Baricitinib hilft auch bei systemischem Lupus erythematodes

Die antiinflammatorische Wirkung einer Tyrosinkinase-Inhibition kann auch Patienten mit schwerem systemischem Lupus erythematodes zu Gute kommen. Wie eine aktuelle Studie ergab, gehen unter dem JAK-Inhibitor Baricitinib plus Standardmedikation sowohl die kutanen als auch die Gelenksymptome zurück.

Interleukin und Rezeptor

JAK-Tyrosinkinasen sind an Signalwegen von proinflammatorischen Zytokinen beteiligt, darunter Interleukin (IL) 6, IL12 und IL23. Der selektive JAK1/2-Inhibitor Baricitinib hemmt die Aktivität dieser Tyrosinkinasen reversibel. Auf den Wirkmechanismus wird seine therapeutische Effektivität bei rheumatoider Arthritis zurückgeführt. Daher liegt der Gedanke nahe, dass dieser antiinflammatorische Effekt auch bei anderen entzündlichen Autoimmun-Erkrankungen eingesetzt werden könnte.

Genauer gefragt: Kann der JAK1/2-Inhibitor Baricitinib die Symptomatik des systemischen Lupus erythematodes (SLE) signifikant verbessern bei Patienten, deren Krankheitszeichen sich durch eine Standardmedikation nicht adäquat kontrollieren lassen? Eine internationale Arbeitsgruppe um Professor Daniel von der Universität Kalifornien in Los Angeles (übrigens mit deutscher Beteiligung), erforschte daher in einer größeren, prospektiv randomisierte Phase-2-Studie die Wirkung von Baricitinib bei SLE-Patienten mit schweren Haut- oder Gelenksymptomen [1].

Haut- und Gelenkbeschwerden sinken mit Baricitinib

Dafür untersuchten die Rheumatologen 314 erwachsene Patienten mit SLE, diagnostiziert nach Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) oder der Systemic Lupus Erythematodes International Collaboration Clinics (SLICC) Classification. Die SLE-Manifestationen bestanden bei jeweils fast 90% der Patienten sowohl an der Haut als auch an den Gelenken (RA). Alle Patienten waren positiv für Antikörper gegen Doppelstrang-DNA (Anti-dsDNA-AK). Ebenfalls erhielten alle Patienten eine steroidale oder nicht steroidale antiinflammatorische Standardbehandlung. Zusätzlich zu dieser Standardmedikation bekamen die SLE-Patienten in einer 1:1:1 Randomisierung entweder Baricitinib 2 mg täglich, Baricitinib 4 mg täglich oder Placebo.

Ergebnisse

Den primären Endpunkt, eine Symptombesserung an Haut (z. B. Rückgang des Schmetterlingserythems) und Bewegungsapparat (z. B. Reduktion von Gelenkschmerzen), erreichten nach 24 Wochen 53% der Patienten unter Placebo, 58% mit Baricitinib 2 mg und 67% durch die 4-mg-Dosierung von Baricitinib. Somit ergab sich nur in der Gruppe mit 4 mg Baricitinib ein signifikanter Unterschied zum Placebo-Arm (p = 0,0414).

Nebenwirkungen

Der JAK1/2-Inhibitor wurde gut vertragen: Höhergradige unerwünschte Effekte wie Infektionen traten bei jeweils 10% der Patienten in den Baricitinib-Gruppen auf und bei 5% im Placeboarm. Es gab keine therapieassoziierten Todesfälle.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 12.09.2018

Quelle:
  1. Wallace et al. (2018): Baricitinib for systemic lupus erythematodes: a double-blind, randomised, placebo-controlled, phase 2 trial. Lancet, DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31363-1
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