Bluthochdruck begünstigt Bauchaortenaneurysma

Eine Metaanalyse bestätigt die These, dass eine Hypertonie, insbesondere ein diastolischer Bluthochdruck, die Entstehung eines Bauchaortenaneurysmas fördert. Der Zusammenhang zwischen steigendem Blutdruck und Bauchaortenaneurysma ist bei Frauen stärker als bei Männern.

Hypertonie

Hintergrund

Ein Bauchaortenaneurysma (abdominelles Aortenaneurysma [AAA]) entsteht durch eine Wandschwäche des Gefäßes, die dazu führt, dass es sich in diesem Bereich „ausbeult“. Während die normale Bauchaorta einen Durchmesser von durchschnittlich 20 mm aufweist, beträgt der Durchmesser des Bauchaortenaneurysmas ≥ 30 mm. Im Bereich von 21-30 mm Durchmesser der Aorta spricht man von einer Ektasie. Bei Frauen werten einige Autoren auch Durchmesser ≥ 27 mm als Aneurysma [1].

Epidemiologie des Bauchaortenaneurysmas

Die Prävalenz des Bauchaortenaneurysmas (abdominelles Aortenaneurysma [AAA]) ist alters- und geschlechtsabhängig. Männer sind rund fünfmal häufiger betroffen als Frauen. In Studien wurde eine Prävalenzrate 1,3-1,7% bei Männern ab einem Alter von +/- 60 Jahre ermittelt. Mit zunehmendem Alter steigt die Prävalenz an. Eine Ruptur der Bauchaorta infolge eines Aneurysmas endet in 80% der Fälle tödlich [1].

Blutdruck als Risikofaktor

Man geht davon aus, dass der Druck des Blutflusses durch die Aorta zusammen mit der Wandschwäche an der Entstehung eines Bauchaortenaneurysmas beteiligt ist. Folgerichtig müsste eine Hypertonie das Risiko für die Ausbildung eines Aneurysmas erhöhen. Diese These wurde bislang nur durch retrospektive Daten untermauert. Eine Metaanalyse untersuchte nun die Zusammenhänge zwischen Blutdruck und Bauchaortenaneurysma nun erstmals anhand prospektiver Studien [2].

Zielsetzung

Das Ziel der Studie bestand darin Beziehungen zwischen Blutdruck, Hypertonie und der Entstehung eines Bauchaortenaneurysmas anhand der systematischen Metaanalyse von Daten prospektiver Kohortenstudien zu klären.

Methodik

Die Autoren wählten 21 Kohortenstudien mit über 5,5 Millionen Teilnehmern aus einer Gesamtzahl von 3.723 Veröffentlichungen zum Thema der Datenbänke PubMed und Embase bis zum Stichtag 30. April 2018 aus. Aufgrund weiterer unterschiedlicher Ausschlusskriterien flossen letztlich nur die Daten von 13 Kohortenstudien in die systematische Metaanalyse ein.

Ergebnisse

Die Analyse ergab, dass das Risiko für die Entstehung eines Bauchaortenaneurysma bei Hypertonikern gegenüber normotensiven Patienten um 66% erhöht ist. Das Risiko steigt um 14% je Erhöhung des systolischen Blutdrucks um 20 mmHg und sogar um 28% je Erhöhung des diastolischen Blutdrucks um 10 mmHg. Bei Frauen zeigte sich mit einem relativen Risiko (RR) von 2,06 ein stärkerer Zusammenhang zwischen Hypertonie und Bauchaortenaneurysma als bei Männern (RR 1,46).

Fazit

Trotz der sorgfältigen Auswahl waren die Studien, die schließlich in die Metanalyse einbezogen wurden sehr heterogen. Daher sind die quantitativen Ergebnisse der Metaanalyse mit Vorsicht zu betrachten. Qualitativ untermauert die Metaanalyse jedoch zweifelsfrei die These, dass Bluthochdruck ein Bauchaortenaneurysma begünstigt. Überrascht waren die Autoren von der Bedeutung des diastolischen Blutdrucks für die Entstehung eines Aneurysmas in der Bauchaorta. Sie erachten weitere Studien zur Klärung dieses speziellen Zusammenhangs für sehr sinnvoll.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 05.07.2019

Quelle:
  1. Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin - Gesellschaft für operative, endovaskuläre und präventive Gefäßmedizin e.V. (DGG) (2018): S3 Leitlinie Screening, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Bauchaortenaneurysmas. AWMF Registernummer 004 - 014
     
  2. Kobeissi et al. (2019): Blood pressure, hypertension and the risk of abdominal aortic aneurysms: a systematic review and meta analysis of cohort studies. Europ J Epidemiol 34:547–555; DOI: 10.1007/s10654-019-00510-9
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