Bewegung halbiert das KHK-Risiko

Der Zusammenhang zwischen allgemeiner Fitness und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist scheinbar größer als gedacht. Mit Bewegung und körperlicher Aktivität kann das Risiko, an einer koronaren Herzkrankheit zu erkranken, nahezu halbiert werden.

Kind mit Gummistiefeln

Eine gute körperliche Fitness wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus. Mangelnde Bewegung und eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit erhöhen hingegen das kardiovaskuläre Risiko. Zu diesen Ergebnissen kam eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Dr. Bjarne Nes an der Norwegian University of Sciene and Technology (NTNU). Die Forscher untersuchten, wie sich die kardiorespiratorische Fitness (CRF) von Frauen und Männern auf das Risiko von Herz- und Gefäßproblemen auswirkt. Ihre Ergebnisse publizierten sie im European Heart Journal [1].

Studienaufbau

Die Daten der NTNU-Forschergruppe leiten sich aus einer bevölkerungsbasierten Gesundheitsstudie (HUNT-3-Studie) aus den Jahren 2006 bis 2008 ab. Dazu wurden alle Einwohner des nordnorwegischen Nord-Trøndelag-Kreises eingeladen. Von den 93.860 teilnahmeberechtigten Erwachsenen unterstützten 50.807 Personen (54,1%) die Studie. Aus dieser Gesamtpopulation wurden 4.527 Erwachsene (51% Frauen, Durchschnittsalter 48,2 Jahre) über einen durchschnittlichen Zeitraum von 8,8 Jahren nachbeobachtet.

Anamnestisch wiesen die Probanden keine kardiovaskulären, pulmonalen oder malignen Erkrankungen auf, waren normoton und benötigten darüber hinaus keine antihypertensiven Medikamente. Nachfolgende Erkrankungen oder Todesfälle wurden über eine validierte Krankenhausdatenbank und dem norwegischen Todesursachenregister (NCDR) ermittelt. Primärere Endpunkte wurden als Diagnose von oder Tod durch koronare Herzkrankheit (KHK) oder die Notwendigkeit einer koronaren Revaskularisation (PCI oder Koronararterienbypass) definiert.

Durchführung der Studie

Die Wissenschaftler beurteilten neben Ruhefrequenz und Blutdruck zu Beginn der Studie die maximale mögliche Sauerstoffaufnahme (VO2max) mittels Blutgasanalyse (BGA). Der VO2max-Wert wurde als Goldstandard-Maß für die körperliche Fitness (Ausdauer und Leistungsfähigkeit) festgelegt. Die kardiorespiratorische Belastungsfähigkeit wurde auf dem Laufband ermittelt. Dafür maßen die Wissenschaftler nach einer zehnminütigen Aufwärmphase und Akklimatisierung auf dem Sportgerät kontinuierlich den Sauerstoffgehalt der ein- und ausgeatmeten Luft. Diese Werte wurden in Relation zu Körpergewicht und Zeit gesetzt. Der durchschnittliche VO2max-Wert betrug bei Frauen initial 36 ml/kg/min und bei Männern 44,4 ml/kg/min.

Ergebnisse

Den primären Endpunkt erreichten 147 Teilnehmer (3,3%). Bei ihnen wurde im Studienverlauf eine chronische koronare Erkrankung diagnostiziert oder eine tödlich verlaufende KHK erhoben oder sie mussten koronar revaskularisiert werden. Nach Multi-adjustierter Analyse ermittelten die Wissenschaftler, dass das Risiko für den primären Endpunkt unabhängig vom Geschlecht mit dem VO2max-Wert korrelierte. Jede Steigerung der maximalen Sauerstoffaufnahme um eine MET-Einheit (metabolic equivalent task, entsprechend 3,5 ml/kg/min je Einheit) verringerte das KHK-Risiko um 15% (HR 0,85, 95%-KI 0,77–0,93).

VO2max-basiert wurden die Teilnehmer in vier Gruppen eingeteilt. Die Gruppe mit den höchsten VO2max-Werten hatte ein um 48% niedrigeres Ereignisrisiko als die Gruppe mit den niedrigsten VO2max-Werten (mehrfach angepasste HR 0,52, 95%-KI 0,33–0,82). Sauerstoffimpulse und Beatmungsäquivalente von Sauerstoff und Kohlendioxid zeigten ebenfalls einen signifikanten Vorhersagewert für den primären Endpunkt.

Schlussfolgerung

Im Ergebnis konnte gezeigt werden, dass der VO2max-Wert invers mit dem Risiko einer koronaren Herzkrankheit korreliert. Eine erhöhte kardiorespiratorische Fitness verringert die Gefährdung durch KHK erheblich. Den Studienautoren zufolge könnte die CRF sogar ein wichtiger Indikator für die Mortalität sein, der über herkömmliche Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Cholesterinspiegel und Rauchen hinausgeht. Möglicherweise würde eine routinemäßige Durchführung von CRF-Messungen in der klinischen Praxis zu einer verbesserten Risikoklassifizierung beitragen und die KHK-Prävention optimieren.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 11.12.2018

Quelle:

Letnes et al. (2018): Peak oxygen uptake and incident coronary heart disease in a healthy population: the HUNT Fitness Study. European Heart Journal DOI: 10.1093/eurheartj/ehy708

  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige