Rückfallrisiko bei Absetzen der Medikation bei DCM

Bei annähernd normaler Herzfunktion nach dilatativer Kardiomyopathie stellt sich die Frage nach dem Nutzen und den Risiken einer Fortsetzung der Therapie. Eine Pilotstudie zeigte, dass das Risiko eines Rückfalls nach dem Absetzen der Medikation zu hoch ist.

Hintergrund

Herz Anatomie

Unter medikamentöser Therapie verläuft die dilatative Kardiomyopathie (DCM) bei vielen Patienten gutartig. Bei rund 40% verbessert sich die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF), der linke Ventrikel wird kleiner und die Konzentrationen an natriuretischen Peptiden normalisieren sich. Diese Patienten sind in der Regel jung, haben nur wenige Begleiterkrankungen und eine gute Prognose.

Lebenslange Therapie nötig?

Da die Medikation der Herzinsuffizienz häufig Nebenwirkungen verursacht, fragen DCM-Patienten mit guter Prognose, ob eine lebenslange Therapie wirklich notwendig ist. Insbesondere junge Frauen mit Kinderwunsch würden die Medikamente gerne absetzen, wenn sich ihre Herzfunktion unter der Therapie normalisiert hat. Eine aktuelle Studie untersuchte, ob eine Fortsetzung der Therapie von Nutzen ist und wie hoch das Risiko eines Rückfalls nach Absetzen der Medikamente ist [1].

Zielsetzung

Das Ziel der Studie war es, im Rahmen einer Nutzen-Risiko-Analyse festzustellen, ob das Absetzen der Medikation zur Therapie der Herzinsuffizienz bei Patienten mit einer DCM und guter Prognose sinnvoll und sicher ist, wenn sich deren LVEF erholt hat oder wie hoch das Risiko eines Rückfalls ist.

Methodik

Für die Teilnahme an der open-label Pilotstudie bestanden folgende Voraussetzungen:

  • Symptomfreiheit
  • Verbesserung der LVEF von unter 40% auf über 50%
  • Normalisierung des linksventrikulären enddiastolischen Volumens (LVEDV)
  • Konzentrationen NT-proBNP (N-Terminales pro Brain Natriuretic Peptide) < 250 ng/L.

Vorgehen

Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen randomisiert. Bei einer Gruppe wurden die Medikamente zu Beginn der Studie abgesetzt. Bei der anderen wurde die Behandlung über sechs Monate fortgesetzt und erst dann abgesetzt. Endpunkt der Studie war ein Rückfall der DCM innerhalb von sechs Monaten.

Definition des Rückfalls

Als Rückfall galt, wenn einer der folgenden Befunde erhoben wurde:

  • Ein Rückgang des LVEF um mehr als 10% oder unter 50%.
  • Eine Vergrößerung des LVEDV über das normale Maß oder von mehr als 10%.
  • Eine Verdopplung der NT-proBNP Konzentration oder ein Anstieg auf mehr als 400 ng/L.
  • Das klinische Bild einer Herzinsuffizienz.

Ergebnisse

An der Studie nahmen 51 Patienten teil. Bei 25 Patienten wurde die Therapie sofort abgesetzt, 26 setzten die Therapie zunächst fort. In den ersten sechs Monaten erlitten 11 Patienten (44%) der „Absetz“-Gruppe einen Rückfall. Von den 26 Patienten aus der Gruppe, setzten 25 nach sechs Monaten die Medikamente ab. In dieser Gruppe erlitten 9 Teilnehmer (36%) einen Rückfall.

Fazit

Aufgrund der hohen Rückfallquote wird ein Absetzen der Therapie auch bei Patienten mit guter Prognose derzeit für nicht sicher erachtet. Solange keine robusteren Prädiktoren für den tatsächlichen Therapieerfolg und die Prognose ohne weitere Behandlung zur Verfügung stehen, wird zu einer lebenslangen Fortsetzung der Therapie geraten.

Die Studie wurde von folgenden Sponsoren unterstützt: British Heart Foundation, Alexander Jansons Foundation, Royal Brompton Hospital and Imperial College London, Imperial College Biomedical Research Centre, Wellcome Trust, and Rosetrees Trust.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 16.01.2019

Quelle:
  1. Halliday et al. (2019): Withdrawal of pharmacological treatment for heart failure in patients with recovered dilated cardiomyopathy (TRED-HF): an open-label, pilot, randomised trial. The Lancet, DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)32484-X
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