Herz Röntgen

Hintergrund

Die kalzifizierende Aortenklappenstenose gehört zu den häufigsten erworbenen Herzklappenkrankheiten. Die Prävalenz liegt bei > 65-Jährigen je nach Studie bei 2-7%. Der chirurgische Ersatz der Aortenklappe (surgical aortic valve replacement [SAVR]) galt jahrzehntelang als das Goldstandardverfahren bei einer hochgradigen Aortenklappenstenose.

TAVI versus SAVR

Im Jahr 2002 wurde erstmals eine künstliche Aortenklappe erfolgreich über einen Katheter implantiert (transcatheter aortic valve implantation [TAVI]). Das minimalinvasive Verfahren verbreitete sich rasch, wurde aber bislang nur für Patienten mit hohem Operationsrisiko empfohlen. Die Ergebnisse der großangelegten Studie PARTNER 3 mit Patienten mit niedrigem Operationsrisiko, zeigten nun jedoch, dass die TAVI sogar mit einem signifikant niedrigeren Risiko für Tod, Schlaganfall und Rehospitalisierung nach einem Jahr verbunden ist als die SAVR [1].

PARTNER 3

Bei der PARTNER 3 Studie handelte es sich um eine Multicenter-Studie, in der die TAVI mit einer Ballon-expandierenden Aortenklappe der dritten Generation mit einer Standard-SAVR verglichen wurde. Die teilnehmenden Patienten litten unter einer hochgradigen Aortenklappenstenose, wiesen gleichzeitig jedoch ein niedriges Operationsrisiko auf. Endpunkte der Studie waren Tod, Schlaganfall oder eine Rehospitalisierung innerhalb eines Jahres nach dem Eingriff.

Ergebnisse von PARTNER 3

Rund 1000 Patienten (Durchschnittsalter 73 Jahre) nahmen an der Studie teil. Ein Jahr nach der klassischen SAVR waren 15,1% der Patienten verstorben, erlitten einen Schlaganfall oder mussten rehospitalisiert werden. Bei der TAVI waren es lediglich 8,5% der Patienten.

TAVI als neuer Goldstandard

Aufgrund der Ergebnisse von PARTNER 3 plädiert die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK) für die Etablierung der TAVI als neuer Goldstandard bei der Therapie der Aortenklappenstenose sowie für eine entsprechende Anpassung der Leitlinien und der regulatorischen Vorschriften zum Aortenklappenersatz [2].

Interdisziplinäre Arbeit im Team

Der stellvertretende Sprecher der Arbeitsgruppe Interventionelle Kardiologie (AGIK) der DGK Prof. Helge Möllmann fordert darüber hinaus eine gleichberechtigte Zusammenarbeit im Heartteam bei der Therapieentscheidung bei Aortenklappenstenosen: „Alle Patienten müssen gemeinsam hinsichtlich der optimalen Behandlungsmöglichkeit von Kardiologen und Chirurgen begutachtet werden, auch die, die initial an die chirurgischen Kollegen überwiesen wurden.“

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 10.05.2019

Quelle:
  1. Mack, Leon, Thourani et al. (2019): Transcatheter Aortic-Valve Replacement with a Balloon-Expandable Valve in Low-Risk Patients (PARTNER 3). N Engl J Med 2019; 380:1695-1705 DOI: 10.1056/NEJMoa1814052
     
  2. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK) (2019), Pressemitteilung, 26.04.2019