behandlung mit Infliximab (Ersttherapie und bereits vorbehandelte Patienten) oder anderen systemischen, nicht-biologischen Wirkstoffen erhoben. Alle weiteren Informationen (einschließlich der Beschreibungen der Ereignisse sowie Krankenhausaufenthalte) wurden alle sechs Monate für die ersten drei Jahre erfasst, danach jährlich bis zu zehn Jahre. Unerwünschte Ereignisse wurden mithilfe des MedDRA-Systems (Medical Dictionary for Regulatory Activities) klassifiziert.

Erhöhtes Risiko schwerer Infektionen bestätigt

Im Ergebnis gab es unter Infliximab deutlich häufiger schwere Infektionen als bei den Vergleichstherapien. Genauer wurden mit dem TNF alpha-Blocker 47,8 Fälle auf 1.000 Personenjahre ermittelt, verglichen mit 14,2 Fällen auf 1.000 Personenjahre in allen Vergleichskohorten. Die adjustierte Hazard Ratio (aHR) für schwere Infektionen lag mit Infliximab bei 1,95 (95%-KI 1,01 - 3,75) und war mehr als doppelt so hoch wie bei den anderen Therapien. Die niedrigste Infektions-Rate gab es unter Methotrexat (12 Fälle pro 1.000 Personenjahre).

Höchstes Infektionsrisiko zu Beginn der Behandlung

Das höchste Risiko für schwere Infektionen wurde unter Infliximab in den ersten sechs Behandlungsmonaten beobachtet. Die häufigsten Ereignisse waren Infektionen der unteren Atemwege, gefolgt von Haut- und Weichteilinfektionen sowie Harnwegsinfektionen. Zeitlich ergab die Auswertung im Vergleich zur nicht-biologischen Kohorte:

  • in den ersten 6 Monaten (aHR 3,5; 95%-KI 1,14 – 10,7)
  • zwischen 6 Monaten und 1 Jahr (aHR 3; 95%-KI 1,1 – 8,1)
  • zwischen 1 und 2 Jahren (aHR 2; 95%-KI 0,61 – 6,79).

Fazit

Infliximab ist im Vergleich zu nicht-biologischen systemischen Therapien bei Patienten mit Psoriasis in Großbritannien und in der Republik Irland mit einem signifikant höheren Risiko für schwere Infektionen verbunden. Deshalb empfehlen die Studienautoren, Patienten mit schwerer Psoriasis, die die Kriterien für die Verschreibung von Infliximab erfüllen, vor Therapiebeginn ausführlich über das Risiko schwerer Infektionen zu informieren und zu Beginn der Behandlung besonders sorgfältig zu überwachen.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 05.04.2019

Quelle:
  1. Yiu et al. (2019): Infliximab is associated with an increased risk of serious infection in patients with psoriasis in the U.K. and Republic of Ireland: results from the British Association of Dermatologists Biologic Interventions Register (BADBIR).British Journal of Dermatology, DOI: https://doi.org/10.1111/bjd.17036

 

  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige

Gelbe Liste Dermatologie

Pharma News

Ärztliche Fachgebiete

Orphan Disease Finder

Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen:

 

Newsletter