Zu empfehlen: Influenza-Test bei Schwangeren

Bei Schwangeren mit fiebrigen Erkältungssymptomen geht es darum, schnell zu entscheiden, ob es sich nur um eine Erkältung, eine Listeriose oder doch um eine Virusgrippe handelt. Hier hilft ein Influenza-Schnelltest. Damit können die Patientinnen schnell der richtigen Therapie zugeführt werden – und es lassen sich Notaufnahmen sowie unnötige Antibiosen vermeiden, wie eine französische Studiengruppe belegt hat.

Schwangere

Keine Frage, die echte Virusgrippe ist eine schwere Infektionskrankheit, die durchaus tödlich verlaufen kann. Bei einer schweren Influenza-Welle wie sie in der Saison 2012/ 2013 auftrat, wurden die Influenza-bedingten Krankenhauseinweisungen auf circa 30.000 geschätzt, die Todesfälle auf circa 20.000.

Differenzialdiagnose Listeriose

Unter den Influenza-Infizierten tragen Schwangere ein besonderes Risiko. Bei ihnen kommt es häufig zu einem schweren Verlauf. Umso mehr gilt es, hier zu unterscheiden ob eine Schwangere mit Fieber und/ oder Erkältungssymptomen wirklich nur einen grippalen Infekt oder doch eine echte Influenza hat. Des Weiteren muss differentialdiagnostisch eine Listeriose abgegrenzt werden. Die Listeriose kann schwere fetale Schäden verursachen. Daher besteht bei Schwangeren mit unklarem Fieber zunächst immer der Verdacht auf eine Listeriose, bei der generell eine Antibiose eingeleitet wird.

Influenza-Schnelltest mittels PCR

Um bei fiebrigen Schwangeren zu einer schnellen Diagnose zu kommen, steht heute ein Schnelltest zur Verfügung. Dieser Influenza-Test auf Basis der Polymerasekettenreaktion (PCR) hat zwar nur eine mäßig bis gute Sensitivität, ist aber sehr spezifisch. Bei einer Virusgrippe sollten Schwangere möglichst rasch symptomatisch therapiert werden. Sind Fieber und/oder Erkältung bakteriell bedingt, sollten die Patientinnen zeitnah eine Antibiose erhalten.

Effekte auf das Gesundheitssystem

Der Influenzaschnelltest ist nicht nur bei der einzelnen Patientin hilfreich. Bei flächendeckender Anwendung lassen sich damit auch Effekte auf das Gesundheitssystem erzielen. In einer großen retrospektiven Vergleichsstudie aus Frankreich ist untersucht worden, welchen Effekt Influenza-Schnelltests auf die Routineversorgung haben.

Wissenschaftler aus verschiedenen Pariser Kliniken untersuchten retrospektiv die Daten schwangerer Frauen, die wegen unklaren Fiebers mit Verdacht auf Influenza eine Klinikambulanz aufgesucht hatten. Dabei wurden zwei Gruppen gebildet: vor der flächendeckenden Einführung des Schnelltests auf Influenza (Phase 1, 38 Frauen) und nach der Einführung des Tests (Phase 2, 124 Frauen)

Weniger stationäre Aufnahmen, weniger Antibiose

Mittels der Schnelltests wurde die Diagnose Influenza bei 63,2% der Teilnehmerinnen aus der Phase 1 bestätigt und bei 52,4% der Teilnehmerinnen aus der Phase 2. Die Rate der stationären Aufnahmen sank deutlich von Phase 1 zu Phase 2: in der Gesamtgruppe von 71,0% auf 44,3% und in der Gruppe mit bestätigter Influenza von 83,3% auf 38,5% (p < 0,001). Auch die Häufigkeit antibiotischer Behandlungen nahm ab, und zwar von 86,8% in Phase 1 auf 56,1% in Phase 2 (p = 0,001).

Aufgrund dieser Ergebnisse empfehlen die Pariser Wissenschaftler, vor allem in der Grippesaison zeitnah zum Beginn der Symptome die Differentialdiagnostik durch PCR-basierte Influenzaschnelltests. Des Weiteren merken die Autoren an, dass die Aussagekraft der Tests auch von der Qualität des Probenmaterials abhänge: So hätten Abstriche aus der Nase eine höhere Sensitivität als Proben aus dem Rachenraum. Ein negatives Testergebnis schließe eine Influenza allerdings nicht vollkommen aus.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 12.11.2019

Quelle:

Anselem O et al. (2019): Improving care for pregnant women with suspected influenza: A retrospective study before and after introduction of a rapid molecular assay. PLOS ONE, DOI:10.1371/journal.pone.0217651

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