Blutdrucksenkung schützt vor zweitem Schlaganfall

Eine frühzeitige Blutdrucksenkung nach einem Schlaganfall hat keine positiven Effekte auf das Therapieergebnis innerhalb von 14 Tagen nach dem Ereignis. Bei Hypertonikern kann sie jedoch das Risiko für ein Zweitereignis im Zeitraum von drei Monaten verringern.

Blutdruckmessung

Hintergrund

Ein ischämischer Schlaganfall ist in der Regel mit einer akuten Blutdruckerhöhung verbunden. Da ein hoher Blutdruck auch zu den Risikofaktoren für einen Schlaganfall gehört, scheint eine Blutdrucksenkung als frühe therapeutische Maßnahme sinnvoll.

Zahlreiche klinische Studien haben jedoch gezeigt, dass eine frühzeitige Senkung des Blutdrucks keinen unmittelbaren Effekt auf den Therapieerfolg nach einem akuten ischämischen Apoplex hat.

Vorbestehende Hypertonie nicht berücksichtigt

Bei den bisherigen Untersuchungen wurde jedoch nicht berücksichtigt, ob Patienten bereits vor ihrem Schlaganfall an einer Hypertonie litten und welche Effekte diese Erkrankung auf den Erfolg der frühen Blutdrucksenkung nach dem Schlaganfall hat. Darüber hinaus wurde bislang auch nicht untersucht, ob die frühzeitige Blutdrucksenkung möglicherweise das Risiko eines zweiten Schlaganfalls vermindern kann [1].

Zielsetzung

Die Autoren untersuchten, ob das Therapieergebnis einer sofortigen Blutdrucksenkung bei einem akuten Schlaganfall davon abhängt, ob der Patient vor dem Ereignis Hypertoniker oder Normotoniker war. Neben dem Therapieergebnis nach 14 Tagen interessierte auch die Rate der Zweitereignisse nach drei Monaten.

Methodik

Bei der Studie handelte es sich um eine Sekundäranalyse von Daten, die anlässlich der chinesischen Multicenter-Studie China Antihypertensive Trial in Acute Ischemic Stroke (CATIS) erhoben worden waren. In CATIS nahmen 4.071 Patienten mit einem akuten ischämischen Schlaganfall, der von einem erhöhten systolischen Blutdruck begleitet wurde, teil. Die Daten im Rahmen von CATIS wurden von August 2009 bis Mai 2013 erhoben.

Studiendesign CATIS

Die Teilnehmer wurden in eine Interventionsgruppe und eine Kontrollgruppe randomisiert. Die Interventionsgruppe erhielt Antihypertensiva mit dem Ziel, den systolischen Blutdruck innerhalb von 24 Stunden um 10-25% zu senken und innerhalb der nächsten 7 Tage systolische Blutdruckwerte <140mmHG sowie diastolische Blutdruckwerte <90 mmHG zu erreichen. Bei der Kontrollgruppe wurden keine antihypertensive Medikamente eingesetzt, bzw. eine zuvor bestehende antihypertensive Therapie vorerst ausgesetzt.

Endpunkte der Studien

Die primären Endpunkte der Ursprungsstudie waren Tod, eine hochgradige Behinderung nach 14 Tagen oder die Entlassung aus dem Krankenhaus. Die Sekundäranalyse befasste sich hingegen mit der Rate an erneuten Schlaganfällen innerhalb von drei Monaten nach dem Erstereignis in Abhängigkeit davon, ob eine frühe antihypertensive Therapie durchgeführt worden war oder nicht. Dabei untersuchten die Forscher gezielt, welche Effekte die frühe antihypertensive Therapie bei Patienten mit vorbestehender Hypertonie und bei Normotonikern hatte.

Ergebnisse

In der ursprünglichen Studie konnte kein signifikanter Unterschied hinsichtlich des Therapieergebnisses bei der Interventionsgruppe mit frühzeitiger antihypertensiver Therapie (2.038 Patienten) und der Kontrollgruppe ohne blutdrucksenkende Maßnahmen (2.033 Patienten) festgestellt werden. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Patienten bereits vor dem Schlaganfall unter einer Hypertonie litten oder Normotoniker waren.

Frühe Blutdrucksenkung verringert Reinfarkte

Rund 80% der Studienteilnehmer hatten bereits vor ihrem ersten Schlaganfall einen zu hohen Blutdruck. In der Sekundäranalyse zeigte sich, dass die frühe antihypertensive Therapie bei Patienten mit vorbestehender Hypertonie das Risiko eines zweiten Schlaganfalls innerhalb von drei Monaten nach dem Erstereignis im Vergleich zur Kontrollgruppe um 56% senkte: In der Kontrollgruppe erlitten 40 Patienten einen erneuten Schlaganfall, in der Interventionsgruppe nur 18 Patienten.

Umgekehrte Verhältnisse bei Normotonikern

Bei Patienten, die vor ihrem ersten Schlaganfall einen normalen Blutdruck hatten, traten in der Interventionsgruppe mehr Reinfarkte (insgesamt 10) als in der Kontrollgruppe (insgesamt 3) auf. Aufgrund der relativ geringen Zahl der Normotoniker in der Studie sind diese Werte jedoch nicht signifikant.

Fazit

Weder eine vorbestehende Hypertonie noch eine frühzeitige antihypertensive Therapie haben den Daten von CATIS und anderer großangelegter Studien zufolge Einfluss auf das Sterberisiko oder das Risiko hochgradiger Behinderungen bei Patienten innerhalb von 14 Tagen nach einem ischämischen Schlaganfall. Die rasche antihypertensive Intervention bei Hypertonikern senkt jedoch signifikant das Risiko eines erneuten Schlaganfalls innerhalb von drei Monaten nach dem Erstereignis.

Autor: Barbara Welsch, Medizinjournalistin

Stand: 04.09.2019

Quelle:
  1. Zhang, Zhong, Zhang et al. (2019): Immediate Antihypertensive Treatment for Patients With Acute Ischemic Stroke With or Without History of Hypertension A Secondary Analysis of the CATIS Randomized Clinical Trial. JAMA Network Open 2(7):e198103. DOI:10.1001/jamanetworkopen.2019.8103
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