Unter Aromatasehemmern kein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche

Gute Nachrichten für Frauen mit Brustkrebs: Selbst eine jahrelange Therapie mit Aromatasehemmern heißt nicht automatisch, dass die Gefahr von Knochenbrüchen steigt, wie jetzt eine kanadische Studie belegt.

Osteoporose

Aromatase ist das in Leber, Nebenniere und Adipozyten vorkommende Hauptenzym der Östrogensynthese aus den Hormonen Androstendion und Testosteron. Mit Aromatase-Inhibitoren (AI) wird bei postmenopausalen Frauen mit hormonsensitivem Brustkrebs diese Umwandlung in Östrogen verhindert. Da das anabole Hormon Östrogen fehlt, wird allerdings nicht nur das Tumorwachstum gemindert, auch andere anabole Prozesse werden gehemmt, hauptsächlich macht sich das Fehlen des Östrogens beim Knochenstoffwechsel bemerkbar: Die Knochendichte schwindet, es kommt zu Osteoporose, was wiederum mit einem erhöhten Frakturrisiko einhergeht.

Knochenbruch durch Aromatasehemmer?

Doch haben Frauen unter Aromatasehemmern wirklich häufiger Knochenbrüche? Dies wollten Forscher der Universität Manitoba in Winnipeg (Kanada) wissen. Sie stellten aus einem Register für Knochenmineraldichte(KMD)-Messung mit Daten von 36.996 Frauen über 40 Jahren eine Kohortenstudie zusammen. Aus diesem Datenmaterial wurden drei Gruppen eingeteilt:

  • Frauen mit Brustkrebs, die mehr als 12 Monate mit AI behandelt worden waren (n = 1.775). Die mediane AI-Exposition betrug insgesamt 4,2 Jahre.
  • Frauen mit Brustkrebs, die keine AI-Therapie erhalten hatten (n = 1.016).
  • Frauen der Allgemeinbevölkerung (n = 34.205).

Für die einzelnen Gruppen wurde die Rate an Knochenbrüchen aus Klinikdaten und Arztrechnungen ermittelt.

Keine wesentliche erhöhte Fraktur-Inzidenz bei AI-Patientinnen

In der adjustierten Analyse hatte die AI-Gruppe im Vergleich zu Allgemeinbevölkerung nur unwesentlich erhöhte Risiken für Knochenbrüche:

  • Für schwere Osteoporosefrakturen (Hüfte, klinische Wirbelsäule, Unterarm und Oberarm) war das Risiko um etwa 15% erhöht (Hazard Ratio HR: 1,15; 95 %-KonfidenzintervallI: 0,93–1,42).
  • Das Hüftfrakturrisiko war um etwa 10% geringer als bei der Allgemeinbevölkerung (HR: 0,90; 95 %-KI: 0,56–1,43)
  • Für alle Frakturen insgesamt war das Risiko der AI-Patientinnen kaum erhöht (HR: 1,06; 95 %-KI: 0,88–1,28).

Keine Entwarnung für AI

Dennoch kann im Hinblick auf das Frakturrisiko für Aromatasehemmer keine vollständige Entwarnung gegeben werden. Denn die kanadischen Wissenschaftler machen darauf aufmerksam, dass im Vergleich zu den andern beiden Gruppen die AI-Patientinnen einen höheren BMI, eine höhere KMD und weniger Frakturen in der Anamnese aufwiesen, und zudem in der AI-Gruppe insgesamt eine niedrigere Prävalenz von Osteoporose bestand (p < 0,001 für alle).

Hoher BMI und KMD wirken Fraktur-protektiv

Daher schließen die Studienautoren aus ihren Ergebnissen, dass diese für Frakturen protektiven Faktoren (höherer BMI und KMD, weniger Frakturen in der Anamnese) die durch den Östrogen-Entzug katabole Wirkung der AI ausgleichen.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 13.08.2019

Quelle:
  1. Leslie et al.: (2019): Fracture Risk in Women with Breast Cancer Initiating Aromatase Inhibitor Therapy: A Registry-Based Cohort Study. Oncologist, DOI: 10.1634/theoncologist.2019-0149
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