Influenza beeinflusst Rate Herzinsuffizienz-bedingter Klinikeinweisungen

Während einer Grippewelle werden mehr Patienten mit Herzinsuffizienz in eine Klinik eingewiesen als in Zeiten ohne erhöhte Influenza-Aktivität. Auf die Hospitalisierungsrate aufgrund von Herzinfarkten scheint Influenza jedoch keinen signifikanten Einfluss zu haben. Zu diesem Ergebnis kam eine groß angelegte US-amerikanische Beobachtungsstudie.

Krankenhaus

Influenza-Infektionen erhöhen das Risiko kardiovaskulärer Komplikationen. Das konnte bereits in unterschiedlichen Studien belegt werden. In einer aktuellen Vergleichsanalyse wurde untersucht, ob sich eine Grippewelle auch auf die Hospitalisierungsrate von Herzinsuffizienz und Herzinfarkt auswirkt. Sonja Kytömaa und ihr Forscherteam vom Brigham and Women’s Hospital in Massachusetts fanden heraus, dass ein Anstieg der Influenza-Aktivität tatsächlich mit einer erhöhten Anzahl von Krankenhausaufenthalten wegen Herzinsuffizienz assoziiert ist. Diese Erkenntnis deutet darauf hin, dass Präventivmaßnahmen, die eine Influenza-Infektion verhindern, die Rate kardiovaskulär bedingter Hospitalisierungen verringern könnte.

Aufbau der Studie

Die Beobachtungsstudie ARIC (Atherosclerosis Risk in Communities) untersuchte den zeitlichen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Influenza-Aktivität und Klinikaufenthalten wegen Herzinsuffizienz und Herzinfarkt. Kytömaa und Team werteten dafür Daten von 451.588 Erwachsenen im Zeitraum zwischen Oktober 2010 bis September 2014 aus. Die Teilnehmer aus vier unterschiedlichen US-Staaten waren zwischen 35 und 84 Jahre alt und wurden wegen Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Daten zur Influenza-Aktivität basieren auf Informationen des amerikanischen Zentrums für Krankheitsbekämpfung und Prävention.

Auswertung

Im Untersuchungszeitraum wurden 2.042 Patienten (47,3 Prozent) der untersuchten Probanden wegen Herzinsuffizienz und 1.599 Patienten (45,1 Prozent) wegen Herzinfarkt in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Daten wurden mit denen des Vormonats im jeweiligen Bundesstaat (unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Rasse bzw. ethnische Zugehörigkeit und Saison) verglichen. Die aufgestellte Hypothese des Forscherteams um Kytömaa bestätigte sich zum Teil. Im Monat mit erhöhter Influenza-Aktivität stieg die Hospitalisierungsrate wegen Herzinsuffizienz um 24 Prozent (Inzidenzrate 1,24; 95 %-KI 1,11–1,38; p < 0,001). Im Gegensatz dazu gab es bei den Herzinfarkt-assoziierten Klinikeinweisungen keinen signifikanten Unterschied (Inzidenzrate 1,02; 95 %-KI, 0,90–1,17; p = 0,72). Das Studien-Modell legt nahe, dass in einem Monat mit hoher Influenza-Aktivität etwa 19 Prozent der Herzinsuffizienz-assoziierten Krankenhauseinweisungen (95 %-KI, 10 %–28 %) auf Influenza zurückzuführen sind.

Einfluss von Präventivmaßnahmen wie Grippeschutzimpfung

Die allgemeinen Leitlinien empfehlen Grippeschutzimpfungen für Risikopatienten, einschließlich Personen mit kardiovaskulären Erkrankungen. Leider wird diese Präventivmaßnahme nicht immer genutzt. In Folge ist der tatsächliche Impfstatus dieser Patienten unvollständig. Zwischen 2012 und 2017 war nahezu jeder dritte Patient, der in einem der teilnehmenden US-Krankenhäuser wegen Herzinsuffizienz eingewiesen wurde, nicht gegen Influenza geimpft. Kytömaa und Team sind der Annahme, dass das Immunsystem bei Patienten mit Herzinsuffizienz schwächer ist als bei Gesunden. Daraus resultiere eine höhere Anfälligkeit für mit Influenza-assoziierte Komplikationen. Zudem reagieren diese Patienten schwächer auf Influenza-Impfstoffe.

Fazit: Grippeschutzmaßnahmen könnten Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz verhindern

Laut ARIC-Studie war nach multivariabler Anpassung ein absoluter Anstieg der monatlichen Influenza-Aktivität um 5 Prozent mit einer Erhöhung der Rate Herzinsuffizienz-bedingter Krankenhausaufenthalte um 24 Prozent im selben Monat verbunden. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass präventive Maßnahmen wie die Grippeschutzimpfung die Anzahl Herzinsuffizienz-assoziierter Krankenhauseinweisungen verringert. Um diesen Zusammenhang sicher zu bestätigen, müssen noch weitere Studien folgen.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 18.04.2019

Quelle:
  1. Kytömaa S. et al.: Association of Influenza-like Illness Activity With Hospitalizations for Heart Failure: The Atherosclerosis Risk in Communities Study. JAMA Cardiology 2019. doi:10.1001/jamacardio.2019.0549.
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