Hypertonie bei Morbus Conn: Hilft die Operation?

Bei weniger als der Hälfte der Patienten mit Bluthochdruck durch Morbus Conn führt die unilaterale Adrenalektomie zur klinischen Remission. Ein neues Online-Tool soll vorhersagen können, bei welchen Patienten die Adrenalektomie den gewünschten Therapieerfolg haben kann.

Blutdruckmessung

Hintergrund

Bei rund 10% der Hypertoniepatienten soll Morbus Conn die Ursache für den Bluthochdruck sein. Morbus Conn führt über eine Überaktivität der Nebennierenrinde zu einem primären Hyperaldosteronismus, in dessen Folge es zu einer Hypertonie kommt, die auf die übliche Medikation nicht ausreichend anspricht. Therapiert wird Morbus Conn mit Aldosteronantagonisten (z. B. Spironolacton oder Eplerenon) oder bei Vorliegen einer unilateralen Hyperaktivität, z. B. durch ein Adenom, mit einer unilateralen Adrenalektomie [1].

Adrenalektomie kann Bluthochdruck heilen

Bei einem unilateralen primären Hyperaldosteronismus kann man mit der Entfernung der hyperaktiven Nebenniere eine vollständige Remission der Hypertonie erreichen. Leider wird das gewünschte Therapieergebnis nur bei weniger als der Hälfte der Patienten erzielt. Ein Team um Professor Dr. Martin Reincke, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV des Klinikums der LMU München, hat nun ein Online-Tool entwickelt, dass die Chancen für das gewünschte Operationsergebnis vorhersagen soll [2].

Zielsetzung

Die Studie hatte zum Ziel, ein Vorhersagemodell für den Therapieerfolg einer unilateralen Adrenalektomie zur Behandlung des einseitigen primären Hyperaldosteronismus zu entwickeln.

Methodik

Um das Ergebnis nach unilateraler Adrenalektomie zu klassifizieren, erstellten die Forscher ein lineares Diskriminanzanalyse-Modell, das auf den Daten von 380 Patienten basierte. Der gesamte Datensatz wurde in einen sogenannten Trainingsdatensatz (280 Patienten) und einen Testdatensatz (100 Patienten) randomisiert, um das Vorhersagemodell zu entwickeln und zu validieren. Danach wurde aus dem Vorhersagemodell ein benutzerfreundliches Online-Tool erstellt.

Ergebnisse

Im linearen Diskriminanzanalyse-Modell kristallisierten sich die folgenden sechs Parameter als entscheidend für den Operationserfolg heraus: die Hypertoniedauer, das weibliche Geschlecht, die Dosis der blutdrucksenkenden Medikamente, der Body-Mass-Index, Schäden am Zielorgan sowie die Größe des größten Knotens in der hyperaktiven Nebenniere.

Fazit

Das Online-Tool, namens Primärer Aldosteronismus-Chirurgischer Outcome-Prädiktor, kann möglicherweise dazu beitragen, einerseits wenig erfolgversprechende Operationen zu vermeiden und andererseits Patienten mit sehr guten Chancen für eine komplette Remission die Entscheidung für die Operation zu erleichtern. Allerdings scheint die Zahl der ausgewerteten Datensätze noch etwas zu gering für eine abschließende Bewertung des Tools.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 24.05.2019

Quelle:
  1. Burrello, Burrello, Stowasser et al. (2019): The Primary Aldosteronism Surgical Outcome Score for the Prediction of Clinical Outcomes After Adrenalectomy for Unilateral Primary Aldosteronism. Ann Surg. 2019 [Epub ahead of print] doi: 10.1097/SLA.0000000000003200
     
  2. linikum der Universität München (2019): Blutdruckheilung durch Operation - neues Online-Tool hilft bei Therapieentscheidung. Pressemitteilung 15.05.2019.
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