Zervixkarzinom: Therapeutischer Impfstoff in Sicht

Möglicherweise gibt es bald einen Impfstoff gegen humane Papilloma-Viren (HPV), der nicht nur vor einer Infektion schützt, sondern der auch bereits durch HPV verursachte Tumore am Gebärmutterhals bekämpft. Bei Mäusen ist dies bereits gelungen: Bei der Hälfte der geimpften Nager bildeten sich die Tumoren zurück.

Reagenzgläser

Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die dritthäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Sie wird meist durch Infektion der Schleimhautzellen mit humanen Papillomviren (HPV) verursacht. Eine Infektion mit HPV kann außerdem zu Analkrebs und Kopf-Hals-Tumoren führen. Die auf dem Markt befindlichen Impfstoffe schützen zwar vor der HPV-Infektion, sie wirkt aber nicht bei Menschen, die bereits mit dem Virus in Kontakt gekommen sind. Darüber hinaus sind die HPV-Impfraten gering. Trotz einer Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission – mittlerweile sogar für Jungen – ist in Deutschland weniger als die Hälfte der 17-jährigen Mädchen gegen HPV geimpft.

Vor HPV-Infektion schützen und Tumorzellen bekämpfen

Um auch Menschen, die sich bereits mit HP-Viren infiziert haben oder an einem HPV-induzierten Karzinom oder Krebsvorstufen erkrankt sind, zu helfen, haben Forscher am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) einen therapeutischen Impfstoff entwickelt. Während nach einer Schutzimpfung der Organismus Antikörper bildet, die ihn vor einer künftigen Infektion schützen, stimuliert eine therapeutische Impfung das Immunsystem, so dass es sich gegen infizierte oder entartete Zellen wendet und sie abtötet.

Zielstruktur Epitope

Eine besondere Bedeutung kommt dabei den zytotoxischen T-Zellen zu, die in der Lage sind, Molekülstrukturen der Papillomviren − die Epitope − auf der Oberfläche infizierter Zellen oder Krebszellen zu erkennen und gezielt zu zerstören. Epitope sind daher auch der wichtigste Bestandteil des experimentellen therapeutischen Impfstoffes. Kommen die zytotoxischen T-Zellen mit den Epitopen aus dem Impfstoff in Kontakt, sei dies für sie das Signal, den restlichen Körper nach Zellen abzusuchen, die diese Erkennungsmoleküle ebenfalls tragen. Stoßen sie dann auf Krebszellen, die diese HPV-Epitope auf der Oberfläche tragen, töten die zytotoxischen T-Zellen sie ab.

Bei der Hälfe der Mäuse funktioniert es

Im Mausmodell konnten die DKFZ-Forscher zeigen, dass dieser neu entwickelte Impfstoff gegen HPV-induzierte Karzinome tatsächlich wirkt: „Bei der Hälfte der geimpften Mäuse verschwanden die Tumoren vollständig", berichtet das DKFZ.

Von dieser präklonischen Entwicklungsphase bis zum verfügbaren therapeutischen Impfstoff ist es allerdings noch ein weiter Weg. Um ihn künftig auch bei Menschen einsetzen zu können, müsse die Wirksamkeit der Impfung noch besser werden, so das DKFZ.

Eines oder viele Epitope?

Derzeit arbeiten die Forscher weiter an den Epitopen: Während therapeutische Impfstoffe gegen andere Krebserkrankungen manchmal besser wirkten, wenn sie verschiedene Erkennungsmoleküle enthielten, sei es bei HPV-Tumoren besser, nur eines, dafür aber ein richtig gutes Erkennungsmolekül zu verwenden. Doch welches dies ist, muss nun weiter erforscht werden.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 13.02.2019

Quelle:
  1. Mitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ)
     
  2. Kruse et al. (2018): Therapeutic vaccination using minimal HPV16 epitopes in a novel MHC-humanized murine HPV tumor model. Oncoimmunology 2018 Oct 29;8(1):e1524694.
    DOI: 10.1080/2162402X.2018.1524694.
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