Arzt-Apotheken-Kooperation für mehr Therapietreue

In Kooperation mit dem behandelnden Arzt verdoppelt ein spezieller Service der Apotheken die Therapieadhärenz herzinsuffizienter Patienten durch eine Optimierung des Medikationsplans, einer Abgabe der Medikamente in Wochendosetten, individueller Beratung und Betreuung.

Apothekerberatung

Hintergrund

Eine Herzinsuffizienz erfordert als unheilbare, progrediente Erkrankung eine lebenslange medikamentöse Therapie, die dem aktuellen Krankheitsbild des Patienten stets angepasst werden muss. Sehr häufig muss der Patient hierzu unterschiedliche Medikamente nach einem bestimmten Zeitplan einnehmen. Der Therapieerfolg hängt dabei gerade bei der Herzinsuffizienz maßgeblich von der aktiven Mitarbeit des Patienten und seiner Therapieadhärenz ab.

Problem der Therapieadhärenz

Die Einnahme mehrerer Medikamente zur Behandlung der Herzinsuffizienz stellt jedoch an sich schon eine Herausforderung für viele Patienten dar. Erschwerend kommt hinzu, dass herzinsuffiziente Patienten häufig an weiteren Erkrankungen leiden, die ebenfalls täglicher Medikation bedürfen. Darüber hinaus können psychische Beschwerden, wie Depressionen, oder auch kognitive Defizite, die die Herzinsuffizienz begleiten können, die Therapieadhärenz des Patienten gefährden.

Studie zur Verbesserung der Therapietreue

Die deutschlandweite Multicenter-Studie PHARM-CHF (Pharmacy-based interdisciplinary Program for Patients with Chronic Heart Failure) untersuchte, ob die Therapietreue der Patienten zunimmt, wenn Apotheker und Ärzte eng zusammenarbeiten. Professor Ulrich Laufs, Klinikdirektor des Universitätsklinikums Leipzig (UKL), präsentierte die Ergebnisse der PHARM-CHF-Studie auf dem Europäischen Herzinsuffizienz-Kongress in Athen [1].

Zielsetzung

Die Forscher untersuchten, ob eine Kooperation von Ärzten und Apothekern bei der Betreuung und Beratung herzinsuffizienter älterer Patienten, deren Therapietreue verbessert [2,3].

Methodik

PHARM-CHF wurde als prospektive, randomisierte kontrollierte Multicenter-Studie durchgeführt. Patienten mit einer Herzinsuffizienz (Alter > 60 Jahre) wurden in eine Gruppe mit üblicher ärztlicher Betreuung und eine Gruppe mit zusätzlicher Apothekenbetreuung (Interventionsgruppe) randomisiert.

Analyse der Ist-Situation

In der Interventionsgruppe analysierte der Apotheker die Gesamtmedikation des Patienten (Verschreibungen des Arztes plus sämtlicher Medikamente, die der Patient zusätzlich einnimmt). Nebenwirkungen, Wechselwirkungen sowie Doppelmedikationen wurden ermittelt. Bei Bedarf wurde der behandelnde Arzt konsultiert und der Medikationsplan optimiert.

Wöchentlicher Apothekenservice

Die Patienten der Interventionsgruppe besuchten ihre Apotheke in (zwei-) wöchentlichen Abständen. Dort bekamen die Patienten ihre Medikamente vorsortiert in Wochendosetten. Darüber hinaus fand eine Blutdruck- und Pulsmessung statt. Die Patienten wurden außerdem zu allen Fragen der Arzneimitteltherapie beraten und für die Anzeichen einer Verschlechterung der Herzinsuffizienz sensibilisiert. Apotheke und Arztpraxis kommunizierten über die Arzneimitteltherapie.

Ergebnisse

Die Therapietreue der Patienten, definiert als Medikamenteneinnahme für mindestens 80 Prozent der Tage, verbesserte sich in der Interventionsgruppe erheblich. Verhielten sich in dieser Gruppe zu Beginn der Studie nur 43% der Patienten einnahmetreu, waren es im Laufe des ersten Studienjahres bereits 86%. Bei der Beobachtung der Patienten über zwei Jahre stellten die Forscher darüber hinaus eine verbesserte Lebensqualität fest.

Fazit

Laufs ist überzeugt, dass die gemeinsame Betreuung entscheidend dazu beitragen kann, die Lebensqualität herzinsuffizienter Patienten zu verbessern: „Kardiologen und Hausärzte würden eine solche pharmazeutische Dienstleistung begrüßen, weil sie den Patienten hilft, die mit dem Arzt vereinbarte Therapie optimal umzusetzen, vor allem, ihre Arzneimittel langfristig in der richtigen Dosierung einzunehmen“.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 04.06.2019

Quelle:
  1. Pressestelle des Universitätsklinikums Leipzig, Bien, Pressemitteilung, 28.05.2019
     
  2. Schulz et al. (2019): Pharmacy-based interdisciplinary intervention for patients with chronic heart failure: results of the PHARM-CHF randomized controlled trial. European Journal of Heart Failure, DOI: 10.1002/ejhf.1503
     
  3. Laufs et al. (2018): PHARMacy‐based interdisciplinary program for patients with Chronic Heart Failure (PHARM‐CHF): rationale and design of a randomized controlled trial, and results of the pilot study. European Journal of Heart Failure, DOI: 10.1002/ejhf.1213
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