Schwangere wacht auf

Die Rate an schlafbezogenen Atemstörungen (Sleep-disordered breathing =SDB) steigt im Verlauf einer Schwangerschaft. Die Prävalenz liegt im letzten Schwangerschaftsdrittel bei etwa 17-35%. Die SDB ist mit einem Risiko für Gestationsdiabetes mellitus (GDM) assoziiert. Wie genau jedoch die SDB den Blutzuckerspiegel beeinflussen, hat nun eine Studiengruppe der Universität von Montreal und der McGill Universität, ebenfalls in Montreal (Kanada), untersucht.

Methodik

In ihre Querschnittsstudie, die sie auf der Jahrestagung der ATS (American Thoracic Society) in Dallas (Texas), vorstellten, schlossen die kanadischen Wissenschaftler 65 Schwangeren mit GDM ein. Die Probandinnen unterzogen sich einer Polysomnographie und einer kontinuierlichen Glukoseüberwachung über 72 Stunden. Im Durchschnitt waren die Schwangeren 35 Jahre alt, hatten einen mittleren BMI von 32 kg/m2, waren in der 29. SSW und ein Drittel von ihnen wurde mit Insulin/Metformin behandelt. Bei der Studie  wurden vor allem der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI), der Sauerstoffsättigungsindex und der Verlauf des Glukosespiegels in Beziehung gesetzt und mit Alter, BMI sowie Anwendung von Insulin/Metformin adjustiert.

Ergebnisse

Die wichtigsten Ergebnisse: der mittlere Apnoe-Hypopnoe-Index betrug 17,1 Punkte, der mittlere Sauerstoffsättigungsindex 3,0. Der AHI korrelierte positiv mit dem 24-Stunden-Glukosewert. Wurden allerdings die Werte mit Alter, BMI und Insulin-Therapie adjustiert, war der Zusammenhang nicht mehr festzustellen.

Anders beim Zusammenhang zwischen ansteigendem AHI und dem Glukosespiegel während des Schlafes: auch nach der Adjustierung blieb die positive Assoziation zwischen erhöhtem AHI und erhöhtem Blutzuckerspiegel bestehen. Das galt sowohl für die erhöhten Glukosespiegel während des Schlafs zu einem frühen (23 Uhr–3 Uhr; Β = 0,02; p = 0,04) und als auch einem späten nächtlichen Zeitpunkt (3–6 Uhr; Β = 0,02; p = 0,02). Auf den Blutzuckerspiegel währen des Tages (8-20Uhr) hatten die nächtlichen Atemstörungen offenbar keinen Einfluss.

Die kanadischen Wissenschaftler errechneten aus ihren Daten ein Prognosemodell: danach wird erwartet, dass es bei 30-jährigen Schwangeren, die keine Medikamente anwenden und einen AHI von unter 30, sowie einen BMI von mindestens 30 kg/m² aufweisen, zu einem Anstieg des mittleren nächtlichen Glukosespiegels von etwa 12 % kommt im Vergleich zu Patientinnen, die keine nächtlichen Atemstörungen haben. 

Interventionsstudien erforderlich

Fazit: Steigende SDB sind assoziiert mit erhöhten nächtlichen Blutzuckerspiegeln. Ohne Behandlung sei die SDB ein Risikofaktor für eine schlechte Blutzuckerkontrolle während einer Schwangerschaft, so die kanadischen Wissenschaftler. Sie halten Interventionsstudien für erforderlich, um die Effekte einer SDB-Behandlung für die Blutzuckerkontrolle bei Gestationsdiabetes zu eruieren.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 24.06.2019

Quelle:
  1. Newbold et al. (2019): Maternal Sleep-Disordered Breathing in Pregnancy Increases Nocturnal Glucose Levels in Women with Gestational Diabetes. ATS 2019