Schmerzen im Brustkorb

Bei Patienten, die unter chronischem gastroösophagealem Reflux leiden (gastroeophageal reflux disease = GERD), gelten Protonenpumpeninhibitoren (PPI) als Therapie der Wahl. Sie heben den pH-Wert des Mageninhalts und damit den des Refluats an. Weniger Säure bedeutet auch weniger Symptome. Läsionen, die durch die Säureexposition an der Speiseröhre entstehen, werden gelindert oder verhütet.

Fast jeder Zweite hat Durchbruch-Symptome

Hinsichtlich der akuten Beschwerden funktioniert die PPI-Behandlung aber nicht immer zufriedenstellend. Etwa 30–50% der Patienten bleiben symptomatisch. Nahezu jeder zweite chronische GERD-Patient mit PPI-Dauertherapie hat an mindestens zwei Tagen pro Woche so starkes Sodbrennen, das die Lebensqualität einschränkt ist.

Das ist auch nicht verwunderlich, denn PPI können die pathophysiologische Ursache des Refluxes – die defekte Anti-Reflux-Barriere zwischen Magen und Speiseröhre – nicht beheben.

Acid-Pocket: Ursache für Sodbrennen

Verantwortlich für die Rest-Beschwerden der GERD-Patienten gilt die Acid-Pocket: eine physiologische, unmittelbar nach dem Essen auftretende Säureansammlung direkt unterhalb der Cardia. Diese Acid-Pocket lässt sich durch eine konventionelle PPI-Therapie nicht eliminieren.

Alginate machen den Deckel drauf

Es fehlt also eine Art Deckel auf dem Mageninhalt, der den Reflux verhindert. Einen solchen Deckel könnte man mit Alginaten herstellen. Alginate fallen bei Säurekontakt aus und bilden eine gallertartige Schicht auf dem Mageninhalt. Hierdurch wird die Acid-Pocket ausgeschaltet und Reflux-Episoden reduziert.

Dass dies auch klinisch funktioniert, haben Gastroenterologen um Dr. Matthias Müller vom Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen belegt. Sie untersuchten in ihrer prospektiven, multizentrischen, nicht-randomisierten Studie 155 Reflux-Patienten mit mindestens einjähriger PPI-Dauertherapie, die mit ihrer Behandlung unzufrieden waren. Die Patienten wurden über 14 Tage mit einem Alginat nach Bedarf (bis zu vier Mal täglich) behandelt. Erfasst wurde die Frequenz der Symptome in der Woche vor der Therapie und in der zweiten Behandlungswoche, zusätzlich der validierte GERD-Q-Score. Die Patienten gaben ihre Zufriedenheit mit der Therapie vor Beginn und am Ende der Studienperiode auf einer 5-Punkt-Likert-Skala an (1: sehr unzufrieden; 5: zufrieden).

Weniger Symptome, besserer Schlaf

Das Ergebnis:  Die Alginat-Therapie führte bei 72% der Patienten zu einer Verbesserung der Therapiezufriedenheit um mindestens einen Punkt (1 Punkt: n = 45, 2 Punkte: n = 41, 3 Punkte: n = 16, 4 Punkte: n = 5). Patienten mit einem GERD-Q-Score von  über  8 sprachen häufiger auf die Therapie an (81%). Die Verbesserung umfasste alle typischen Reflux-Symptome und Schlafstörungen.

Nebenwirkungen

Von den Teilnehmern klagten 27 Patienten über unerwünschte Wirkungen der Alginat-Therapie. Dazu zählten schlechter Geschmack, Übelkeit, Obstipation, Diarrhoe, Oberbauchschmerzen, allergische Reaktion und Schwindel.

Fazit

Das Fazit der Siegener Gastroenterologen: Eine Reflux-Blockade mit einem Alginat als Add-on ist eine wirksame und sichere Option zur Behandlung von Durchbruchsymptomen bei GERD-Patienten mit PPI-Therapie.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 28.12.2018

Quelle:

Müller et al (2018): Alginat bei Bedarf als Add-on bei unzureichendem Effekt von Protonenpumpen-Hemmern bei Patienten mit gastroösophagealer Reflux-Krankheit; Deutsche medizinische Wochenschrift, DOI: 10.1055/a-0736-5959