Orales Semaglutid wirksam bei Typ-2-Diabetes

In der Phase-3-Studie an über 700 Patienten mit Typ-2-Diabetes senkten innerhalb von 26 Wochen alle drei geprüften Dosen von oralem Semaglutid die HbA1c-Werte und das Körpergewicht signifikant gegenüber Placebo. Unerwünschte Nebenwirkungen waren hauptsächlich gastrointestinaler Natur.

Medikamenteneinnahme Tabletten

Neuartige Formulierung zur oralen Applikation

Um sowohl Stabilität als auch eine gute Absorptionsfähigkeit im Magen-Darm-Trakt zu erreichen, wurden für die orale Formulierung spezifische Aminosäuren des humananalogen GLP1 (glukagonähnliches Peptid 1 [Glucagon-Like Peptide-1])-Rezeptoragonisten Semaglutid ausgetauscht. Ziel war es, den Wirkstoff gegen den enzymatischen Abbau zu schützen und über eine langkettige Fettsäure eine besonders starke Bindung an Albumin zu ermöglichen, erläuterte Professor Dr. Daniel J. Drucker vom Mount-Sinai-Hospital in Toronto. Die Absorption im Magen wird durch die Koformulierung des oralen Semaglutids mit dem Absorptionsverstärker SNAC (soodium N-(8-[2-hydroxybenzoyl] amino) caprylate) erreicht.

In einer Phase-2-Studie erreichten mindestens vier von fünf Patienten mit Typ-2-Diabetes ab einer Dosierung von 5 mg oralem Semaglutid einen HbA1c-Wert <7,0%, berichtete Professor Dr. Melanie J. Davies von der Universität Leicester. Das HbA1c war bei den Patienten bislang mit Diät, körperlicher Aktivität und teilweise auch Metformin nicht ausreichend kontrolliert gewesen. Die Nebenwirkungen entsprachen denen von einmal wöchentlich subkutan verabreichtem Semaglutid.

PIONEER-1-Studie

In der PIONEER-1-Studie, einer 26-wöchigen, randomisierten, doppelblinden, multizentrischen, multinationalen Studie mit vier parallelen Gruppen, untersuchten Wissenschaftler die Wirksamkeit und Sicherheit von drei Dosierungsstufen von einmal täglich oral verabreichtem Semaglutid im Vergleich zu Placebo bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes, die bisher nur Lebensstilmaßnahmen (Diät und Bewegung) angewandt hatten.

Der primäre Endpunkt war die Veränderung des HbA1c-Wertes in Woche 26 gegenüber dem Ausgangswert. Der Anteil der Patienten, die einen HbA1c-Wert von <7% erreichten und die Veränderung des Körpergewichts waren sekundäre Endpunkte.

Es wurden zwei unterschiedliche Ansätze zur Bewertung der Wirkungen von oralem Semaglutid angewendet:

  • Bewertung der Behandlungseffizienz einschließlich der Wirkung von Notfallmedikamenten und unabhängig von einem vorzeitigen Abbruch des Versuchspräparats (Intent-to-Treat-Prinzip)
  • Bewertung des Behandlungseffekts unter Anwendung des Versuchspräparats und ohne Notfallmedikamente (On-Treatment-Principle).

Signifikante Reduktion von HbA1c gegenüber Placebo

In allen Studiengruppen lag der HbA1c-Wert zu Beginn der randomisierten Studienphase bei etwa 8%. Dr. Vanita Aroda stellte die Behandlungsergebnisse von mehr als 700 Patienten mit Typ-2-Diabetes über 26 Wochen vor. Alle drei geprüften Dosen von oralem Semaglutid (3, 7 oder 14 mg, 1x täglich) senkten signifikant das HbA1c um 0,8%, 1,3% bzw. 1,5% gegenüber 0,1% bei Placebogabe (jeweils P<0,001 für die On-Treatment-Analyse).

Dosisabhängige Gewichtsabnahme

Die Gewichtsabnahme war mit der 14 mg-Dosis signifikant und betrug 4,3 kg gegenüber 1,6 kg unter Placebo (P<0,001).

Gastrointestinale Nebenwirkungen

Unerwünschte Ereignisse waren hauptsächlich gastrointestinaler Art, wie Übelkeit bei 5% bis 16% aller Patienten unter Semaglutid und bei 6% der Patienten unter Placebo. Insgesamt berichteten 58% der Patienten im 3-mg-Arm, 53% der Patienten im 7-mg-Arm und 57% der Patienten im 14-mg-Arm (verglichen mit 56% der Patienten, die ein Placebo erhielten) über unerwünschte Ereignisse. Aufgrund von unerwünschten Ereignissen wurde die Behandlung von 2% bis 7% der Patienten unter oralem Semaglutid und von 2% der Patienten unter Placebo abgesetzt.

Das PIONEER-Studienprogramm

PIONEER ist ein klinisches Phase-3a-Entwicklungsprogramm für oral verabreichtes Semaglutid, an dem weltweit 8.845 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes in zehn klinischen Studien teilnehmen. Diese werden voraussichtlich 2018 abgeschlossen sein.

Orale Formulierungen der GLP1-Rezeptoragonisten könnten zukünftig von vielen Patienten gegenüber der injizierbaren Form bevorzugt werden, ist Davies überzeugt. Allerdings muss orales Semaglutid nüchtern eine halbe Stunde vor dem Frühstück eingenommen werden, das könnte die Adhärenz und auch die Einnahme anderer Medikamente beeinträchtigen, gab Professor Dr. Clifford J. Bailey von der Aston Universität in Birmingham zu bedenken.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 07.12.2018

Quelle:
  1. Deutsche Diabetes Gesellschaft: Therapie mit GLP1-Rezeptoragonist geht auch oral, Diabetes-Zeitung vom 27.11.2018
     
  2. Novo Nordisk, Pressemitteilung
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