Bluthochdruck gefährdet die Herzklappen

Patienten mit deutlich erhöhtem Blutdruck haben ein hohes Risiko, auch eine Herzklappenerkrankung zu entwickeln. So steigt die Gefahr für eine Aortenstenose um mehr als das Dreifache, wie britische Wissenschaftler herausgefunden haben.

Bluthochdruck

Eigentlich liegt es auf der Hand, dass ein langjährig erhöhter Blutdruck auch die Herzklappen in Mitleidenschaft zieht. Ob allerdings Hypertonie tatsächlich ein Risikofaktor für Funktionsstörungen der Aorten- oder Mitralklappe ist, wollten Wissenschaftler der Universität Oxford (Großbritannien) herausfinden.

Gut 1 % der gescreenten Patienten hat kranke Herzklappen

Sie bedienten sich dabei den Daten von knapp 320.000 Personen aus der UK-Biobank, für die Genom-Daten und Blutdruck-Werte vorlagen. Aus diesem Datenmaterial ließen sich 3570 Personen (1,08%) identifizieren, bei denen eine Herzklappen-Erkrankung diagnostiziert worden war. Davon litten 1491 Personen (0,45%) an einer Aortenklappenstenose, 634 (0,19%) an einer Aortenklappeninsuffizienz und 1736 (0,53%) an einer Mitralklappeninsuffizenz.

Risiko steigt um fast das Dreifache

Die Berechnungen ergaben, dass für jeden genetisch bedingten Anstieg des systolischen Blutdrucks um 20 mmHg das Risiko für eine Aortenstenose, Aorten- und/oder Mitralklappeninsuffizienz um 185 Prozent (Odds Ratio OR 2,85; 95% CI 1,69-4,78), also fast um das Dreifache, zunahm.

Relative Risiko-Steigerung für die einzelnen Klappen-Erkrankungen:

  1. Aortenstenose 226 Prozent (OR 3,26; 95% CI 1,50-7,10)
  2. Mitralklappeninsuffizienz 119 Prozent (OR 2,19; 95% CI 1,07-4,47)
  3. Aortenklappeninsuffizienz 159 Prozent (OR 2,59; 95% CI 0,75-8,92)

Hypertonie ist definitiv ein Risikofaktor für Herzklappenerkrankungen

Die britischen Forscher schließen aus ihren Ergebnissen, dass Hypertonie durchaus ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Herzklappenerkrankung ist. Welche pathophysiologischen Mechanismen allerdings dazu führen, sei noch weitgehend ungeklärt – möglicherweise spielt die langjährige mechanische Belastung der Bindegewebsstrukturen eine Rolle. 

Plädoyer für Blutdrucksenkung

Auch belege die Arbeit nicht, ob eine ausreichende medikamentöse Blutdrucksenkung langfristig die Patienten vor einer Herzklappenerkrankung bewahrt. Dennoch könnte die Blutdrucksenkung eine gute Präventionsmaßnahe vor Klappenfunktionsstörungen sein, so die Wissenschaftler aus Oxford. Außerdem kann den Patienten mit diesen Ergebnissen auch verdeutlicht werden, wie wichtig eine gute Blutdruckeinstellung ist − und sie so verstärkt dazu anregen, ihre Blutdrucktabletten einzunehmen.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 06.08.2019

Quelle:

Nazarzadeh M et al. (2019): Systolic Blood Pressure and Risk of Valvular Heart Disease. A Mendelian Randomization Study; JAMA Cardiol; DOI:10.1001/jamacardio.2019.2202

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