Sacubitril–Valsartan bei akutem Herzversagen

In einer randomisierten Studie bewirkte ein Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor bei Patienten mit akuter dekompensierter Herzinsuffizienz bei gleichem Sicherheitsprofil eine schnellere Senkung des Herzinsuffizienz-Biomarkers NT-proBNP als der ACE-Hemmer Enalapril.

Herz Röntgen

Hintergrund

Mehr als eine Million Patienten werden jährlich in den USA aufgrund einer akuten dekompensierten Herzinsuffizienz hospitalisiert. Bei der etablierten Therapie müssen 21% der Patienten nach kurzer Frist rehospitalisiert werden. 12% der Patienten versterben infolge des akuten Herzversagens. Eine multizentrische randomisierte Studie verglich nun den Einsatz eines Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitors (ARNI) mit einem ACE-Hemmer im Rahmen der Therapie des akuten Herzversagens [1].

Erster ARNI

Mit der fixen Kombination von Sacubitril und Valsartan (Entresto® /Novartis) ist vor zwei Jahren der erste Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor (ARNI) für die Behandlung einer symptomatischen, chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) zugelassen worden. Sacubitril hemmt das Enzym Neprilysin und verhindert so den Abbau der vasoaktiven natriuretischen Peptide. Valsartan inhibiert die Vasokonstriktion über eine Blockade des Angiotensin-II-Rezeptor-Subtyp-1.

Biomarker NT-proBNP

In der kardialen Notfalldiagnostik und zur Risikostratifikation bei kardiovaskulären Erkrankungen haben sich die B-Typ-natriuretischen Peptide BNP und NT-proBNP als wichtige Biomarker bewährt. Sie werden in den Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) [2] ausdrücklich für die Diagnostik der akuten dekompensierten Herzinsuffizienz empfohlen.

Zielsetzung

Ziel der Studie war die Feststellung, ob die ARNI-Kombination Sacubitril-Valsartan auch bei der Behandlung einer akuten dekompensierten Herzinsuffizienz im Vergleich zu Enalapril effektiv und sicher ist.

Methodik

An 129 Zentren in den USA wurden 881 Patienten, die aufgrund einer akuten Herzinsuffizienz hospitalisiert worden waren, in zwei Gruppen randomisiert. Nach der hämodynamischen Stabilisierung erhielten die Patienten je nach Gruppenzugehörigkeit entweder den ARNI Sacubitril (Zieldosis 97mg)–Valsartan (Zieldosis 103mg) zweimal täglich oder den ACE-Hemmer Enalapril (Zieldosis 10 mg) zweimal täglich.

Endpunkte der Studie

Als primärer Endpunkt für die Effektivität der Therapie wurde die zeitabhängige proportionale Entwicklung des NT-proBNP vom Ausgangswert über die Wochen 4 und 8 festgelegt. Die wichtigsten Endpunkte für die Bewertung der Sicherheit der Therapie waren die Raten für eine Verschlechterung der Nierenfunktion, eine Hyperkaliämie, eine symptomatische Hypotonie und Angioödeme.

Ergebnisse

440 Patienten erhielten die ARNI-Kombination Sacubitril-Valsartan und 441 Enalapril. Die zeitabhängige proportionale Reduktion der NT-proBNP-Konzentration war in der Sacubitril-Valsartan-Gruppe signifikant größer als in der Enalapril-Gruppe. In der Sacubitril-Valsartan-Gruppe konnte im Studienzeitraum eine Reduktion um 46,7% erreicht werden, während in der Enalapril-Gruppe nur eine Senkung um 25,3% erzielt wurde. Das Veränderungs-Verhältnis (ratio of change) Sacubitril-Valsartan vs. Enalapril betrug 0.71 (95% Konfidenzintervall[CI], 0.63 to 0.81; P<0.001). Das bessere Ergebnis für Sacubitril-Valsartan zeichnete sich bereits in der Woche 1 ab. Die Raten für eine Verschlechterung der Nierenfunktion, Hyperkaliämie, symptomatische Hypotonie und Angioödeme unterschieden sich nicht signifikant bei den beiden Gruppen.

Fazit

Bei Patienten mit akuter dekompensierter Herzinsuffizienz senkte die fixe ANRI-Wirkstoffkombination Sacubitril-Valsartan die Konzentrationen des Herzinsuffizienz-Biomarkers NT-proBNP signifikant stärker als der ACE-Hemmer Enalapril. Hinsichtlich der definierten Sicherheitsendpunkte unterschieden sich die Therapien nicht signifikant.

Die Studie wurde von Novartis im Rahmen der klinischen PIONEER-HF Studien finanziert.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 23.11.2018

Quelle:
  1. Velazquez et al. (2018): Angiotensin–Neprilysin Inhibition in Acute Decompensated Heart Failure. The New England Journal of Medicine November 11, DOI: 10.1056/NEJMoa1812851
     
  2. Ponikowski et al. (2016): 2016 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure: The Task Force for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure of the European Society of Cardiology (ESC) Developed with the special contribution of the Heart Failure Association (HFA) of the ESC. European Heart Journal, DOI: doi.org/10.1093/eurheartj/ehw128
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige