Diabetes Typ 2

Hintergrund

Ein Zusammenhang zwischen Statintherapie und Diabetes ist aus mehreren epidemiologischen Studien bekannt. Das erhöhte Risiko für eine Erkrankung an Typ-2-Diabetes, das mit der Einnahme von Statinen einhergeht, wurde in Beobachtungsstudien höher (44%) eingeschätzt als in randomisierten klinischen Studien (9 bis 13%). Daten zum Zusammenhang zwischen Statintherapie und glykämischen Kennzahlen und Insulinresistenz oder zum verantwortlichen Mechanismus liegen jedoch nur eingeschränkt vor.

Zielsetzung

Ein Wissenschaftlerteam um Fariba Ahmadizar vom Erasmus University Medical Centre in Rotterdam, Niederlande, untersuchte den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Statinen und glykämischen Charakteristika sowie dem Auftreten von Typ-2-Diabetes [1].

Methodik

Die Forscher nutzten Daten der prospektiven bevölkerungsbezogenen Rotterdam-Studie aus dem Zeitraum zwischen 1997 und 2012. Sie identifizierten 9.535 Personen, die zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Studie älter als 45 Jahre und nicht an Diabetes erkrankt waren, und nahmen diese in ihre Analyse auf.

Mittels einer linearen Regressionsanalyse untersuchten die Forscher Zusammenhänge zwischen Statinanwendung und glykämischen Charakteristika, einschließlich Nüchternglukose- und -insulinspiegel im Serum, sowie die Insulinresistenz im Querschnitt.

In einer nachfolgenden Längsschnittuntersuchung bestimmten die Wissenschaftler mittels einer Cox-Regressionsanalyse die adjustierten Hazard Ratios (HR) für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes bei Studienteilnehmern, die neu mit der Statinanwendung begonnen hatten.

Die verwendeten Regressionsmodelle waren bezüglich potenzieller Risikofaktoren zu Studienbeginn und späteren Beobachtungszeitpunkten vollständig adjustiert.

Ergebnisse

Das Durchschnittsalter der in die Studie aufgenommenen Personen betrug 64,3 ± 10,1 Jahre, 41,7% waren Männer. Bei Studienbeginn zeigten die Teilnehmer, die Statine einnahmen im Vergleich zu Patienten, die zuvor nicht mit Statinen behandelt worden waren, höhere Konzentrationen an Nüchtern-Seruminsulin (ß: 0,07; 95% -KI: 0,02–0,13) und eine größere Insulinresistenz (ß: 0,09; 95%-KI: 0,03–0,14).

Mit der Anwendung von Statinen erhöhte sich das Risiko für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes um 38% (HR 1,38; 95%-KI: 1,09–1,74). Dieses Risiko war bei Patienten mit gestörter Glukosehomöostase und bei übergewichtigen oder adipösen Personen noch ausgeprägter.

Fazit

Personen, die Statine einnehmen, haben möglicherweise ein höheres Risiko für das Auftreten von Hyperglykämie, Insulinresistenz und in der Folge Typ-2-Diabetes. Begleitende rigorose Präventionsstrategien wie Glukosekontrolle und Gewichtsreduzierung bei der Einleitung einer Statintherapie können dazu beitragen, das Diabetesrisiko dieser Personen zu minimieren, schließen die Autoren der Studie aus ihren Daten.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 13.03.2019

Quelle:
  1. Ahmadizar et al. (2019): Associations of statin use with glycaemic traits and incident type 2 diabetes. British Journal of Clinical Pharmacology, DOI: 10.1111/bcp.13898 (Vorabversion, zur Publikation angenommen)