Antibiotika-Prophylaxe nach Zangengeburt lohnt sich

Anders als nach einem Kaiserschnitt ist eine antibiotische Abdeckung nach einer Zangengeburt oder nach einer Entbindung mit der Saugglocke nicht üblich – aber sinnvoll. Eine in „Lancet“ veröffentlichte britische Studie konnte belegen, dass sich damit fast die Hälfte an Infektionen bei der Mutter vermeiden lässt.

Kreißsaal

Nicht nur bei einem Kaiserschnitt, auch bei vaginal-operativen Entbindungen besteht ein ebenso großes, wenn nicht höheres Infektionsrisiko für die Mutter. Denn die durch den langen Geburtsvorgang erforderlichen häufigen manuellen Untersuchungen, Blasenkatheterisierung, der bei Zangengeburten meist obligate Dammschnitt und auch die beim Einsatz von Saugglocke oder Zange unvermeidbaren Gewebsverletzungen schaffen Eintrittspforten für Keime.

Prospektive Studie

Während nach einer Sectio caesarea standardmäßig eine Antibiotikagabe erfolgt, bleiben Mütter nach einer Zangen- oder Saugglockenextraktion in der Regel ohne eine Prophylaxe mit Antibiotika. Denn bisher gab es dafür keinen Wirksamkeitsnachweis.

Das wollten nun britische Wissenschaftler in einer großen, prospektiv randomisierten Studie an britischen Entbindungsstationen nachholen: das Team um Professor Dr. Marian Knight von der Universität Oxford verabreichte insgesamt 3.420 Frauen innerhalb von sechs Stunden nach vaginal-operativer Entbindung entweder 1 g Amoxicillin/200 mg Clavulansäure oder ein Placebo. Primärer Endpunkt war die Infektionsrate bis zu sechs Wochen nach der Geburt. Bei 63 % der Entbindungen war eine Geburtszange angewendet worden und bei 37 % eine Saugglocke. Bei 89 % der Frauen wurde eine Episiotomie (Dammschnitt) vorgenommen.

Weniger Infektionen, weniger Schmerzen

Die Antibiotikaprophylaxe reduzierte das Infektionsrisiko bei Entbindung mit Hilfe der Geburtszange um 38 %, nämlich von 22 % (Placebo) auf 13 % (Verum). Bei der Vakuumextraktion (Saugglocke) verringerte sich das Risiko um 44 %, nämlich von 14% (Placebo) auf 8% (Verum). Für alle Formen operativ-vaginaler Entbindungen betrug die Risikoreduktion 42% (p < 0,0001). Auch eine Sepsis trat bei Frauen unter Antibiotika seltener auf als unter Placebo (0,6 versus 1,5%). Zudem kam es in der Antibiotika-Gruppe seltener zu perinealen Wundinfektionen und perinealen Schmerzen.

Antibiotika-Prophylaxe sollte in Leitlinien aufgenommen werden

Fazit: Die Autoren schließen aus ihren Ergebnissen, dass bei operativer vaginaler Entbindung grundsätzlich eine Antibiotikaprophylaxe erwogen werden sollte, denn das durchschnittliche Infektionsrisiko der Mutter sinke dadurch signifikant. Sie fordern dazu auf, die bestehenden Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie nationaler Fachgesellschaften entsprechen anzupassen.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 26.06.2019

Quelle:
  1. Knight et al. (2019): Prophylactic antibiotics in the prevention of infection after operative vaginal delivery (ANODE): a multicentre randomised controlled trial. The Lancet, DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(19)30773-1
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige

Gelbe Liste Gynäkologie

Gynäkologische Erkrankungen

Pharma News

Ärztliche Fachgebiete

Orphan Disease Finder

Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen:

 

Newsletter