HPV-Nachimpfung noch bis zum 20. Lebensjahr effektiv

HPV-Impfungen vor dem ersten Geschlechtsverkehr verhindern nachweislich Zervixkarzinome. Dieser Schutz besteht aber auch dann noch, wenn die Nachimpfung bis zum 20. Lebensjahr erfolgt. Erst danach sinkt die krebsprotektive Wirkung - so eine aktuelle Studie.

Arzt impft gegen HPV

In den USA wird allen Mädchen zwischen elf und zwölf Jahren die HPV-Impfung zum Schutz vor Zervixkarzinomen empfohlen. Kalifornische Wissenschaftler zeigten jetzt, dass die Impfung auch vor Gebärmutterhalskrebs schützt, wenn die Nachimpfung bis zum 20. Lebensjahr verabreicht wird. Anders ausgedrückt sollte die vollständige Grundimmunisierung also vor dem 21. Lebensjahr abgeschlossen sein.

Die Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit der HPV-Nachimpfung publizierten die Forscher im The Lancet Child & Adolescent Health (2018; DOI: 10.1016/S2352-4642(18)30220-7). Demnach profitieren Frauen, die nicht alle drei Impfdosen vor dem 21. Lebensjahr erhielten oder wenn die HPV-Impfserie erst nach dem 20. Lebensjahr begonnen wurde, nur sehr wenig von der protektiven Wirkung der Vakzine.

Fall-Kontrollstudie zur Wirksamkeit der HPV-Nachimpfung

Professor Dr. Michael J. Silverberg vom Kaiser Permanente Northern California (KPNC), Division of Research in Oakland und sein Team untersuchten, bis wann die letzte HPV-Impfung gegeben werden sollte, um das Risiko von zervikalen intraepithelialen Neoplasien (CIN2, CIN3), Adenokarzinomen in situ oder Karzinomen (CIN2+ und CIN3+) effektiv zu senken.

In der Fall-Kontrollstudie wurden Daten von mehr als 26.000 Frauen aus Kalifornien ausgewertet. Darunter waren 4.357 Patientinnen mit histologisch bestätigten zervikalen intraepithelialen Neoplasien Grad 2 oder 3 (CIN2+ und CIN3+) sowie 21.773 Zervixkarzinom-freie Frauen als Kontrollgruppe (Vergleichskohorte 1 : 5). Die im Screening-Programm erfassten Frauen waren 26 Jahre oder jünger, als der tetravalente HPV Impfstoff im Jahr 2006 in den USA verfügbar wurde. Von allen teilnehmenden Frauen wurde 2.837 mindestens eine HPV-Impfung zwischen 2006 und 2014 verabreicht. Das Alter bei der ersten Impfdosis lag bei mindestens 14 Jahren.

Beurteilung

Die Wissenschaftler beurteilten die Wirksamkeit des vollständig abgeschlossenen HPV-Impfregimes nach dem Zeitpunkt der ersten HPV-Impfdosis (14 bis 17 Jahre, 18 bis 20 Jahre oder ≥ 21 Jahre) und der Anzahl der Impfdosen (eine, zwei, drei oder mehr Dosen). Die Auswertung erfolgte nach Adjustierung von Nikotinkonsum, verschreibungspflichtiger hormoneller Kontrazeption, Rasse oder ethnischer Zugehörigkeit, sexuell übertragbaren Infektionen, Immunsuppression, Parität und Anzahl der ambulanten Kontrollbesuche.

Auswertung der Studie

Nach Anpassung aller Variablen ermittelten die Forscher den höchsten Schutz vor Neoplasien CIN2+ nach abgeschlossener Grundimmunisierung, wenn die erste Dosis des Impfschemas zwischen dem 14. und 20. Lebensjahr verabreicht wurde (RR 0,52, 95%-KI 0,36 – 0,74). Ein signifikanter Verlust der Schutzwirkung zeigte sich bei Frauen, die zum Zeitpunkt der ersten Impfung 21 Jahre oder älter waren (RR 0,94, 95%-KI 0,81 – 1,09). Ähnliche Ergebnisse wurden auch zum Schutz vor CIN3+ erfasst.

HPV-Impfung bis zum 20. Lebensjahr abschließen

Silverberg und sein Team empfehlen die komplette HPV-Grundimmunisierung noch vor dem 21. Lebensjahr. Grundsätzlich aber gilt, die HPV-Impfung vor dem ersten sexuellen Kontakt zu beginnen und auch abzuschließen. Die Impfstoffe gegen humane Papillomviren sind ab dem 9. Lebensjahr (ohne Altersbeschränkung nach oben) zugelassen.

In Deutschland wird eine generelle HPV-Immunisierung Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren empfohlen. Die Nachholung versäumter Impfungen sollte bis zum Tag vor dem 18. Geburtstag erfolgt sein. In einigen Fällen kann auch eine spätere Impfung noch sinnvoll sein. Deshalb rät die Ständige Impfkommission in ihren aktuellen Empfehlungen: "Frauen, die älter als 17 Jahre sind und keine Impfung gegen HPV erhalten haben, können ebenfalls von einer Impfung gegen HPV profitieren. Es liegt in der Verantwortung des Arztes, nach individueller Prüfung von Nutzen und Risiko der Impfung seine Patientinnen auf der Basis der Impfstoffzulassung darauf hinzuweisen.“

Autor: Dr. Christian Kretschmer

Stand: 20.08.2018

Quelle:

The Lancet Child & Adolescent Health, 2018; DOI: 10.1016/S2352-4642(18)30220-7

Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin Nr. 34, S. 345

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