Aripiprazol: Änderung Produktinformation

Zu Arzneimitteln, die den Wirkstoff Aripiprazol enthalten, wurden Änderungen in der Produktinformation beschlossen, die das Auftreten von Stürzen und die Nebenwirkung Blickkrampf betreffen.

Wissenschaftliche Schlussfolgerungen

Bericht

Sturz

Obwohl die verfügbaren Daten keine ausreichenden Beweise für einen eindeutigen kausalen Zusammenhang zwischen Aripiprazol und dieser unerwünschten Arzneimittelwirkung lieferten, wurden 507 Fälle identifiziert, in denen 518 Ereignisse von Stürzen im Zusammenhang mit Abilify gemeldet wurden. Die 518 Ereignisse umfassten 291 schwere Ereignisse, von denen 31 tödlich verliefen. Bei 87 Fällen erschwerte eine Krankengeschichte mit bekannten Risikofaktoren eine eindeutige Zuordnung. Dazu gehörten Gleichgewichtsstörungen, Bewusstseinsverlust, Synkope, Somnolenz, extrapyramidale Störung, Oberschenkelbruch, Alkoholmissbrauch, Schenkelblock, Osteoporose, Arthroplastik des Knies, Wirbelkörperfusionsoperation, Verkehrsunfall, Sturz, transitorische ischämische Attacke, apoplektischer Insult, Kopfverletzung und Lewy-Körper-Demenz. In 172 Fällen war die Begleittherapie mit Risperidon, Quetiapin-Fumarat, Clonazepam, Latuda und/oder Valium ein Faktor, der die Zuordnung erschwerte.

Außerdem gibt es auch einige Hinweise aus der wissenschaftlichen Literatur darauf, dass der Einsatz von Antipsychotika der zweiten Generation, wie Aripiprazol, insbesondere bei der älteren Bevölkerung, mit einem erhöhten Sturz- und Frakturrisiko verbunden ist. Die Anwendung von Aripiprazol steht bekanntermaßen mit anderen unerwünschten Arzneimittelwirkungen in Verbindung, die für Stürze prädisponieren können, wie z. B. Somnolenz, Sedierung, Schwindel oder Hypotonie.

In der US-Produktinformation wird bereits seit 2017 eine Warnung zur Substanzklasse der Antipsychotika erwähnt. Andere atypische Antipsychotika haben bereits eine Warnung in der Produktinformation. In diesem Zusammenhang und angesichts der Schwere der Folgen von Stürzen, insbesondere bei älteren Menschen, ist der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (Pharmacovigilance Risk Assessment Committee, PRAC) der Auffassung, dass eine Aktualisierung der Produktinformationen mit Aufnahme einer Warnung in Abschnitt 4.4 der SmPC empfohlen wird.

Blickkrampf

Aus Post-Marketing-Quellen liegen für dieses Intervall 20 Berichte über Blickkrampf (11 schwere) und 244 kumulierte Berichte (92 schwere) vor. Der PSUR für die Marktführer Abilify und Abilify Maintena sammelt Daten für die Darreichungsformen mit sofortiger Freisetzung und die Depot-Injektionssuspension. In diesem Periodic Safety Update Reports (PSUR) liegen, für dieses Intervall, für die oralen Darreichungsformen 15 spontane Berichte über Blickkrampf (8 schwere) und 223 kumulierte Berichte (78 schwere) vor, im Vergleich dazu werden für dieses Intervall für die Darreichungsformen mit sofortiger Freisetzung und der Depot-Injektionssuspension 5 spontane Berichte über Blickkrampf (3 schwer) und 21 kumulierte (14 schwere) aufgeführt.

Auch aus der EudraVigilance-Datenbank wurde mindestens ein Fall mit einer positiven Re-Challenge abgerufen, der einen wahrscheinlichen kausalen Zusammenhang zwischen Blickkrampf und der Anwendung von Aripiprazol vermittelt.

Es gibt weitere 154 kumulierte spontane Berichte über eine Augenbewegungsstörung, von denen 22 schwerwiegend waren. Die Fachinformation für die Abilify Maintena Depot-Injektionssuspension führt Blickkrampf in Abschnitt 4.8 und die Gebrauchsinformation listet die Fixierung von Augäpfeln in einer Position als gelegentliche Nebenwirkung auf. Für alle anderen Aripiprazolprodukte ist Blickkrampf nicht aufgeführt. Alle anderen Darreichungsformen besagen in Abschnitt 4.8 nur, dass Dystonie ein Substanzklasseneffekt dieses Arzneimittels ist.

