Bluttest auf Trisomie 21 nur bei klarer Indikation

Der Berufsverband der Pränatalmediziner hat in einem Positionspapier klargestellt, dass eine nicht-invasive pränatale Diagnostik nur dann von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden sollte, wenn eine klare Indikation vorliege, beispielsweise familiäre Chromosomenaberrationen wie Trisomie 21, oder Auffälligkeiten im Ersttrimester-Screening.

Blutentnahme

Hintergrund für dieses Statement vom Berufsverband der Pränatalmediziner (BVNP) ist die Diskussion im Gemeinsamen Bundesausschuss über die Frage wie groß der Anspruch werdender Eltern ist, über die Gesundheit ihres Ungeborenen Bescheid zu wissen. Konkret geht es hierbei um die Möglichkeit, schon aus dem mütterlichen Blut mittels eines Gentests Chromosomenaberrationen festzustellen, wobei die Trisomie 21 die häufigste ist.  

Bei dieser als NIPT (nichtinvasiver pränataler Test) bezeichneten Methode wird kindliche DNA aus Zellen gewonnen, die im Blut der Mutter zirkulieren. Auf einen invasiven Eingriff – wie etwa bei der Amniozentese oder der Chorionzottenbiopsie – kann verzichtet werden. Der Test ist auch unter dem Handelsnamen Harmony-Test® bekannt.

Bei positivem Test muss weiter untersucht werden

In dem Positionspapier des BVNP heißt es: „Ein Vorteil des NIPT bietet sich jedoch nur im Falle eines negativen Testergebnisses, denn dieses schließt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Trisomie 21 aus.“ Umgekehrt reiche der NIPT aber nicht aus, um eine Trisomie 21 sicher zu diagnostizieren. Ein auffälliges Ergebnis müsse daher immer in einer anschließenden invasiven Untersuchung überprüft werden. Hierüber müssten die Schwangeren ebenso aufgeklärt werden, wie über die Tatsache, dass der NIPT nicht alle Chromosomenstörungen adressiert und keinerlei Aussagen über die wesentlich häufigeren, nicht genetisch bedingten körperlichen Fehlbildungen des Ungeborenen erlaube.

NIPT nur bei bestimmten Indikationen als GKV-Leistung

Derzeit wird der NIPT nur als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) abgerechnet. Das heißt, die werdenden Eltern müssen die Kosten von mehreren hundert Euro selbst tragen.  

Für den Fall, dass sich der gemeinsame Bundesausschuss dafür entscheidet, diesen Test künftig in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen, fordert der BVNP klare Rahmenbedingungen. Zudem gibt er zu bedenken, dass NIPT nicht die bisherige Diagnostik ersetze und von einem klar definierten Katalog qualitätssichernder Maßnahmen begleitet werden müsse.   

Daher schlägt der BVNP vor, den NIPT nicht flächendeckend anzubieten, sondern nur bei besonderer Indikationsstellung als GKV-Leistung abzurechnen. Denn auch bei der routinemäßigen Schwangerenbetreuung gibt es Hinweise, ob eine Chromosomenaberration vorliegen könnte – beispielsweise die fetale Nackentransparenz-Messung im Ultraschall. Die fetale Nackentransparenz stellte eine Flüssigkeitsansammlung am Nacken des Kindes dar, die bei allen Feten in der 11 bis 13 Schwangerschaftswoche erkennbar ist. Je größer die Nackentransparenz desto größer das Risiko für eine Chromosomenstörung.

Psychosoziale Beratung nötig

Liegt ein solcher Hinweis vor, könnte sich der NIPT anschließen. Damit sei auch sichergestellt, dass das Angebot eines NIPT eng in die bisherigen Strukturen der Pränataldiagnostik eingebunden werde, so der BVNP. Auf jeden Fall müsse den Schwangeren eine qualifizierte medizinische und psychosoziale Beratung zur Verfügung stehen. Auch müsse gewährleistet sein, dass die Betroffenen auf Anschlussuntersuchungen, die unter Umständen notwendig werden, nicht lange warten müssten. Dazu zählen auch die invasiven Techniken der Nabelschnurpunktion, Chorionzottenbiopsie oder Amniozentese.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 02.01.2019

Quelle:

BVNP: BVNP-Positionspapier 2018 zum Thema „NIPT als GKV-Leistung“ (aktuelles Methodenbewertungsverfahren des G-BA)

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