Mit Hochdruck digital

Bei der Therapie-Titrierung ist die Heimmessung des Blutdrucks der Praxismessung überlegen. Um ein engmaschiges Monitoring zu erzielen, sollen Apps die Daten der Heimmessungen digital an die Praxisverwaltungssysteme übermitteln, fordert die Deutsche Hochdruckliga.

Smartphone

Ein Team um Richard McManus, Professor of Primary Care Research and General Practitioner, Fellow of Green Templeton College/Oxford, konnte in der TASMINH4-Studie mit 1.182 Patienten mit nicht optimal kontrolliertem Blutdruck zeigen, dass sich Heimmessungen des Blutdrucks für ein optimales Management der Hypertonie signifikant besser eignen als die üblichen Messungen in der Praxis [1].

TASMINH4-Studie

An der zwölfmonatigen Studie nahmen 142 Allgemeinpraxen im Vereinten Königreich teil. Die Patienten wurden in drei Gruppen randomisiert: Die Selbst-Monitoring-Gruppe und die Telemonitoring-Gruppe nahmen einmal monatlich über eine Woche zweimal täglich Heimmessungen vor. Der Blutdruck der Praxis-Gruppe wurde bei den üblichen Konsultationen in der Praxis gemessen.

Selbst-Monitoring-Gruppe

Die Patienten der Selbst-Monitoring-Gruppe wurden anhand einer einfachen Farbskala darin geschult, zu hohe oder zu niedrige Blutdruckwerte selbst zu erkennen und im Bedarfsfall ihren Hausarzt aufzusuchen. Die Patienten notierten alle Daten der Messwoche und schickten sie ihrem Arzt per Post in einem zu diesem Zweck vorfrankierten Umschlag.

Telemonitoring-Gruppe

Die Teilnehmer in der Telemonitoring-Gruppe sendeten ihre Messergebisse mit einem textbasierten SMS-Telemonitoring-Service und einer webbasierten Datensicherung an ihren Hausarzt. Das Telemonitoring-System war so programmiert, dass es Patienten bei zu hohen oder niedrigen Blutdruckwerten aufforderte, Kontakt zum Hausarzt aufzunehmen.

Ergebnisse

Nach der zwölfmonatigen Studiendauer zeigte sich bei der Auswertung der Patientendaten, dass der systolische Blutdruck in den beiden Heimmessungs-Gruppen gegenüber der Praxis-Gruppe signifikant niedriger war. In der Telemonitoring-Gruppe lagen die Werte dabei noch um 1,2 mmHg (95% CI 3,5-1,2) niedriger als in der Selbst-Monitoring-Gruppe. Dieser Unterschied war jedoch nicht signifikant.

Schwachpunkte des Telemonitorings

Professor Martin Middeke, Sprecher der Kommission Telemedizin und eHealth, erläutert die Schwächen des Telemonitorings in der Studie [2]. „Die Patienten gaben die Blutdruckwerte per Hand ein, das ist eine Fehlerquelle. Zudem reagierten die Ärzte nur einmal im Monat. Das nimmt der Methode den Vorteil der Telemedizin, als Arzt zeitnah auf die übermittelten Werte reagieren zu können.“

Tägliche Aktualisierung

Für eine bessere Überwachung des Blutdrucks empfiehlt die Kommission Telemedizin und eHealth eine automatische und digitale Übermittlung der Blutdruckdaten an den Arzt. Die Monitoring und Übertragungs-Programme sollten darüber hinaus über eine Funktion verfügen, die auf das Unter- oder Überschreiten von zuvor für den individuellen Patienten definierten Blutdruckgrenzen reagiert.

Patienten-Apps nutzen

Einige Hersteller von Blutdruckmessgeräten bieten Patienten bereits Apps zur Dokumentation ihrer Werte an. Viele Patienten nutzen diese Apps und bringen ihre archivierten Daten zur Konsultation beim Hausarzt mit. Middeke sagt: „Die Patienten leisten gute Vorarbeit, wir müssen jetzt dafür sorgen, dass wir Ärzte mit den Blutdruckdaten praxistauglich arbeiten können.“

Praxistaugliche Systeme

Um die App-Daten zur Steuerung der Therapie optimal zu verwerten, wäre eine aktuelle, direkte und digitale Übermittlung in das Praxissystem des Arztes über einen begrenzten Zeitraum wünschenswert. Probleme z. B. des Datenschutzes und der Ordnung der Daten müssten zuvor gelöst werden. Darüber hinaus „…muss sichergestellt sein, dass die gemessenen Werte unverfälscht digital vom Blutdruckmessgerät in die App gelangen“, fordert Kommissionsmitglied Dr. Egbert Schulz.

Bewertung der verfügbaren Apps

Dieser Aufgabe widmet sich die Kommission Telemedizin und eHealth bewertet die aktuell verfügbaren Hypertonie-Apps hinsichtlich der digitalen Übermittlung der Blutdruckdaten aus dem Blutdruckmessgerät in die App und den Möglichkeiten der sicheren digitalen Verbindung mit den Praxisverwaltungssystemen (PVS/AIS) unter Wahrung des Datenschutzes.  

Erste Lösungsansätze

Die Deutsche Hochdruckliga e.V. (DHL®) begleitet die technische Umsetzung und hat bereits eine spezielle hochsichere Datenverarbeitungs-/Integrations-Plattform mit einigen PVS/AIS realisiert, um eine End-zu-End-Digitalisierung ohne Datenverluste oder Übertragungsfehler einzurichten.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 04.12.2018

Quelle:
  1. McManus et al. (2018): Efficacy of self-monitored blood pressure, with or without telemonitoring, for titration of antihypertensive medication (TASMINH4): an unmasked randomised controlled trial. Lancet, DOI: doi.org/10.1016/S0140-6736(18)30309-X
     
  2. Deutsche Hochdruckliga, Pressemeldung, 29. November 2018 
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