Anschließend wird eine Reihe von Symptomen der Dystonie aufgelistet, darunter Krämpfe der Genickmuskulatur, die manchmal bis zu einem Schlundkrampf fortschreiten, Schluckbeschwerden, Atembeschwerden und/oder Heraushängen der Zunge. In diesem Abschnitt werden Augenbewegungsstörungen nicht erwähnt. Die Gebrauchsinformationen für diese Arzneimittel haben ähnliche Warnungen hinsichtlich von Muskelkrämpfen, Schluckbeschwerden und Atembeschwerden, aber ebenfalls keine Erwähnung von Augenbewegungsstörungen. Dystonie ist eine bekannte Nebenwirkung dieses Arzneimittels. Aufgrund der großen Zahl der gemeldeten Fälle, scheint es wahrscheinlich, dass Aripiprazol einen Blickkrampf verursachen kann. Es ist wahrscheinlich, dass Ärzte in der Lage sein werden, den Blickkrampf als Dystonie zu diagnostizieren und dieses Symptom daher auf Aripiprazol zurückzuführen, aber es ist unwahrscheinlich, dass Patienten die Augenbewegungen mit einer der in der Gebrauchsinformation aufgeführten Nebenwirkungen in Verbindung bringen können. Basierend auf den verfügbaren Daten sollte diese Nebenwirkung in allen aripiprazolhaltigen Produktformulierungen aufgeführt werden.

Die Koordinierungsgruppe (CMDh) stimmt den wissenschaftlichen Schlussfolgerungen des PRAC zu.

In die entsprechenden Abschnitte der Produktinformation aufzunehmende Änderungen (neuer Text ist fett und  unterstrichen, gelöschter Text ist durchgestrichen).

Änderungen Fachinformation

Aripiprazol-Formulierungen mit sofortiger Freisetzung

Abschnitt 4.4

Stürze

Aripiprazol kann Somnolenz, lageabhängige Hypotonie und motorische und sensorische Instabilität verursachen, was zu Stürzen führen kann. Bei der Behandlung von Patienten mit erhöhtem Risiko ist Vorsicht geboten und eine niedrigere Anfangsdosis sollte in Betracht gezogen werden (z. B. bei älteren oder geschwächten Patienten, siehe Abschnitt 4.2).

Abschnitt 4.8

Die folgende Nebenwirkung sollte unter der Systemorganklasse „Augenerkrankungen“ unter der Häufigkeit „Nicht bekannt“ eingefügt werden:

Blickkrampf

Aripriprazol-Formulierungen mit verlängerter Freisetzung

Abschnitt 4.4

Stürze

Aripiprazol kann Somnolenz, lageabhängige Hypotonie und motorische und sensorische Instabilität verursachen, was zu Stürzen führen kann. Bei der Behandlung von Patienten mit erhöhtem Risiko ist Vorsicht geboten und eine niedrigere Anfangsdosis sollte in Betracht gezogen werden (z. B. bei älteren oder geschwächten Patienten, siehe Abschnitt 4.2).

Änderungen Gebrauchsinformation

Aripiprazol-Formulierungen mit sofortiger Freisetzung

Sektion 2. Was sollten Sie beachten, bevor <Arzneimittel> bei Ihnen angewendet wird?

(…)

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

(…)

Aripiprazol kann Schläfrigkeit, starkes Absinken des Blutdrucks beim Aufstehen, Schwindel und Veränderungen in Ihrer Bewegungsfähigkeit und Ihrem Gleichgewicht verursachen, was zu Stürzen führen kann. Vorsicht ist insbesondere dann geboten, wenn Sie ein älterer Patient oder geschwächt sind.

Sektion 4. Welche Nebenwirkungen sind möglich?

  • Fixierung der Augäpfel in einer Position,

Aripriprazol-Formulierungen mit verlängerter Freisetzung

Sektion 2. Was sollten Sie beachten, bevor <Arzneimittel> bei Ihnen angewendet wird?

(…)

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

(…)

Aripiprazol kann Schläfrigkeit, starkes Absinken des Blutdrucks beim Aufstehen, Schwindel und Veränderungen in Ihrer Bewegungsfähigkeit und Ihrem Gleichgewicht verursachen, was zu Stürzen führen kann. Vorsicht ist insbesondere dann geboten, wenn Sie ein älterer Patient oder geschwächt sind.

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