Atypische diabetische Ketoazidosen unter Gliflozinen

Die Diagnose einer Gliflozin-assoziierten Ketoazidosen wird dadurch erschwert, dass der Blutzucker nur mäßig erhöht oder sogar normal sein kann und nicht zwingend Ketonkörper im Urin vorliegen müssen.

Diabetes Blutzuckermessung

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) informiert über das seltene Risiko einer atypischen diabetischen Ketoazidose in Zusammenhang mit Gliflozinen (SGLT-2-Hemmern), [1]. Aktuell sind zur Therapie in Deutschland die Gliflozine Canagliflozin, Dapagliflozin und Empagliflozin zugelassen.

Wann ist das Risiko einer Ketoazidose besonders hoch?

Das Risiko für eine Ketoazidose ist in Situationen mit vermehrtem Insulinbedarf, wie z. B. bei größeren operativen Eingriffen, niederkalorischen Diäten oder akuten schweren Erkrankungen, erhöht. Die Diagnose von Gliflozin-assoziierten Ketoazidosen wird dadurch erschwert, dass der Blutzucker nur mäßig erhöht oder sogar normal sein kann.

Verordnung von Gliflozinen steigend

Zu Gliflozin-assoziierten diabetischen Ketoazidosen wurden schon im Juli 2015 und März 2016 zwei Informationsbriefe durch die pharmazeutischen Unternehmer versendet und die Fachinformationen angepasst. Die Verordnungen von Gliflozinen haben erheblich zugenommen: Bereits 2016 war eine Steigerung der verordneten Tagesdosen von 67% gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. 2017 sind die Verordnungen um etwa 48,5% gestiegen.

Entstehung der Ketoazidose unter Gliflozintherapie

Für das Auftreten diabetischer Ketoazidosen unter Gliflozinbehandlung werden verschiedene Mechanismen diskutiert.

Renaler Glukoseverlust

Gliflozine induzieren den Verlust von Glukose über die Niere. Mit dem hierdurch verminderten Blutglukosespiegel fehlt ein wichtiger Trigger für die Ausschüttung von Insulin. Gegenregulatorisch wird mehr Glukagon sezerniert, was zu einer vermehrten Lipolyse und Fettsäureoxidation mit Bildung von Ketonkörpern in der Leber führen kann.

Hypoglykämie wird vorgetäuscht

Zusätzlich exprimieren Alphazellen in den Langerhans’schen Inseln der Bauchspeicheldrüse SGLT-2-Rezeptoren, die als Glukosesensoren dienen. Diese werden ebenfalls durch Gliflozine blockiert und imitieren eine Hypoglykämie, was die Ausschüttung von Glukagon verstärken kann.

Keine Ketonkörper im Urin

Darüber hinaus bewirken Gliflozine die vermehrte Rückresorption von Ketonkörpern in der Niere. Patienten können daher unter Gliflozinen eine Ketoazidose haben, ohne dass Ketonkörper im Urin nachweisbar sind. In mehreren Untersuchungen wurden bei 12 bis 20% der Typ-2-Diabetiker unter Gliflozinbehandlung asymptomatische Erhöhungen des Ketonkörpers Beta-Hydroxybutyrat festgestellt.

Symptome

Bei folgenden Symptomen unter Behandlung mit Gliflozinen sollte eine Ketoazidose in Betracht gezogen werden:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Anorexie
  • Bauchschmerzen
  • starker Durst
  • Schwierigkeiten beim Atmen
  • Verwirrtheit
  • ungewöhnliche Müdigkeit oder Schläfrigkeit.

Dies gilt auch, wenn der Blutzucker nicht oder nur mäßig erhöht ist.

Handlungsempfehlungen

Mediziner sollten Ihre Patienten darüber aufklären, sich bei einer solchen Symptomatik unverzüglich ärztlich vorzustellen.

Bei Verdacht auf eine diabetische Ketoazidose oder wenn eine diabetische Ketoazidose diagnostiziert wurde, muss die Behandlung mit Gliflozinen sofort abgesetzt werden. Gliflozine sollten nur dann erneut angesetzt werden, wenn ein anderer eindeutiger auslösender Faktor für die Ketoazidose festgestellt und beseitigt wurde.

Geplantes Aussetzen der Gliflozin-Therapie

Bei Patienten, die wegen eines größeren chirurgischen Eingriffs oder einer akuten schweren Krankheit stationär aufgenommen werden, soll die Behandlung mit Gliflozinen unterbrochen werden. Die Behandlung kann nach einem Eingriff wieder aufgenommen werden, wenn der Patient klinisch stabil und normhydriert ist und eine normale Ernährung toleriert.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 12.10.2018

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