Vor dem Herzkatheter die Myokardszintigraphie

Die Leitlinien-Empfehlung eine potenzielle Myokard-Ischämie mit bildgebender Diagnostik vor dem Herzkatheter abzuklären, wird zu selten umgesetzt, erklärten Experten auf der Pressekonferenz zur 48. Jahrestagung des Berufsverbandes Deutscher Nuklearmediziner e.V.

Herzkatheter

Hintergrund

Bei einer Angina Pectoris mit Luftnot, Druckgefühl oder Schmerzen in der Brust besteht der Verdacht auf eine chronische Koronarerkrankung. Es muss abgeklärt werden, ob die Durchblutung des Myokards gestört ist und möglicherweise bereits eine Ischämie besteht. Bereits die Europäische Leitlinie von 2013 empfiehlt, bildgebende Methoden zur nicht-invasiven Ischämie-Diagnostik  der invasiven Herzkatheter-Untersuchung vorzuziehen, wenn die Patienten kein akutes Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis haben. [1]

Bildbegebende Ischämie-Diagnostik

Das Belastungs-EKG gilt heutzutage als zu unzuverlässig für den Ischämie-Test bei Verdacht auf koronare Herzerkrankung. Die Magnetresonanztomographie ist keine Kassenleistung. Bleiben noch die Stress-Echokardiographie und die Myokardszintigraphie (MSZ).

Die Myokardszintigraphie (MSZ) hat laut dem Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) folgende Vorteile: Sie wird von niedergelassenen Nuklearmedizinern durchgeführt, dauert etwa eine halbe Stunde und ist eine Kassenleistung. Die Strahlenbelastung für den Patienten entspricht der einer Computertomographie des Oberkörpers. [2]

Myokardszintigraphie

Zur Vorbereitung der Myokardszintigraphie injiziert der Nuklearmediziner dem Patienten eine schwach radioaktive Substanz, den sogenannten Tracer. Der Tracer gelangt in die Koronarien und wird schließlich in die Myokardzellen aufgenommen. Eine Aufnahme des Tracers erfolgt nur in durchblutetes Myokard. Infolgedessen wird auch nur in diesen Bereichen Strahlung abgegeben, die von einer Spezialkamera aufgezeichnet wird. Nicht-durchblutete Herzmuskelabschnitte erscheinen auf den Aufnahmen als dunkle Regionen.

Einsatz in Deutschland zu selten

Weltweit ist die Myokardszintigraphie die am häufigsten eingesetzte Methode zur bildgebenden Ischämie-Diagnostik. In Deutschland werden derzeit mehr als 200 000 Myokardszintigraphien pro Jahr durchgeführt. Allerdings werden immer noch zu viele und unnötige Herzkatheter-Untersuchungen durchgeführt. Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) stellte fest, dass im Jahr 2017 nur bei etwa 55 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten mit stabiler KHK Ischämie-Tests vor der Herzkatheter-Untersuchung durchgeführt wurden.

Neue, bessere Technik

Die Myokardszintigraphie ist in den letzten Jahren noch leistungsfähiger geworden. Neue Tracer reichern sich schneller und gezielter im Herzmuskel an. „Die Myokardszintigraphie ist dadurch zielgerichtet einsetzbar und Nebenwirkungen auf andere Organe, etwa auf die benachbarten Lungen, können vermieden werden“, sagt Professor Dr. med. Frank Bengel, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Darüber hinaus kann die Strahlenexposition des Patienten dank neuer empfindlicherer Kamerasysteme mit höherer Bildqualität deutlich reduziert werden.

Myokardszintigraphie häufiger nutzen

Die Nuklearmediziner hoffen, dass die technischen Verbesserungen dazu führen, dass die Myokardszintigraphie als Ischämie-Test häufiger zum Einsatz kommt. Die Untersuchung führen nuklearmedizinische Praxen ambulant durch. Der Patient benötigt nur eine Überweisung vom Hausarzt oder einem Facharzt. Den weiter oben bereits erwähnten Vorteilen der Methode fügt der BDN-Vorsitzende Professor Dr. med. Detlef Moka, Facharzt für Nuklearmedizin in Essen, noch einen weiteren hinzu: „Bis auf eine Schwangerschaft gibt es für die Untersuchung keine Kontraindikationen“.

Autor: Barbara Welsch, Medizinjournalistin

Stand: 27.09.2019

Quelle:
  1. Montalescot, Sechtem, Achenbach et al. (2013): ESC Guidelines for the management of Stable Coronary Artery Disease. Eur Heart J 2013;34:2949–3003. DOI: 10.1093/eurheartj/eht296
     
  2. Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) (2019): Genauer, schneller und strahlungsärmer - Technische Fortschritte: Myokardszintigraphie in wenigen Minuten. Pressemitteilung 20.09.2019.
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