Kardiovaskuläres MRT ist Herzkatheter nicht unterlegen

Die Messung der Herzdurchblutung mittels MRT ist der Herzkatheter-Untersuchung nicht unterlegen. Damit bleibt die invasive Diagnostik mit Herzkatheter in Zukunft möglicherweise manchen Patienten erspart.

Herzkatheter

Hintergrund

Bei Patienten mit stabiler Angina pectoris und vermuteter stabiler koronarer Herzkrankheit (KHK) hängt die Therapie vor allem von dem Grad der Verengung der Koronararterien ab. Um diese zu ermitteln, wird ein Herzkatheter eingeführt und eine Koronarangiographie zur Darstellung der Gefäße durchgeführt. Im Zweifel wird auch der Druck in den Koronararterien gemessen und darüber die fraktionelle Flussreserve (FFR) bestimmt. Diese gibt Auskunft über die funktionelle Bedeutung von Koronarläsionen. Die Durchblutung des Myokards kann aber auch nicht-invasiv und direkt mit der kardiovaskulären Magnetresonanztomographie (MRT) bestimmt werden.

Zielsetzung

Ob das kardiovaskulär MRT der Herzkatheter-Untersuchung unterlegen ist oder nicht, das haben Mediziner um Professor Eike Nagel vom Institut für experimentelle und translationale kardiovaskuläre Bildgebung, Fachbereich Medizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main untersucht [1]. Die Studienergebnisse wurden im renommierten News England Journal of Medicine publiziert.

Methodik

In der Multicenter-Studie wurden 918 Patienten mit typischer Angina pectoris, zwei oder mehr kardiovaskulären Risikofaktoren oder positiver Fahrradergometrie in zwei Gruppen randomisiert. Eine Gruppe erhielt die Standarddiagnostik mit Herzkatheter und einer zusätzlichen Druckmessung in den Koronararterien, die andere Gruppe wurde nichtinvasiv mit MRT untersucht. Zeigte sich im MRT eine beeinträchtigte Durchblutung des Herzens, so planten die Forscher mit Hilfe einer Katheter-Untersuchung das weitere Vorgehen.

In jedem Studienarm wurden verengte Herzkranzgefäße erweitert, wenn dies aufgrund der Untersuchung indiziert war. In der MRT-Gruppe stellte eine Ischämie von mindestens 6% des Myokards eine Indikation zur koronaren Revaskularisation dar. In der Herzkatheter-Gruppe wurde die Indikation per Druckmessung bestimmt und ab einer FFR von 0,8 oder weniger gestellt.

Innerhalb des folgenden Jahres dokumentierten die Ärzte, wie viele Patienten starben, einen Herzinfarkt erlitten oder eine erneute Gefäßerweiterung benötigten. Außerdem wurde dokumentiert, ob die Herzbeschwerden weiterhin bestanden. Die Nichtunterlegenheitsgrenze wurde bei einer Risikodifferenz von 6 Prozentpunkten festgelegt.

Ergebnisse

Von 454 Patienten der MRT-Gruppe erhielten 184 (40,5%) die Empfehlung zur koronaren Revaskularisation. In der Herzkatheter-Gruppe waren es 213 von 464 Patienten (45,9%). Das primäre Outcome trat bei 15 von 421 Patienten (3,6%) in der MRT-Gruppe und bei 16 von 430 Patienten (3,7%) in der Herzkatheter-Gruppe ein (Risikodifferenz -0,2%; 95% Konfidenzintervall [CI] -2,7 – 2,4). Der Anteil der Patienten, die innerhalb eines Jahres frei von Angina pectoris waren unterschied sich nicht signifikant zwischen beiden Gruppen (42,9% in der MRT-Gruppe und 43,8% in der Herzkatheter-Gruppe, p = 0,21). Auch gab es keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen in Bezug auf Komplikationen oder Todesfälle.

Fazit

In der MRT-Gruppe benötigten weniger als die Hälfte einen diagnostischen Herzkatheter, auch bekamen weniger Patienten eine Revaskularisation (36% vs 45%). Somit lassen sich durch eine vorgeschaltete MRT-Untersuchung Herzkatheter-Untersuchungen sowohl zu diagnostischen als auch zu therapeutischen Zwecken einsparen.

„Damit können Patienten mit stabilen Brustschmerzen, die bisher einen Herzkatheter bekommen, alternativ mit einer Durchblutungsmessung mit MRT untersucht werden“, folgert Nagel [2]. „Die Ergebnisse für den Patienten sind genauso gut, die Untersuchung mit MRT hat jedoch viele Vorteile: Sie dauert weniger als eine Stunde, Patienten erhalten lediglich eine kleine Kanüle in den Arm und werden keiner Strahlung ausgesetzt.“

Hoffnung auf Erstattung durch Krankenkassen

Der Experte hofft, dass die kardiovaskuläre MRT nun als Methode erster Wahl eingesetzt wird und so Herzkatheter-Untersuchungen eingespart werden können.

In Deutschland wird ein MRT des Herzens nicht standardmäßig von den Krankenkassen bezahlt. Laut Nagel ist dies hierzulande noch oft schwierig und muss meist für den Einzelfall verhandelt werden. Die Ergebnisse dieser Studie könnten dazu beitragen, dass sich dies ändert und die Kosten für ein MRT des Herzens von der Krankenkasse übernommen werden.

Die Studie wurde finanziell unter anderem durch das britische National Institute of Health Research (NIHR) über das biomedizinische Forschungszentrum (BRC) am Guy’s & St. Thomas’ Krankenhaus, durch das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und durch das Unternehmen Bayer AG Deutschland unterstützt.

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 27.06.2019

Quelle:
  1. Nagel et al. (2019): Magnetic Resonance Perfusion or Fractional Flow Reserve in Coronary Disease. New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1716734
     
  2. Goethe-Universität Frankfurt am Main, Pressemeldung, 24.06.2019
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