Canagliflozin in Diabetes-Leitlinien aufgenommen

Die Daten von 4.401 Patienten mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung zeigten, dass der SGLT2-Hemmer Canagliflozin ein Nierenversagen aufhalten und zudem vor kardiovaskulären Ereignissen schützen kann.

Nieren

CREDENCE-Studie: SGLT2-Hemmer Canagliflozin verlangsamt Nierenversagen

Die wichtigsten Ergebnisse der Phase III-Studie CREDENCE (Canagliflocin and Renal Events in Diabetes with Established Nephropathy Clinical Evaluation), die als bahnbrechend bezeichnet wurden, wurden im April 2019 auf dem World Nephrology Congress der International Society of Nephrology veröffentlicht und gleichzeitig im New England Journal of Medicine [1] publiziert.

Methodik und Ergebnisse

An der doppelblinden, randomisierten Studie nahmen 4.401 Patienten mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung (chronic kidney disease [CKD]) teil. Canagliflozin in einer Tagesdosis von 100 mg senkte das Risiko für den nierenspezifischen kombinierten Endpunkt aus Nierenerkrankung im Endstadium (end stage renal disease [ESRD]), einer Verdoppelung des Serumkreatininwerts und Tod aufgrund renaler Ursachen in der Canagliflozin-Gruppe im Vergleich zu Placebo um 34%, das Risiko für eine ESRD allein um 32%. Auch das Risiko für die kardiovaskuläre Sterblichkeit, Myokardinfarkt oder Schlaganfall, war um 20% sowie für Hospitalisierungen aufgrund von Herzinsuffizienz um 39% reduziert.

In der CREDENCE-Studie wurde unter Canagliflozin kein erhöhtes Risiko für Amputationen der unteren Extremitäten, für Frakturen, akute Nierenschäden oder Hyperkaliämie im Vergleich zu Placebo festgestellt. Es wurde jedoch mit 2,2 Ereignissen pro 1.000 Patientenjahren in der Canagliflozingruppe ein erhöhtes Risiko für diabetische Ketoazidose im Vergleich zur Placebogruppe mit 0,2 Ereignissen pro 1.000 Patientenjahren festgestellt.

Die CREDENCE-Studie wurde von Janssen Research and Development finanziert und ist unter der Nummer NCT02065791 bei ClinicalTrials.gov registriert.

Aktualisierungen in den Leitlinien

Aufgrund der Studienergebnisse entwickelte das Professional Practice Committee der American Diabetes Association (ADA) folgende Aktualisierungen für Abschnitt 10 (Cardiovascular Disease and Risk Management) und Abschnitt 11 (Microvascular Complications and Foot Care) der Online-Standards [2].

Aktualisierungen im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Risikomanagement

Die Aktualisierung im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Risikomanagement (Abschnitt 10) umfassen:

  • Im vierten Absatz des Abschnitts "Antihyperglykämische Therapien und Herzinsuffizienz" des Abschnitts 10 wurden Informationen aus der CREDENCE-Studie in Form eines Hinweises aufgenommen: Studiendaten mit Canagliflozin zeigten, dass das Risiko für Krankenhausaufenthalte wegen Herzinsuffizienz um 39% und für die Summe aus kardiovaskulärem Tod oder Krankenhausaufenthalt wegen Herzinsuffizienz in einem Patientenkollektiv mit diabetischer Nephropathie und Albuminurie um 31% gesenkt wurde.
  • Weiter wurde ergänzt: Die Ergebnisse aus vier großen Outcome-Studien (EMPA-REG OUTCOME, CANVAS, CANVAS-R, CREDENCE) mit drei verschiedenen SGLT-2-Inhibitoren sind hoch konsistent und zeigen deutlich, dass SGLT2-Inhibitoren einen robusten Nutzen bei der Prävention von Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz haben. Sie legen auch nahe (beweisen aber nicht), dass SGLT-2-Inhibitoren bei Patienten mit etablierter Herzinsuffizienz von Nutzen sein können. Die Wirksamkeit von SGLT-2-Inhibitoren bei der Behandlung von Herzinsuffizienz mit reduzierter und konservierter Ejektionsfraktion wird derzeit in mehreren großen Outcome-Studien bei Patienten mit etablierter Herzinsuffizienz, sowohl mit als auch ohne Diabetes, evaluiert.

Empfehlungen im Bereich mikrovaskuläre Komplikationen und Fußpflege

Die Empfehlungen zu mikrovaskulären Komplikationen und Fußpflege, die in Abschnitt 11 der Leitlinie behandelt werden, wurden ebenfalls aktualisiert:

  • Abschnitt 11.1: Bei Patienten mit Typ-1-Diabetes seit ≥5 Jahren soll mindestens einmal jährlich der Albuminwert im Harn (z. B. Verhältnis Harnalbumin zu Kreatin) und die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) bestimmt werden; bei allen Patienten mit Typ-2-Diabetes, unabhängig von der Behandlung; und bei allen Patienten mit zusätzlicher Hypertonie. Evidenzgrad: B
  • Abschnitt 11.3: Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und diabetischer Nierenerkrankung sollte die Verwendung eines SGLT2-Hemmers bei einer eGFR von ≥30 ml/min/1,73m2 und insbesondere bei Patienten mit einer Albuminurie >300 mg/g in Betracht gezogen werden, um das Risiko einer CKD-Progression und/oder kardiovaskulärer Ereignisse zu verringern. Evidenzgrad: A

    Bei Patienten mit CKD, bei denen ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse besteht, kann die Verwendung eines Glukagon-ähnlichen Peptid 1 (GLP-1) -Rezeptoragonisten das Risiko eines Fortschreitens der Albuminurie und/oder des Eintretens kardiovaskulärer Ereignisse verringern. Evidenzgrad: C

Situation in Deutschland

Die aktuell publizierte CREDENCE-Studie stellt in vielerlei Hinsicht eine Sensation dar: Sie wurde vorzeitig abgebrochen, weil sich bereits vor dem geplanten Studienende eine signifikante Überlegenheit des Prüfmedikaments abzeichnete, schreibt die Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) in einer Pressemeldung [3]. Die Ergebnisse der Studie stellten „einen echten Durchbruch dar“, so der Nephrologe Professor Jan Galle und Pressesprecher der DGfN. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden sie dazu führen, dass SGLT2-Inhibitoren in die Standardtherapie von Patienten mit diabetischer Nierenkrankheit integriert werden.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 14.06.2019

Quelle:
  1. Perkovic et al. (2019): Canagliflozin and Renal Outcomes in Type 2 Diabetes and Nephropathy. New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1811744
     
  2. American Diabetes Association
    10. Cardiovascular disease and risk management: Standards of medical Care in Diabetes - 2019
    11. Microvascular complications and foot care: Standards of Medical Care in Diabetes - 2019
    (letzter Zugriff am 12.06.2019)
     
  3. Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN), Pressemeldung, 15.04.2019
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