TPO-Antikörper: Levothyroxin-Zufuhr senkt Fehlgeburtsrisiko nicht

Thyreoperoxidase-Antikörper bei Frauen mit ansonsten euthyreoter Stoffwechsellage stehen in Zusammenhang mit einem erhöhten Fehl- und Frühgeburtsrisiko. Entgegen früheren Ergebnissen aus Pilotstudien lässt sich mit einer Levothyroxin-Supplementation dieses Risiko nicht senken, wie jetzt eine große britische Studie belegen konnte.

Schilddruese

Die Schilddrüsen-Peroxidase oder thyreoidale Peroxidase (TPO) ist ein an der Bildung der Schilddrüsenhormone beteiligtes Enzym. Es ist in den Mikrosomen der Schilddrüsen-Zellen lokalisiert und derjenige Bestandteil, gegen den die Antikörper gerichtet sind. Früher wurden die Antikörper deshalb auch als „mikrosomale Antikörper“ (MAK) bezeichnet.

Bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie der Hashimoto-Thyreoiditis sind die Serumspiegel von Anti-TPO erhöht. Wahrscheinlich sind diese Anti-TOP auch Mitursache für die erhöhte Inzidenz von Früh- und Fehlgeburten bei Frauen, die ansonsten eine normale Schilddrüsenfunktion haben. Kleineren Studien zufolge könnte eine quasi prophylaktische Zufuhr von Levothyroxin das Fehlgeburtsrisiko senken.

Große Studie zu Anti-TPO und Schwangerschaft

Ob sich diese vorläufigen Beobachtungen bestätigen lassen, haben Endokrinologen der Universität Birmingham (Großbritannien) mit einer großen, randomisierten Studie untersucht. In 49 britischen Krankenhäusern wurden 19.585 Frauen auf Anti-TPO untersucht. 952 der positiv getesteten Frauen wurden in die Studie aufgenommen. Sie erhielten entweder 50 µg Levothyroxin einmal täglich oder Placebo. Die Dauer der Einnahme begann vor Konzeption und wurde bis zum Ende der Schwangerschaft fortgeführt. Endpunkt war die Geburt eines lebenden Kindes nach der 34 Schwangerschaftswoche.

Mit Levothyroxin nicht besser

Fast alle Kinder kamen nach der 34 Schwangerschaftswoche lebend zu Welt (98,4 %). Von den Teilnehmerinnen der Levothyroxin-Gruppe wurden 266 (56,6%) schwanger, in der Placebo-Gruppe waren es 274 (58,3%). Die Rate an Lebendgeburten lag in der Hormon-Substitutions-Gruppe bei 37,4% (176 der 470 Frauen der Gesamtgruppe) und bei 37,9% in der Placebo-Gruppe (178 von 470) (Relatives Risiko 0,97; 95% Konfidenz-Intervall [KI] 0,83−14, P=0,74; absolute Differenz -0,4 Prozentpunkte; 95% KI -6,6−5,8).  Demnach gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen hinsichtlich der Schwangerschaftsverläufe einschließlich Fehl- oder Frühgeburten.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 08.04.2019

Quelle:
  1. Dhillon-Smith et al. (2019): Levothyroxine in Women with Thyroid Peroxidase Antibodies before Conception. NEJM, DOI: 10.1056/NEJMoa1812537
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