Gewichtsreduktion verbessert Fertilität

Wenn adipöse Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch abnehmen, erhöhen sie ihre Chance auf eine Schwangerschaft. Das trifft besonders auf Frauen zu, die neben Adipositas auch am Syndrom der Polyzystischen Ovarien (PCOS) leiden, wie eine kanadische Studiengruppe festgestellt hat.

Waage Uebergewicht2

Generell haben adipöse Frauen Probleme mit der Fruchtbarkeit. Das Syndrom der Polyzystischen Ovarien (Polycystic ovarial syndrome = PCOS) ist die häufigste Ursache für eine Unfruchtbarkeit, die mit Hormonstörungen einhergeht. Vom PCOS sind in Europa schätzungsweise 4-12 % der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen – und das sind überwiegend übergewichtige Frauen.

Leichter zum Kind?

Haben diese infertilen Frauen einen Kinderwunsch, wird ihnen die Gewichtsreduktion empfohlen. Doch verhilft Abspecken den PCOS-Patientinnen tatsächlich zum Kind? Und wenn ja, gilt dies auch für Adipöse ohne PCOS? Kanadische Wissenschaftler wollten nun genau wissen, ob übergewichtige Frauen hinsichtlich ihrer Fruchtbarkeit von einer Lebensstiländerung, die zu einem niedrigeren Körpergewicht führt, profitieren.

Übergewichtige mit und ohne PCOS

In ihrer kontrollierten Studie, die sie auf der diesjährigen Tagung der American Society for Reproductive Medicine (ASRM) vorstellten, schlossen sie Frauen im Alter von 18-40 Jahren mit Kinderwunsch ein. Dabei unterschieden sie zwei Gruppen

  • Frauen mit Infertilität und Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m2)
  • Frauen mit PCOS und Übergewicht (BMI ≥ 27 kg/m2).

In beiden Gruppen unterzogen sich die Teilnehmerinnen entweder keiner speziellen Diät (Kontrollgruppe = KG) oder einem Lifestyle-Programm (LPG) mit Kinesiologe, Ernährungsberater und Gruppensitzungen. 108 Frauen schlossen nach sechs Monaten die Studie ab: 51 in der LPG (PCOS: n = 33; kein PCOS: n = 18); in der Kontrollgruppe waren es 57 Frauen. (PCOS: n = 35; kein PCOS: n = 22).

Weniger Gewicht, mehr Schwangerschaften

Wie zu erwarten, verloren die Frauen der LPG-Gruppe innerhalb von sechs Monaten mehr Gewicht als die Teilnehmerinnen der KG-Gruppe: Durchschnittlich ging das Körpergewicht in der LPG-Gruppe um 3,19 % zurück, in der Kontrollgruppe nur um 0,77 % (p = 0,003).

Interessanter waren die Schwangerschaftsraten: Nach 18 Monaten waren in der Interventionsgruppe fast zwei Drittel der Frauen schwanger geworden, in der Kontrollgruppe war es nur gut ein Drittel (LPG-Gruppe 60,8%, KG 38,6%, p = 0,021). Statistisch war damit die Chance schwanger zu werden bei LPG um 58% höher. Betrachtet man nur die Frauen mit PCOS, fiel der Unterschied deutlicher aus: LPG 57,6% vs.KG 34,3% (p = 0,05) – hier stieg die Chance auf eine Schwangerschaft um 68% im Vergleich zu den Frauen ohne Lifestyle-Programm.

Mehr spontane Schwangerschaften mit Lifestyle-Programm

Spontane Schwangerschaften hatten im Gesamtkollektiv 33,3% der Teilnehmerinnen des Lifestyle-Programms, in der Kontrollgruppe wurden nur 12,3% ohne ärztliche Hilfe schwanger (p = 0,009). Bei den Frauen mit PCOS: 27,3 % Spontanschwangerschaften in der LP-Gruppe versus 5,7 % (p = 0,016) in der Kontrollgruppe.

Die Schwangerschaftsrate bei Frauen, die eine assistierte Reproduktionstechnologie (ART) in Anspruch genommen hatten, war in der LP-Gruppe nicht signifikant höher als in der KG.

Kosten von Reproduktionsmaßnahmen senken?

Fazit der kanadischen Fertilitätsforscher: Lebensstilinterventionen bei Frauen mit Adipositas und Infertilität verbessern die Chancen auf eine Empfängnis. Langfristig könnten die Maßnahmen zur Gewichtsreduktion auch die Kosten für Fruchtbarkeitsbehandlungen senken und möglicherweise die Wirksamkeit von assistierten Reproduktionstechnologien (ART) verbessern.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 03.12.2019

Quelle:

Belan M. A et al. (2019): Lifestyle Intervention Targeting Women With Obesity and Infertility Improves Their Fertility Outcomes, Especially in Women With PCOS: A Randomized Controlled Trial. Abstract O-95 ASRM 2019. DOI: https://doi.org/10.1016/j.fertnstert.2019.07.234

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