Zervixkarzinome früher erkennen – neues Programm ab 2020

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat ein Programm zur Früherkennung von Zervixkarzinomen erstellt. Das neue organisierte Screeningverfahren soll dabei helfen, Gebärmutterhalskrebs früher zu erkennen und entsprechend effizienter zu behandeln.

Krebsvorsorge

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat nach dem Programm zur Darmkrebsvorsorge eine weitere organisierte Richtlinie zur Karzinomfrüherkennung beschlossen: eine neu strukturierte Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge. Damit folgt der G-BA dem Krebsfrüherkennungs- und registergesetz (KFRG), das die Entwicklung und Erstellung organisierter Krebsfrüherkennungsprogramme fordert. Wenn das Bundesgesundheitsministerium keine Einwände erhebt, tritt das runderneuerte Verfahren zur Zervixkarzinom-Früherkennung am 1. Juli 2019 in Kraft. Sechs Jahre später ist eine Evaluation des Programms geplant. Das Vorsorgeverfahren richtet sich an alle gesetzlich krankenversicherten Frauen zwischen 20 und 65 Jahren. Die ersten Informationsschreiben werden von den Krankenkassen vermutlich ab dem 1. Januar 2020 verschickt. Bis dahin können die bislang üblichen Leistungen zur Früherkennung  von Gebärmutterhalskrebs in Anspruch genommen werden.

Persönliche Informations-Anschreiben

Nach Verabschiedung des runderneuerten Programms zur Früherkennung von Zervixkarzinomen sollen alle gesetzlich krankenversicherten Frauen zwischen dem 20. und 65. Lebensjahr regelmäßig persönlich über die Möglichkeiten zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs informiert werden. Dafür werden die Krankenkassen alle fünf Jahre Einladungs-Anschreiben zu potentiellen Früherkennungsmaßnahmen versenden. Darin werden anspruchsberechtigte Frauen über die verfügbaren Testverfahren in Kenntnis gesetzt sowie verständlich über die Vorteile und Risiken der Untersuchungen aufgeklärt. Darüber hinaus informieren die Krankenkassen über den Umgang mit personenbezogenen Angaben und fügen Erläuterungen zum bestehenden Widerspruchsrecht bezüglich der geplanten Datenerfassung und –verarbeitung bei.

Pap- und HPV-Tests alle drei Jahre ab dem 35. Lebensjahr

Wie bisher können auch nach Inkrafttreten der neuen Richtlinie alle gesetzlich krankenversicherten Frauen zwischen dem 20. und 34. Lebensjahr eine einmal jährliche zytologische Untersuchung des Gebärmutterhalses kostenfrei in Anspruch nehmen. Eine Neuerung gibt es dann ab dem 35. Lebensjahr. Frauen über 35 Jahren wird nach dem neuen Programm alle drei Jahre ein kombiniertes Testverfahren angeboten. Die sogenannte Ko-Testung beinhaltet einen Pap-Abstrich und einen Test auf Humane Papillomaviren (HPV). Dabei werden die Proben sowohl auf pathologische Zellveränderungen als auch auf HP-Viren untersucht. Neu ist, dass bei der zytologischen Untersuchung die konventionelle Technik eines Zellabstrichs oder ein Dünnschichtverfahren gewählt werden kann. Bei auffälligen Befunden würden sich weitere zytologische Analysen wie eine Wiederholung des Ko-Screenings, ein Test auf genitale HPV-Infektionen und/oder eine Kolposkopie von Vagina und Gebärmutterhals zur Abklärung einer Zervixkarzinomdiagnose anschließen. Unabhängig von diesen Tests haben alle Frauen ab dem 20. Lebensjahr jährlich Anspruch auf eine klinische gynäkologische Untersuchung.

Keine Altersgrenze nach oben

Obwohl die Informationsschreiben der Krankenkassen nur bis zum 65. Lebensjahr verschickt werden, sollte die Zervixkarzinom-Früherkennung auch im höheren Alter nicht aufhören. Der G-BA betont, dass es nach oben keine Altersgrenze für die Teilnahme am Früherkennungsprogramm gibt. Frauen über 65 Jahren sind keinesfalls sicher vor Gebärmutterhalskrebs. Vielmehr gibt es nach dem ersten Diagnosegipfel zwischen dem 35. bis 45. Lebensjahr eine zweite Erkrankungshäufigkeit im Alter zwischen 65 und 75 Jahren. Das Einstellen der Einladungsschreiben ab dem 65. Lebensjahr wurde im Plenum scharf debattiert. Patientenvertreter hielten dieses Detail für fahrlässig. „Die Nicht-Einladung vermittelt den Eindruck, dass eine Früherkennung ab dem Alter nicht mehr notwendig sei“, so deren Befürchtung. Jedoch schlossen sich die Unparteiischen sowie die Bänke von Krankenkassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung dieser Argumentation nicht an.

Sterberate mit Früherkennungsprogrammen um die Hälfte reduziert

Das Zervixkarzinom ist nach dem Mammakarzinom weltweit das zweithäufigste gynäkologische Karzinom. Nach Angaben des Krebsdatenregisters erkranken in Deutschland jährlich mehr als 4.500 Frauen an Zervixkarzinomen, etwa 1.500 Frauen versterben pro Jahr an dieser Diagnose. Vor 30 Jahren und vor Einführung der gesetzlichen Früherkennungsprogramme waren es noch mehr als doppelt so viele Todesfälle.

Zervixkarzinome sind überwiegend Plattenepithelkarzinome infolge einer Infektion mit humanen Papillomaviren vom High-Risk-Typ. Mehr als 95% aller Zervixkarzinome sind HPV-positiv. Damit stellen HPV-Besiedlungen einen bedeutsamen Risikofaktor für Gebärmutterhalskrebs dar. Diese werden im neuen Screeningprogramm genauso erfasst wie etwaige zervikale intraepitheliale Neoplasien (CIN). Deshalb kann allen Frauen nur nahegelegt werden, den Einladungsschreiben der gesetzlichen Krankenkassen zu folgen und die angebotenen kostenfreien Vorsorgemaßnahmen wahrzunehmen.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 26.11.2018

Quelle:
  • Gemeinsamer Bundesausschuss
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung
  • Robert Koch Institut
  • Zentrum für Krebsregisterdaten
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