Schwangerschaftserbrechen: Geringes Risiko für Kiefer-Gaumen-Spalten durch Ondansetron

Die Einnahme von Ondansetron gegen Emesis gravidarum im ersten Trimester steigert nicht das allgemeine Risiko für embryonale Malformationen - auch nicht das für Herzfehlbildungen. Lediglich für Kiefer-Gaumen(LKG)-Spalten besteht ein geringgradig erhöhtes Risiko, so eine große epidemiologische Studie aus den USA.

Schwangerschaftserbrechen

Den meisten Frauen bleibt es nicht erspart: morgendliche Übelkeit und Erbrechen zu Anfang der Schwangerschaft. Dagegen helfen Pyridoxin (Vitamin B6) oder das Antihistaminikum Doxylamin, die als sicher für den Embryo eingestuft werden. Auch Promethazin und Metoclopramid werden bei heftigeren Beschwerden gelegentlich verordnet. Als am stärksten wirksam gilt derzeit der 5-HT3-Rezeptor-Antagonist Ondansetron – ein als Begleitmedikation bei Zytostatikatherapie bewährtes Antiemetikum. Obwohl es für den Einsatz bei Emesis gravidarum nicht zugelassen ist, wird Ondansetron besonders in den USA häufig verordnet.

Daten von 1,8 Millionen Schwangeren ausgewertet

Jedoch haben sich in den letzten Jahren vereinzelt Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Herzfehlern und Gaumenspalten ergeben, wenn Ondansetron zu Beginn der Schwangerschaft eingenommen wurde. Wie es um die Risiken für den Fötus tatsächlich bestellt ist, hat das Team von Dr. Krista Huybrechts vom Brigham and Women’s Hospital in Boston untersucht. Dazu haben sie die Daten von über 1,8 Millionen Schwangeren aus der „Medicaid Analytic eXtract“ (MAX)-Datenbank ausgewertet. In die Analyse flossen als Verumgruppe die Daten von 88.467 Schwangeren (4,9%) ein, denen im ersten Trimester mindestens ein Rezept für Ondansetron ausgestellt worden war.

Risiko für Kiefer-Gaumen-Spalten leicht erhöht

Spaltenbildungen traten bei 124 der exponierten Kinder auf. Dies ergibt eine Häufigkeit von 14,0 auf 10.000 Geburten gegenüber 11,1 bei den nicht exponierten Kindern. Dieses Risiko blieb auch bestehen, wenn Kofaktoren ausgeschlossen wurden, also nur die  Kinder mit gleichen übrigen Eigenschaften verglichen wurden (Propensity-Analyse). Das Risiko einer Kiefer-Gaumen-Spalte hingegen lag auch nach Berücksichtigung aller Begleitumstände in der Ondansetron-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe um etwa 20% höher (adj. RR 0,24; 95%-KI 1,03−1,48).

Ondansetron steigert Herzfehler-Risiko nicht

Das Risiko einer kardialen Fehlbildung betrug mit Ondansetron 94,4 pro 10.000 Schwangerschaften und lag damit höher als in der Vergleichsgruppe mit 84,4 pro 10.000 Schwangerschaften. Die Propensity-Analyse ergab dann aber ein anderes Bild:  In Sachen Herzfehler verschwand der Unterschied zwischen den beiden Gruppen, sobald die Wissenschaftler Kofaktoren berücksichtigten, die potenziell das Malformationsrisiko erhöhen können, wie Vorerkrankungen der Mutter und damit verbundene Pharmakotherapien (adj. RR 0,99; 95%-KI 0,93−1,06).

Insgesamt war das Risiko für Fehlbildungen unter Ondansetron nicht erhöht. In der Propensity-Analyse ergab sich ein relatives Risiko von 1,01 (95%-KI 0,98 -1,05) und einer Risikodifferenz von 5,4 auf 10.000 Kindern (95%-KI -7,3 -8,2)

Fazit

Die Analyse belegt, dass mit der Einnahme von Ondansetron im ersten Trimester weder das allgemeine noch das kardiale Fehlbildungsrisiko steigt. Huybrechts rät, die Frauen auf das leicht erhöhte Risiko für Kiefer-Gaumen-Spalten hinzuweisen, wenn ihnen Ondansetron zur Behandlung der Emesis gravidarum verordnet wird.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 12.02.2019

Quelle:
  1.  Huybrechts et al.(2018): Association of Maternal First-Trimester Ondansetron Use With Cardiac Malformations and Oral Clefts in Offspring. JAMA, DOI:10.1001/jama.2018.18307
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • Auf Google+ teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige

Gelbe Liste Gynäkologie

Gynäkologische Erkrankungen

Pharma News

Ärztliche Fachgebiete

Orphan Disease Finder

Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen:

 

Newsletter