Geburtsmodus hat Einfluss auf das Mikrobiom des Kindes

Ob ein Kind per via naturalis oder per Kaiserschnitt auf die Welt kommt, hat auch einen Einfluss auf sein Mikrobiom und damit sein Immunsystem. Wie eine britisch-australische Studiengruppe jetzt herausfand, ist die vaginale Entbindung hier von Vorteil. So finden sich in der Darmflora von Kaiserschnitt-Kindern häufiger potenziell pathogene Bakterien.

Neugeborenes

Das Mikrobiom – die Gesamtheit der den Menschen besiedelnden Mikroben – hat eine enorme Bedeutung für das Immunsystem. Wie wichtig das Mikrobiom – insbesondere das Darm-Mikrobiom – damit für die Gesundheit ist, wurde in den letzten Jahren immer deutlicher. Doch wie kommt der Mensch zu einem gesunden Mikrobiom, bzw. einer guten Darmflora?

Unterschiede im Darm: vaginal oder sectio caesarea

Bekannt ist, dass die individuelle Mikroben-Besiedelung von Kontakten mit der Umwelt bestimmt wird. Einer der ersten Umweltkontakte: die vaginale Schleimhaut der Mutter während der Geburt. Könnte es also eine Rolle für das Immunsystem spielen, ob ein Kind per Kaiserschnitt oder per vaginaler Entbindung auf die Welt kommt? Dieser Frage ist eine australisch-britische Studiengruppe von Mikrobiologen nachgegangen. Das Team um Dr. Trevor Lawley vom Wellcome Sanger Institute (Hinxton, Großbritannien) hat Stuhlproben von 596 Neugeborenen mit normalem Reifungsgrad untersucht, davon waren 314 nach vaginaler Entbindung auf die Welt gekommen und 282 nach Kaiserschnitt.

Hochdurchsatzsequenzierung der Fäzes

Die Fäzes der Kinder wurden kurz nach der Geburt und im Verlauf der ersten neun bis zwölf Lebensmonate mehrfach hinsichtlich der mikrobiellen Genome sequenziert. Das heißt, es wurden die Gene der den Darm besiedelnden Keime bestimmt.

Mehr pathogenen Keime bei Kaiserschnittkindern

Ergebnis: Bei 83% der Kinder mit Kaiserschnitt fanden sich im Stuhl potenziell pathogene Keime, vor allem Bakterien der Familien Enterococcus faecium und faecalis, Staphylococcus epidermidis, Klebsiella oxytoca und pneumoniae, Enterobacter cloacae und Clostridium perfringens. Diese Bakterien sind Kommensalen der Krankenhausumgebung.

Bei den Kindern, die auf natürlichem Weg geboren wurden, hatten nur 49 % opportunistische Krankheitserreger im Darm. Hauptsächlich waren dies Bifidobakterien, Escherichia coli und Bacteroides-Spezies.

Die Unterschiede bestanden auch dann, wenn differenziert wurde, ob die Babys gestillt wurden oder nicht.

Langzeitauswirkungen auf die Gesundheit?

In ihrem Fazit betonen die Studienautoren, dass derzeit noch der Einfluss, den der Geburtsmodus auf das Mikrobiom und damit auf das Immunsystem der Babys hat, zu wenig Beachtung geschenkt wird. Schließlich seien die ersten Lebensjahre eine besonders empfindliche Phase, in der das Immunsystem ausreift. In dieser Zeit profitieren die Kinder besonders von einer guten, das heißt schützenden Darmflora. Nun müsste untersucht werden, ob sich diese Unterschiede im Mikrobiom durch den Geburtsmodus auch langfristig auf die Gesundheit der Kinder auswirkt.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 09.10.2019

Quelle:
  1. Shao Y et al. (2019): Stunted microbiota and opportunistic pathogen colonization in caesarean-section birth. Nature; https://doi.org/10.1038/s41586-019-1560-1
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