Carmustin (Implantat): Änderung Produktinformation

In den Produktinformationen Carmustin-haltiger Implantante soll die unerwünschten Arzneimittelwirkung Pneumocephalus mit der Häufigkeitsangabe „gelegentlich“ aufgenommen werden.

Wissenschaftliche Schlussfolgerungen

Bericht

Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) empfiehlt Änderungen an den Produktinformationen Carmustin-haltiger Implantate.

1. Pneumocephalus:

Insgesamt wurden 51 Fälle von Pneumocephalus in Zusammenhang mit Carmustin-Implantaten gefunden. Intrakranielle Luftansammlungen sind ein normaler Befund nach Kraniotomie; sie sind in der Regel asymptomatisch und werden spontan resorbiert. Es ist jedoch zu beachten, dass bei 26 dieser 51 Fälle ein Pneumocephalus in Verbindung mit anderen Ereignissen wie Hirnödem (27 Berichte), Hemiplegie (10 Berichte), Aphasie (4 Berichte) und Krampfanfällen (7 Berichte) gemeldet wurde. Die Möglichkeit, dass das Auftreten eines Pneumocephalus zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führt, ist nicht von der Hand zu weisen, und es ist nicht möglich, einen Zusammenhang des Pneumocephalus mit Gliadel vollständig auszuschließen. Daher wird es als notwendig erachtet, die Abschnitte 4.4 und 4.8 der Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels von Gliadel für die EU durch Aufnahme der unerwünschten Arzneimittelwirkung Pneumocephalus mit der Häufigkeitsangabe „gelegentlich“ – basierend auf Daten aus interventionellen klinischen Studien – zu aktualisieren.

2. Lokale Blutgefäßveränderungen:

Von den 219 Berichten über unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit Blutungen im zentralen Nervensystem und Schlaganfällen, die für Carmustin-Implantat gefunden wurden, enthalten 13 Informationen über Gefäßveränderungen. Acht Berichte beschrieben Wirkungen, die nach der Operation auftraten (Gefäßkrampf (6), ischämischer Schlaganfall (1), Gefäßdissektion (1)), während die restlichen fünf Berichte Auswirkungen beschrieben, die sich mehr als 6 Monate nach der Operation entwickelten (Aneurysma (2), ischämischer Schlaganfall (2), Vaskulitis (1)). Die beiden gut dokumentierten Fälle von Aneurysmen berichteten über Gefäßwandveränderungen, wobei in einem Fall eine sehr brüchige Gefäßwand beschrieben wurde und im anderen Fall eine Dissektion der Intima. Auf der Grundlage präklinischer Daten und verfügbarer klinischer Daten zu den pharmakokinetischen Eigenschaften kann eine lokale Entzündung durch Carmustin einige Auswirkungen auf benachbarte Blutgefäße haben. Dies steht auch mit mehreren klinischen Empfehlungen im Einklang, die davon abraten, Carmustin-Implantate in unmittelbarer Nähe großer zerebraler Blutgefäße einzusetzen. In Anbetracht der Schwere der Ereignisse und unter Berücksichtigung der aktuellen Evidenzlage wird daher empfohlen, Abschnitt 4.4 der Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels von Gliadel für die EU zu aktualisieren, um Ärzte über das potenzielle Risiko von Gefäßwandveränderungen zerebraler Blutgefäße in der Nähe der Gliadel-Implantate – einschließlich des Risikos eines Aneurysmas, das zum Auftreten von Hirnblutungen oder Schlaganfällen mehrere Monate nach der Gliadel-Implantation führen können – zu  informieren und zu empfehlen, das Einsetzen von Gliadel-Implantaten in der Nähe großer Hirngefäße zu vermeiden. Ferner wird darauf hingewiesen, dass dieses potenzielle Risiko minimiert
werden kann, wenn eine Implantation in der Nähe großer Hirngefäße vermieden wird. Gründe für die Änderung der Bedingungen der Genehmigung(en) für das Inverkehrbringen Die Koordinierungsgruppe (CMDh) ist auf der Grundlage der wissenschaftlichen Schlussfolgerungen für Carmustin (Implantat) der Auffassung, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis des Arzneimittels/der Arzneimittel, das/die Carmustin (Implantat) enthält/enthalten, vorbehaltlich der vorgeschlagenen Änderungen der Produktinformationen unverändert ist.

In die entsprechenden Abschnitte der Produktinformation aufzunehmende Änderungen (neuer Text ist unterstrichen und fett, gelöschter Text ist durchgestrichen):

Änderungen Fachinformation

Abschnitt 4.4         

Folgender Warnhinweis ist hinzuzufügen:

Patienten,  bei  denen  wegen  maligner  Hirntumore  eine  Kraniotomie  erforderlich  ist  und  GLIADEL  Implantate   eingesetzt   werden   sollen,   müssen   hinsichtlich   der   bekannten   Komplikationen   bei   Schädeleröffnungen,  darunter  Konvulsionen,  intrakranielle  Infektionen,  anormale  Wundheilung,  und  Hirnödem und Pneumocephalus sorgfältig beobachtet werden (siehe Abschnitt 4.8). 

...//...

„Veränderungen der Gefäßwände zerebraler Blutgefäße in der Nähe der Gliadel Implantate, einschließlich Fälle von Aneurysma mit daraus resultierenden zerebralen Blutungen mehrere Monate  nach  dem  Einsetzen  des  Gliadel  Implantates,  wurden  beschrieben.  Das  Einsetzen  von Gliadel Implantaten angrenzend an große zerebrale Blutgefäße ist zu vermeiden.“

Abschnitt 4.8         

Die folgende Nebenwirkung „Pneumocephalus“ ist unter der Systemorganklasse „Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen“ mit der Häufigkeitsangabe „gelegentlich“ aufzunehmen. 

...//...

Über die folgenden Nebenwirkungen, die in der vorstehenden Tabelle nicht aufgeführt sind, wurde bei den mit GLIADEL Implant behandelten Patienten in allen Studien berichtet. Diese Nebenwirkungen waren entweder vor der Operation nicht vorhanden oder sie hatten sich in der postoperativen Phase verstärkt. Ob diese durch GLIADEL Implantat hervorgerufen wurden, konnte nicht festgestellt werden.

Unerwünschte Ereignisse bei Patienten, die GLIADEL Implantat erhielten

Organklasse Unerwünschte Ereignise
...//...  

Verletzung, Vergiftung und durch

Eingriffe bedingte Komplikationen

Gelegentlich

 

"Pneumocephalus“

 

...//...  

„Für  Gliadel  liegen  Berichte  über  Fälle  von  Luftansammlung  an  der  Implantationsstelle,  manchmal    in    Verbindung    mit    neurologischen    Symptomen    (Hemiplegie,    Aphasie,    Krampfanfälle), vor.”

Änderungen Gebrauchsinformation

4. Mögliche Nebenwirkungen:

Gelegentliche Nebenwirkungen (zwischen 1 und 10 Patienten von 1.000)

Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen

  • Pneumocephalus (Luftansammlung an der Implantationsstelle)
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