Metformin bei Diabetes und Niereninsuffizienz?

Forscher fanden Hinweise darauf, dass Metformin bei Patienten mit mittelgradiger Niereninsuffizienz die Gesamtmortalität und kardiovaskuläre Komplikationen signifikant verbessern kann und dieser Patientengruppe nicht vorenthalten werden sollte.

Metformin

Hintergrund

Etwa 43% der Personen mit Typ-2-Diabetes zeigen Anzeichen einer chronischen Nierenerkrankung (chronic kidney disease [CKD]). Gleichzeitig sind Typ-2-Diabetes und CKD mit kardiovaskulären Erkrankungen und Mortalität verbunden. Metformin könnte Vorteile bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem Fortschreiten der Nierenerkrankung haben, war jedoch bis 2016 bei Personen mit mittelgradiger oder schwerer CKD wegen des Risikos einer Laktatazidose kontraindiziert.

Zielsetzung

Ein internationales wissenschaftliches Team um David Charytan vom NYU Langone Medical Center in New York, USA, analysierte Daten der TREAT-Studie (Trial to Reduce Cardiovascular Events with Aranesp [darbepoeitin‐alfa] Therapy) in Bezug auf die kardiovaskulären und renalen Effekte von Metformin bei Personen mit Typ-2-Diabetes und CKD [1].

Methodik

Die Wissenschaftler verglichen retrospektiv die Gesamtmortalität und das Auftreten kardiovaskulärer Todesfälle, kardiovaskulärer Ereignisse (Tod, Krankenhausaufenthalt wegen Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt, Schlaganfall oder myokardiale Ischämie), Niereninsuffizienz im Endstadium (end stage renal disease [ESRD]) und eines kombinierten Parameters für die Niereninsuffizienz (ESRD oder Tod), bei Patienten, die Metformin eingenommen hatten und bei Patienten, die Metformin nicht eingenommen hatten.

Die Daten waren im Rahmen der TREAT-Studie mit Patienten mit Diabetes und chronischer Niereninsuffizienz (eGFR von 20–60 ml/min/1,73m2) zur Verringerung kardiovaskulärer Ereignisse mit einer Aranesp (Darbepoeitin alfa) -Therapie erhoben worden. Die Studiendaten von Metforminanwendern und -nichtanwendern wurden nach einem Propensity-Matching mithilfe von multivariaten proportionalen Hazardmodellen analysiert.

Ergebnisse

Zu Studienbeginn nahmen 591 Personen Metformin ein und 3.447 nicht. Bei den über den Propensity-Score zugeordneten Metforminanwendern traten innerhalb von 2,5 Jahren weniger Todesfälle (4,6 vs. 8,5 pro 100 Patientenjahren), kardiovaskuläre Todesfälle (2,8 vs. 5,2 pro 100 Patientenjahren), kardiovaskuläre Ereignisse (8,6 vs. 11,9 pro 100 Patientenjahren) und der kombinierte renale Endpunkt (11,7 vs. 14,9 pro 100 Patientenjahren) auf als bei Nicht-Anwendern. Die Inzidenz der ESRD war jedoch geringfügig höher (4,0 vs. 3,6 pro 100 Patientenjahren).

Die Anwendung von Metformin war mit einem verminderten Risiko für Mortalität insgesamt (HR 0,49; 95%-KI 0,36-0,69), für kardiovaskulären Tod (HR 0,49; 95%-KI 0,32-0,74), für den kombinierten kardiovaskuläre Endpunkt (HR 0,66, 95%-KI, 0,51-0,88) und für den kombinierten renalen Endpunkt (HR 0,77; 95%-KI 0,61-0,98) assoziiert. Das Risiko für die ESRD unterschied sich bei Metformin-Anwendern und -Nicht-Anwender (HR 1,01; 95%-KI, 0,65-1,55).

Die Ergebnisse waren in adjustierten Analysen für die Gesamtpopulation qualitativ ähnlich. Es wurden zwei Fälle von Laktatazidose bei Metforminanwendern ermittelt.

Fazit

Die Autoren der Publikation schließen aus ihren Daten, dass Metformin für die Anwendung bei Patienten mit CKD sicherer sein kann als zuvor angenommen, und dass die Anwendung bei Personen mit CKD im Stadium G3 das Risiko für Tod und kardiovaskuläre Ereignisse senken kann. Die Progression der CKD werde durch Metformin allerdings nicht verlangsamt. Die Ergebnisse sollten zwar noch in randomisierten Studien bestätigt werden, empfehlen die Experten, können jedoch bei der Entscheidungsfindung für die Gabe von Metformin bei Patienten mit CKD im späten Stadium helfen.

Die Autoren wiesen darauf hin, dass die Metforminbehandlung in der Studie nicht randomisiert war, und daher statistische Verzerrungen möglich sind. Außerdem waren neuere Medikamente zum Zeitpunkt der Analyse nicht verfügbar, so dass deren Effekt nicht mit dem von Metformin verglichen werden konnte.

Die Studie wurde von der Firma Amgen finanziert und ist unter der Nummer NCT00093015 bei ClinicalTrials.gov registriert.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 30.04.2019

Quelle:
  1. Charytan et al. (2019): Metformin use and cardiovascular events in patients with type 2 diabetes and chronic kidney disease. Diabetes Obes Metab, DOI: 10.1111/dom.13642
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