Luftverschmutzung senkt Fruchtbarkeit bei Frauen

Wenn Frauen einer starken Schadstoffbelastung der Luft ausgesetzt sind, könnte das ihre Fruchtbarkeit früh sinken lassen. Offenbar nimmt die ovarielle Reserve mit der Luftverschmutzung ab, wie eine italienische Studie feststellte.

Luftverschmutzung

Frauen, die eine Hochschulausbildung absolvieren, kommen häufig erst mit über 30 Jahren dazu, ihre Familienplanung umzusetzen. Bei vielen funktioniert es dann aber nicht mehr mit dem Schwangerwerden.

Ein Faktor dafür könnte die zunehmende Schadstoffbelastung unsere Umwelt sein. Besonders die Luftverschmutzung ist hier in der Diskussion.

Gradmesser für ovarielle Reserve

Ob eine Frau schwanger werden kann, hängt unter anderem von ihrer „ovariellen Reserve“ − der Zahl der Eizellen in den Ovarien − ab. Ein Gradmesser für diese ovarielle Reserve ist das Anti-Müller-Hormon (AMH), dessen Konzentration im Blut parallel zur Zahl der Eizellen in den Ovarien abnimmt.

Bekannt ist bereits, dass Zigarettenrauchen sowie das Körpergewicht und die langjährige hormonelle Kontrazeption Einfluss auf die AMH-Spiegel hat.  Wissenschaftler der Universität Modena wollten nun wissen, ob diese Reduktion auch durch Umweltverschmutzung bewirkt werden kann.

Zehn Jahre AMH-Messungen

Das Team von Dr. Antonio La Marca hatte zunächst in der ORExPo-Studie (Ovarian Reserve and Exposure to Environmental Pollutants) zwischen 2007-2017 bei 1.318 Frauen aus der Umgebung von Modena 1.463 AMH-Bestimmungen durchgeführt.

Ab 25 sinkt der AMH-Spiegel

Während sich bei Frauen unter 25 Jahren kein Zusammenhang zwischen Alter und AMH-Spiegel feststellen ließ, sank bei den Frauen über 25 der AMH-Level parallel mit dem Alter.

Bei Studienteilnehmerinnen, die einen Kinderwunsch geäußert hatten, ließen die Gynäkologen aus Modena die Luftschadstoff in deren häuslichem Umfeld messen. Parameter waren zwei Feinstaub-Messwerte PM10 und PM2,5, sowie die Stickoxidkonzentration.

Hohe Feinstaubbelastung – niedrige AMH-Spiegel

Dabei stellte sich heraus, dass die niedrigsten AMH-Konzentrationen bei den Frauen gefunden wurden, die zuhause einer Feinstaubkonzentration (PM10) über 29,5 µg/m3, einer Feinststaubkonzentration (PM2,5) von mehr als 22 µg/m3 oder einer Stickstoffdioxid-Konzentration (NO2) von mehr als 26 µg/m3 ausgesetzt waren.

WHO vs. EU – unterschiedliche Grenzwerte

Diese Werte liegen zwar unter den europäischen Grenzwerten von 40,25 bzw. 40 µg/m3, die WHO gibt aber für die Feinstaub-Konzentrationen deutlich niedrigere Obergrenzen an: für PM2,5 10 µg/m3 und für PM10 20 µg/m3.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 12.07.2019

Quelle:
  1. Santi et al. (2019): Ovarian reserve and exposure to environmental pollutants (ORExPo study). Endocrine Abstracts (2019) 63 P311, DOI: 10.1530/endoabs.63.P311
     
  2. European Society of Human Reproduction and Embryology, Pressemeldung, 25. Juni 2019
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