Vorzeitige Menopause erhöht Herz-Kreislauf-Risiko

Frauen mit vorzeitiger oder früher Menopause haben bis zum Alter von 70 Jahren ein höheres Herz-Kreislauf-Risiko als bei durchschnittlichem Eintritt in die Menopause. Danach hat der Zeitpunkt der Menopause keinen deutlichen Einfluss mehr auf das kardiovaskuläre Risiko.

Menopause

Hintergrund

Die Menopause ist definiert als die letzte Regelblutung einer Frau, wenn danach über 12 Monate keine ovariell ausgelösten Blutungen aus der Gebärmutter mehr stattfinden. In Ländern mit hohem Einkommen tritt sie im Durchschnitt im Alter von 50-51 Jahren ein. Von einer frühen Menopause spricht man, wenn der Zyklus der Frau bereits im Alter zwischen 40-45 Jahren endet. Hiervon sind ca. 5% der Frauen betroffen. Bei etwa 1% der Frauen kommt es zu einer vorzeitigen Menopause im Alter von <40 Jahre.

Erhöhte kardiovaskuläre Risiken

Es ist seit längerem bekannt, dass Frauen mit früher und vor allem auch mit vorzeitiger Menopause ein höheres kardiovaskuläres Risiko haben. Bislang gab es jedoch keine umfassenden Studien, in denen das kardiovaskuläre Risiko über die große Bandbreite des Alters zum Zeitpunkt der Menopause (inklusive der vorzeitigen Menopause <40 Jahre) hinweg vergleichend untersucht wurde und neben der Häufigkeit auch der Zeitpunkt des Auftretens kardiovaskulärer Erkrankungen in die Fragestellung einbezogen wurden. Dies wurde nun in einer australischen Metaanalyse nachgeholt.

Zielsetzung

Die Metaanalyse untersuchte die Zusammenhänge zwischen dem Alter zum Zeitpunkt der natürlichen Menopause und der Häufigkeit und dem Zeitpunkt des Auftretens von kardiovaskulären Erkrankungen, koronarer Herzkrankheit und Schlaganfall.

Methoden

Die Autoren werteten 15 Beobachtungsstudien der Jahre 1946-2013 aus Australien, Skandinavien, den USA, Japan und dem Vereinigten Königreich aus. Eingeschlossen wurden die Daten von Frauen, deren Alter zum Zeitpunkt der Menopause und deren kardiovaskulärer Gesundheitszustand bekannt waren. Die Daten von Frauen mit unbekanntem Menopause-Status, einer Hysterektomie oder einer Oophorektomie wurden ausgeschlossen.

Endpunkte und Auswertung

Der primäre Endpunkt der Studie war das erste Auftreten einer nicht-tödlichen kardiovaskulären Erkrankung wie koronarer Herzerkrankung (inklusive Herzinfarkt oder Angina pectoris) oder Schlaganfall (sowohl ischämischer als auch hämorrhagischer Schlaganfall). Die Daten wurden nach dem Cox-Modell ausgewertet und hinsichtlich der Faktoren Raucherstatus, menopausale Hormontherapie, Body Mass Index (BMI) und Bildungsgrad adjustiert.

Ergebnisse

Die Daten von 301.438 Frauen wurden in die Studie einbezogen. Eine vorzeitige Menopause (Alter <40 Jahre) erlebten 3.424 (1,2%) der Frauen und eine frühe Menopause 14.038 (4,7%) der Frauen. Nach der Menopause trat bei 12.962 (4,3%) dieser Frauen erstmals eine kardiovaskuläre Erkrankung auf. Bei 9.369 (3,1%) handelte es sich um die koronare Herzkrankheit und 4.338 (1,4%) erlitten einen Schlaganfall.

Kardiovaskuläres Risiko

Im Vergleich zu Frauen, die ihre Menopause mit 50-51 Jahren hatten, war das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen bei vorzeitiger Menopause um 55% (Alter <40 Jahre; Hazard Ratio [HR] 1,55, 95% Konfidenzintervall [CI] 1,38-1,73; p<0·0001), und bei früher Menopause um 30% (HR 1,3, CI 1,22-1,39; p<0·0001), erhöht. Bei Frauen mit Menopause im Alter von 45-49 Jahren lag das kardiovaskuläre Risiko immer noch um 12% höher als das der Durchschnittsgruppe.

Linearer Anstieg des Risikos

Zwischen dem Alter bei der Menopause und dem Risiko einer kardiovaskulären Erkrankung konnte ein annähernd linearer Zusammenhang hergestellt werden. Für jedes Jahr eines gegenüber dem Durchschnitt früheren Eintritts in die Menopause nahm das Risiko für das Auftreten einer kardiovaskulären Erkrankung um 3% zu. Die Effekte eines vorzeitigen oder frühen Eintritts der Menopause auf das kardiovaskuläre Risiko waren am höchsten im Alter <60 Jahre und nahmen dann allmählich ab. Bei Frauen mit vorzeitiger oder früher Menopause im Alter >70 Jahre gab es keinen Unterschied mehr zur Durchschnittsgruppe.

Fazit

Die Autoren raten dazu, Frauen mit vorzeitiger oder früher Menopause gezielt anzusprechen und hinsichtlich des erhöhten kardiovaskulären Risikos zu beraten. Unter Umständen ist ein engmaschiges Monitoring der Patientinnen zu empfehlen. Bei der Risikostratifizierung von kardiovaskulären Erkrankungen sollte der Eintritt der Menopause Berücksichtigung finden.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 03.12.2019

Quelle:
  1. Zhu, Chung, Dobson et al. (2019): Age at natural menopause and risk of incident cardiovascular disease: a pooled analysis of individual patient data. Lancet Public Health 2019; DOI: 10.1016/S2468-2667(19)30155-0
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