Blutdruckzielwerte: Eine Frage des Alters!

Eine Studie im Rahmen der Berliner Initiative Studie (BIS) zeigt, dass der Blutdruckzielwert der europäischen Leitlinien (unter 140/90 mmHg) bei über 80-Jährigen und Senioren, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, das Mortalitätsrisiko erhöht.

Blutdruckmessung

Hintergrund

Für Patienten im Alter von über 65 Jahren ist laut der europäischen Leitlinien ein Blutdruck von unter 140/90 mmHg anzustreben, um kardiovaskulären Erkrankungen, insbesondere Herzinfarkt und Schlaganfall, vorzubeugen. Die amerikanischen Leitlinien empfehlen sogar einen Zielblutdruckwert von 130/80 mmHg. Diese Ziele sind jedoch umstritten. Eine Studie im Rahmen der Berliner Initiative Studie (BIS) untersuchte nun den Zusammenhang zwischen Blutdrucksenkung und Sterberisiko bei älteren Patienten [1].

Zielsetzung

Im Rahmen der BIS wurde untersucht, ob eine Senkung des Blutdrucks unter 140/90 mmHg im Zuge einer Therapie mit Antihypertonika das Sterberisiko von Patienten ab einem Alter von 70 Jahren verringert.

Methodik

Die BIS ist eine fortlaufende prospektive Studie zur Evaluierung der Nierenfunktion älterer Erwachsener. Die aktuelle Blutdruckstudie im Rahmen der BIS schloss Patienten mit Hypertonie im Alter von mehr als 70 Jahren ein, die vom November 2009 bis Juni 2011 mit Antihypertensiva behandelt wurden. Die Patienten wurden in eine Gruppe mit Blutdruckwerten <140/90 mmHg (normalisierter Blutdruck) und eine Gruppe ≥140/90 mmHg eingeteilt. Ende des Follow ups war im Dezember 2016.

Datenerhebung

Neben den Blutdruckwerten und der blutdrucksenden Medikation wurden alle zwei Jahre epidemiologisch relevante Daten zu Body-Mass-Index, Raucherstatus, Alkoholkonsum, Nierenfunktion und Diabetes erhoben. Außerdem wurden die Patienten nach vorangegangenen kardiovaskulären Ereignissen befragt. Endpunkt der Studie war die Gesamtmortalität.

Ergebnisse

Unter den 1.628 Hypertonie-Patienten (Durchschnittsalter 81 Jahre), die eine antihypertensive Therapie erhielten, erreichten 636 (39%) normalisierte Blutdruckwerte, 992 (61%) hatten erhöhte Blutdruckwerte. Hinsichtlich der anderen erhobenen Daten waren beide Gruppen vergleichbar. Im Studienzeitraum starben 469 Patienten.

Mortalitätsrisiko

Der normalisierte Blutdruck war verglichen mit dem erhöhten Blutdruck mit einem höheren Sterberisiko verbunden (Inzidenzraten: 60,3 vs. 48,5 pro 1000/Jahr; Hazard ratio [HR] 1,26; 95% Konfidenzintervall [CI], 1,04-1,54).

Risikogruppen

Beobachtet wurde das erhöhte Sterberisiko vor allem bei über 80-Jährigen (102,2 vs. 77,5 pro 1000/Jahr; HR 1,40; 95% CI 1,12–1,74) und bei Patienten mit vorangegangenem kardiovaskulärem Ereignissen (98,3 vs. 63,6 pro 1000/Jahr; HR 1,61; 95% CI 1,14–2,27). Bei Patienten im Alter von 70-79 Jahren ohne vorangegangene kardiovaskuläre Ereignisse konnte hingegen kein Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt werden.

Fazit

Die Studie ergab, dass eine Absenkung des Blutdrucks unter 140/90 mmHg bei über 80-Jährigen und bei Patienten mit vorangegangenem kardiovaskulärem Ereignis mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden ist. Der Erstautor der Studie, Dr. Antonios Douros vom Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Charité, erklärt hierzu: „Unsere Ergebnisse machen deutlich, dass die Behandlung eines erhöhten Blutdrucks bei diesen Patientengruppen individuell angepasst werden sollte“ [2].

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 18.03.2019

Quelle:
  1. Douros et al. (2019): Control of blood pressure and risk of mortality in a cohort of older adults: the Berlin Initiative Study. European Heart Journal, DOI: 10.1093/eurheartj/ehz071
     
  2. Charité, Pressemitteilung, 07.03.2019
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