Impulse gegen postoperatives Vorhofflimmern

Die transkutane Stimulation des Ramus auricularis des Nervus Vagus in der Fossa triangularis des Außenohres kann möglicherweise das Risiko von postoperativem Vorhofflimmern nach einem kardiologischen Eingriff signifikant verringern, so eine aktuelle Pilotstudie.

Herz

Hintergrund

Bei 25-40% der Patienten kommt es nach einer isolierten kardiologischen Operation zu einem postoperativen Vorhofflimmern (postoperative atrial fibrillation [POAF]). Bei kombinierten Eingriffen können sogar bis zu 60% der Patienten von POAF betroffen sein. Das Vorhofflimmern wird durch verschiedene Stimuli ausgelöst. Zu diesen Stimuli gehören beispielsweise Entzündungen, das Öffnen des Perikards, Inzisionen in das atriale Gewebe oder die Ausschüttung von Katecholaminen. In der Regel tritt das POAF erstmals am 2. oder 3. Tag nach der Operation auf.

Risikofaktor Vorhofflimmern

Das postoperative Vorhofflimmern ist mit einem erhöhten Schlaganfall-Risiko verbunden. Möglicherweise verkürzt es auf lange Sicht auch die Lebenserwartung des Patienten. Auf der anderen Seite erhöht die Therapie mit Antikoagulantien das Blutungsrisiko. Daher wird die optimale Behandlung, insbesondere eine langfristige Antikoagulationstherapie, des POAF diskutiert.

Low-Level Vagus Nerve Stimulation

In einer vorangegangenen Studie konnte gezeigt werden, dass eine niedrigschwellige Stimulation des Nervus Vagus (Low-Level Vagus Nerve Stimulation [LLVNS]) an der Vena cava superior POAF und inflammatorische Zytokine nach Herzoperationen unterdrücken kann. In einer Phase-II-Studie an der Universitätsklinik für Chirurgie und Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität Wien wurde nun untersucht, ob nicht-invasive elektrischer Impulse am Ramus auricularis des Nervus Vagus in der Ohrmuschel ähnliche Effekte erzielen können [1,2].

Zielsetzung der Studie

Ziel der Phase-II-Studie war es festzustellen, ob eine nicht invasive Low-Level Vagus Nerve Stimulation am Ramus auricularis des Nervus Vagus bei Patienten, die sich einer Herzoperation unterziehen, einem postoperativen Vorhofflimmern vorbeugen kann.

Methoden

Die randomisierte doppelt-verblindete Pilot-Studie mit Scheineingriffs-Kontrolle wurde an der herzchirurgischen Abteilung der Medizinischen Universität Wien durchgeführt. Patienten, die sich einem elektiven kardiologischen Eingriff unterzogen, wurden 1:1 in einer Interventionsgruppe und eine Scheineingriffsgruppe randomisiert. Ausgeschlossen wurden Patienten mit Arrhythmien im Vorbericht, Herzinsuffizienz oder einem Herzinfarkt innerhalb der letzten 14 Tage.

Stimulation unter der Wahrnehmungsschwelle

Zur Erzeugung der Impulse wurde ein DUCEST Neurostimulator V der Firma Biegler Medizinelektronik GmbH (Österreich) genutzt. Die Nadelelektroden wurden in der Fossa triangularis des Außenohres platziert, der Impulsgeber mit einem adhäsiven Clip an der Schulter des Patienten befestigt. Die Stimulation fand postoperativ mit einer Amplitude von 1 mA und einer Frequenz von 1 Hz unter der Wahrnehmungsschwelle des Patienten statt, was eine doppelte Verblindung der Studie erlaubte.

Ergebnisse

Je 20 Patienten befanden sich in der Interventions- und in der Scheineingriffsgruppe. In der Interventionsgruppe kam es bei vier Patienten (20%) zu postoperativem Vorhofflimmern (POAF), in der Scheineingriffsgruppe bei 11 Patienten (55%). Die Patienten in den beiden Gruppen wiesen keine relevanten Unterschiede hinsichtlich bekannter Risikofaktoren auf. Allerdings gab es Unterschiede hinsichtlich der Operationen: In der Scheineingriffsgruppe wurden mehr Mitralklappen- und in der Interventionsgruppe mehr Aortenklappenoperationen durchgeführt.

Fazit

Die vielversprechenden Ergebnisse der Pilotstudie sollen nun in einer Phase-III-Studie mit einer größeren Anzahl von Teilnehmern verifiziert werden. Die transkutane niedrigschwellige Stimulation des Nervus Vagus zur Vorbeugung von POAF ist ein nicht zugelassenes Verfahren und soll derzeit nur im Rahmen klinischer Studien zur Anwendung kommen.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 06.11.2019

Quelle:
  1. Andreas, Arzl, Mitterbauer et al. (2019): Electrical Stimulation of the Greater Auricular Nerve to Reduce Postoperative Atrial Fibrillation. Circ Arrhythm Electrophysiol. 2019;12:e007711. DOI: 10.1161/CIRCEP.119.007711.
     
  2. tavrakis , Humphrey, Scherlag et al. (2017) Low-level vagus nerve stimulation suppresses post-operative atrial fibrillation and inflammation: a Randomized Study. JACC Clin Electrophysiol. 2017;3:929–938. DOI: 10.1016/j.jacep.2017.02.019
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