Einsparpotenzial bei Analoginsulinen

Amerikanische Forscher fanden bei Patienten, die im Rahmen ihrer Versicherung von Analog- auf Humaninsulin umgestellt wurden, einen Anstieg des HbA1c-Spiegels um 0,14%, während die Rate an schweren Hypo- oder Hyperglykämien konstant blieb und die Kosten deutlich sanken.

Diabetes Insulininjektion

Hintergrund

In den Vereinigten Staaten haben Analoginsuline Humaninsulin weitgehend ersetzt, und dies, obwohl Daten für einen signifikanten Nutzen fehlen und die Kosten um ein Vielfaches höher liegen. Verantwortlich dafür sind wohl die Attraktivität neuer Produkte, Postmarketing-Studien, die anscheinend einen Nutzen für die Analoga zeigten, und Marketing-Bemühungen, die "eindeutig erfolgreich" waren, vermutet Dr. Kasia J. Lipska, von der Section of Endocrinology, Yale School of Medicine, New Haven, Connecticut [1]. Kostengünstiges Humaninsulin kann für viele Patienten mit Typ-2-Diabetes gut wirksam sein und dazu beitragen, dass die Therapiekosten die Deckungssumme durch die Versicherung nicht überschreiten.

Zielsetzung

Ein Wissenschaftlerteam um Dr. Jing Luo vom Program on Regulation, Therapeutics, and Law am Brigham and Women's Hospital and Harvard Medical School, Boston, USA, untersuchte, wie sich die Umstellung von Patienten mit Typ-2-Diabetes von Analog- auf Humaninsulin auf die Blutzuckerkontrolle auswirkt [2].

Methodik

Die Forscher werteten in eine retrospektiven Kohortenstudie Daten von Personen in vier US-amerikanischen Bundesstaaten aus, die über das Medicare Advantage-Programm mit Kostenübernahme für verschreibungspflichtige Medikamente versichert waren. Den Patienten wurde zwischen dem 1. Januar 2014 und dem 31. Dezember 2016 Insulin verschrieben. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 729 Tage. Zwischen Februar und Juni 2015 wurde ein Versicherungsprogramm umgesetzt, unter dem Patienten von Analoga auf Humaninsulin umgestellt werden sollten.

Das primäre Ergebnis war die Veränderung der mittleren Hämoglobin-A1c-Werte (HbA1c), die über drei Zeiträume von jeweils zwölf Monaten ermittelt wurden: vor der Umstellung (Baseline) im Jahr 2014, während der Umstellung im Jahr 2015 und nach der Umstellung im Jahr 2016. Zu den sekundären Endpunkten zählten die Raten an schwerwiegenden Hypoglykämien oder Hyperglykämien anhand ICD-9-CM- und ICD-10-CM-Diagnosecodes.

Ergebnisse

Über den Zeitraum von drei Jahren erhielten 14.635 in der Studie berücksichtigte Patienten (Durchschnittsalter 72,5 Jahre; 51% Frauen; 93% mit Typ-2-Diabetes) 221.866 Insulinverordnungen. Der mittlere HbA1c-Wert betrug zu Beginn der Studie 8,46% und sank vor der Umstellung mit einer Rate von -0,02 Prozentpunkte (P<0,001) pro Monat.

Die Forscher ermittelten einen Zusammenhang zwischen dem Beginn der Umstellung und einem Anstieg des HbA1c-Spiegels um insgesamt 0,14 Prozentpunkte (P=0,003) und einer Änderungsrate von +0,02 Prozentpunkten (P<0,001) pro Monat.

Für den Zeitraum nach der Umstellung unterschieden sich weder der mittlere HbA1c-Wert noch die Änderungsrate signifikant von den Werten im Zeitraum der Umstellung (P=0,09 bzw. P=0,81).

Ebenso bestand kein signifikanter Zusammenhang für das Auftreten schwerwiegender hypoglykämischer Ereignisse (2,66/1000 Personenjahre; P=0,41) oder für die Änderungsrate (-0,66/1000 Personenjahre; P=0,16) mit dem Beginn der Umstellung. Das Niveau (1,64/1000 Personenjahre; P=0,61) und die Änderungsrate (-0,23/1000 Personenjahre; P=0,61) in der Zeit nach der Umstellung unterschieden sich nicht wesentlich von denen in der Umstellungsphase.

Die Grundrate der schweren Hyperglykämien betrug 22,33/1000 Personenjahre. Die Forscher fanden keinen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Beginn der Umstellung und dem Niveau (4,23/1000 Personenjahre; P=0,51) oder der Änderungsrate (-0,51/1000 Personenjahre; P=0,58).

Fazit

Bei Medicare-Leistungsberechtigten mit Typ-2-Diabetes war die Umsetzung eines Versicherungssprogramms, bei dem Patienten von Analog- auf Humaninsulin umgestellt wurden, mit einem leichten Anstieg des HbA1c-Werts auf Populationsebene verbunden.

Die Studie wurde von der Laura und John Arnold Foundation mit zusätzlicher Unterstützung der Engelberg Foundation, des Harvard-MIT Center for Regulatory Science und der Division of Pharmacoepidemiology and Pharmacoeconomics, Department of Medicine, Brigham and Women's Hospital, finanziert.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 13.02.2019

Quelle:
  1. Lipska (2019): Insulin Analogues for Type 2 Diabetes (Editorial). JAMA; DOI: 10.1001/jama.2018.21356
     
  2. Luo et al. (2019): Implementation of a Health Plan Program for Switching From Analogue to Human Insulin and Glycemic Control Among Medicare Beneficiaries With Type 2 Diabetes. JAMA; DOI: 10.1001/jama.2018.21364
     
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