Hypertonie-Leitlinie: Europa steht zu seinen Werten

In der neuen europäischen Leitlinie zur Behandlung von Bluthochdruck bleibt der Grenzwert für die Therapiebedürftigkeit der Alte. Neu ist die Präferenz der Kombinationstherapie ab Therapiestart.

Bluthochdruck

Im vergangenen Jahr senkten die federführenden Fachgesellschaften in den USA den Grenzwert für die Behandlung der Hypertonie auf 130/80 mmHg ab, wenn bei den Patienten weitere Risikofaktoren bestehen. Seitdem wurde in der europäischen Fachwelt heiß diskutiert, ob man sich den Amerikanern anschließen und die bisherigen Grenzwerte ändern solle.

Grenzwerte der Amerikaner nicht übernommen

Nun ist die Entscheidung getroffen: In der neuen europäischen Leitlinie zur Behandlung von Bluthochdruck [1] wird weiterhin empfohlen, eine blutdrucksenkende Therapie erst ab 140/90 mmHg einzuleiten. Die neue Leitlinie wurde beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München vorgestellt [2].

Blutdruckwerte im Bereich von 130-139/85-89 mmHg gelten in der nun aktuellen Leitlinie als normaler Blutdruck im oberen Bereich. Eine medikamentöse Therapie wird in diesem Bereich nur dann empfohlen, wenn der Patient unter einer kardiovaskulären Erkrankung leidet und sein Herz-Kreislauf-Risiko deutlich erhöht ist.

Höhere Schwellenwerte in der Geriatrie

„Bei älteren Patienten werden höhere Schwellenwerte akzeptiert, zum Teil bis zu 160 mmHg, um unerwünschte Nebenwirkungen durch zu intensive medikamentöse Therapie zu vermeiden“, erklärte Professor Dr. Stephan Achenbach, Vorsitzender des Congress Programme Committee des ESC-Kongresses und zukünftiger Präsident (President Elect) der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (Universitätsklinikum Erlangen).

Keine Senkung unter 120 mmHg

Grundsätzlich bleibt eine Senkung des Blutdrucks auf unter 140/90 mmHg das Behandlungsziel der Hypertonie-Therapie. Wenn ein Patient die medikamentöse Therapie gut verträgt, empfiehlt die Leitlinie einen systolischen Wert von 130 mmHg anzustreben. Ein Zielwert von 120-129 mmHg ist bei Patienten unter 65 Jahren anzuraten. Von Zielwerten von unter 120 mmHg hingegen rät die Leitlinie ab, weil hierbei die Risiken im Verhältnis zum Nutzen zu hoch sind.

Kombination von Anfang an

Während in den vorangegangenen Empfehlungen propagiert wurde, die Hypertonie-Therapie mit nur einem Wirkstoff zu beginnen, empfiehlt die neue Leitlinie, dass die Mehrheit der Hochdruckpatienten von Anfang an mit einer Kombination von zwei Substanzen mit unterschiedlicher Wirkweise behandelt werden sollte.

„In diesem Zusammenhang wird in der neuen Leitlinie angemerkt, dass Kombinationspräparate, in denen die Substanzen in einer Tablette enthalten sind, die Therapietreue erhöhen dürften“, ergänzt Achenbach.

Therapieresistenter Bluthochdruck

Wenn das Behandlungsziel auch mit einer Kombination von drei blutdrucksenkenden Wirkstoffen nicht erreicht werden kann, spricht man von einem therapieresistenten Bluthochdruck. In diesen Fällen sollte der Patient zusätzlich ein Diuretikum erhalten. Darüber hinaus sollte allen Hypertonie-Patienten gegebenenfalls eine Veränderung ihres Lebensstils empfohlen werden. Eine gesunde, nicht zu salzreiche Ernährung, der Abbau von Übergewicht, regelmäßige Bewegung, Nikotinverzicht und maßvoller Alkoholgenuss können zur Blutrucksenkung erheblich beitragen. Das sogenannte Koma- oder Rauschtrinken („binge drinking“) sollten Personen mit Bluthochdruck unbedingt unterlassen. Darüber hinaus wird Patienten mit Bluthochdruck geraten, auf Aufenthalte im Hochgebirge (> 4000 m NN) oder zumindest auf körperliche Anstrengungen in diesen Höhen zu verzichten.

Bluthochdruck und Krebs

Bei Krebspatienten mit Bluthochdruck empfehlen die Autoren, wenn möglich, eine kurzfristige Unterbrechung der Krebsbehandlung, wenn sehr hohe Blutdruckwerte auch mit Kombinationsbehandlung nicht gesenkt werden können.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 04.09.2018

Quelle:
  1. Williams et al. (2018): 2018 ESC/ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. European Heart Journal, DOI: 10.1093/eurheartj/ehy339
     
  2. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V., Pressemeldung, 26. August 2018
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