Merkelzellkarzinom: neuer Marker zeigt Therapieerfolg an

Beim Merkelzell-Karzinom hat es in den letzten Jahren Fortschritte in der Therapie gegeben. Der Therapieerfolg ließ sich bisher nur histologisch nachweisen. Jetzt wurde an der Universität Duisburg-Essen ein spezifischer Marker gefunden: Mit miR-375 kann das Krankheitsgeschehen per Blutentnahme verfolgt werden.

Hautkrebs

Das Merkelzell-Karzinom oder kutane neuroendokrine Karzinom der Haut ist ein sehr seltener, aber bösartiger Hauttumor. Die Inzidenz beträgt 0,1 bis 0,6 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr – Tendenz steigend. Die an chronisch lichtexponierten Hautstellen − hauptsächlich im Gesicht − auftretenden Tumore sehen zunächst harmlos aus: einzelne halbkugelige, 1-4 cm große rötlich-blaue Knötchen. Doch sie wachsen schnell, meist innerhalb weniger Wochen und Monate.

Schlechte Prognose bei Fernmetastasen

Bei kleinen Merkelzell-Karzinomen − d.h. bei einem Durchmesser von weniger als zwei Zentimetern − ist die Prognose noch relativ gut: Die 5- Jahresüberlebensrate liegt zwischen 66-75%. Bei einem Primärtumor, der größer als zwei Zentimeter ist, nur noch bei 50-60%. Bestehen bereits Lymphknoten-Metastasen werden 5-Jahresüberlebensraten zwischen 42-52%, bei Fernmetastasen um 18% angegeben.

Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren

Die Therapie beim Merkelzell-Karzinom hat von den immunologischen Neuentwicklungen im Bereich der Onkologie profitiert. Sie werden heutzutage mit Immuncheckpoint-Hemmern therapiert. Diese Behandlungsmethode wurde 2018 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet und wird am Universitätsklinikum Essen erfolgreich eingesetzt. Etwa 40 bis 60% der Karzinome sprechen auf die Therapie an.

miR-375 schließt diagnostische Lücke

Doch wie gut die Checkpoint-Inhibitoren beim einzelnen Patienten tatsächlich wirken, ließ sich bisher nicht ohne Gewebeentnahme feststellen. Um diese Lücke in der Therapieüberwachung zu schließen, haben die Forscher des Zentrums für Medizinische Biotechnologie (ZMB) an der Universität Duisburg-Essen nach einem Biomarker gesucht, mit dem die Tumorlast während des gesamten Krankheitsverlaufs sicher bewertet werden kann. Hier wurden sie bei der Substanzgruppe der zellfreien Micro-RNA-Molekülen fündig − eine Molekülgruppe im Blut, in der beispielsweise für Darmkrebs und Brustkrebs bereits Biomarker entdeckt wurden.

Das Micro-RNA-Molekül cf mi(cro)R-375 wird u.a. von den Tumorzellen des Merkelzell-Karzinoms übermäßig ins Blut freigesetzt. So kann mit der quantitativen Bestimmung des miR-375 aus dem Blut das Ansprechen auf eine Therapie überprüft und ein eventueller Krankheitsrückfall frühzeitig erkannt werden. Aufwändige histologische Untersuchungen können entfallen bzw. die Indikation für Bildgebungsverfahren wie PET oder CT gezielter gestellt werden.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 20.02.2019

Quelle:
  1. Universität Duisburg-Essen, Pressemeldung, 28. Januar 2019
     
  2. Fan et al. (2018): Circulating cell-free miR-375 as surrogate marker of tumor burden in Merkel cell carcinoma. Clinical Cancer Research, DOI: 10.1158/1078-0432.CCR-18-1184
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