Psychische Probleme nach Art der Herzkrankheit

Schwere und Dauer von Depressionen und/oder Angststörungen infolge einer Herzerkrankung hängen auch von der Art der Krankheit ab. Die subjektive Befindlichkeit der Patienten deckt sich dabei in vielen Fällen mit den objektiv erhobenen psychokardiologischen Befunden.

Depression Frau

Hintergrund

Die Zusammenhänge zwischen Herzinfarkt und Depression sind seit den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts bekannt: Ein erlittener Herzinfarkt erhöht das Risiko einer Depression. Umgekehrt erhöhen Depressionen auch das kardiale Risiko und speziell das Zweitinfarktrisiko, wenn die Depression nach dem ersten Herzinfarkt auftritt. Diese Zusammenhänge führten zur Entwicklung des Fachgebiets Psychokardiologie, die in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Andere Herzkrankheiten

Bei Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz und Vitienerkrankungen werden ähnliche Zusammenhänge mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen wie beim Herzinfarkt angenommen. Herzrhythmusstörungen sollen beispielsweise häufiger mit Angststörungen einhergehen. Eindeutig nachgewiesen wurden solche Zusammenhänge bisher jedoch nicht. Am Universitätsklinikum Essen wurde dies jetzt in einer Studie untersucht. Die Ergebnisse der Studie wurden in einer Pressemitteilung anlässlich der DGK-Herztage 2019 in Berlin veröffentlicht [1].

Zielsetzung der Studie

In der Studie wurden sowohl die subjektive Befindlichkeit von Patienten mit Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Vitien, koronarer Herzerkrankung oder Herzrhythmusstörung als auch der psychokardiologische Status im Hinblick auf eine Depression oder eine Angststörung erhoben.

Methoden

Die Patienten wurden zweimal befragt: Das erste Mal während ihres stationären Aufenthalts und das zweite Mal sechs Wochen nach dem stationären Aufenthalt, um die Entwicklung des psychischen Befindens der Patienten im Verlauf ihrer Erkrankung zu festzustellen. Das subjektive Befinden der Patienten wurde mit einem leitliniengemäßen Fragebogen erfragt. In zwei standardisierten psychokardiologischen Fragebögen wurden gezielt nach Symptomen von Depressionen und Angststörungen erfasst. Darüber hinaus wurden die Patienten danach gefragt, ob sie Interesse an einer psychokardiologischen Betreuung hätten.

Ergebnisse

Insgesamt nahmen 163 Patienten mit kardialer Erkrankung an der Studie teil. Der Anteil der Patienten, die sich niedergeschlagen, traurig bedrückt oder hoffnungslos fühlten, nahm nach der Entlassung von 37% auf 44% zu. Patienten mit Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz und koronarer Herzkrankheit berichteten weit häufiger von depressiven Verstimmungen als Patienten mit Vitien. Im Gegensatz zu allen anderen Patientengruppen besserte sich das psychische Befinden bei Patienten mit Vitien nach dem stationären Aufenthalt.

Ängste

Über Ängste berichteten in erster Linie Patienten mit Herzrhythmusstörungen. Diese Patienten sowie die Patienten mit Vitien litten nach dem stationären Aufenthalt deutlich seltener unter Angstgefühlen. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Myokardinfarkt nahmen die Angstgefühle nach der Entlassung hingegen eher zu.

Objektive Symptomanalyse

Die objektive Symptomanalyse in Bezug auf Angststörungen bestätigte im Wesentlichen die Ergebnisse der Befragungen nach dem subjektiven Befinden hinsichtlich Angstgefühlen. Die Werte für Symptome einer Depression nahmen bei den Patienten mit Vitien erwartungsgemäß ab, blieben unverändert bei den Patienten mit koronarer Herzkrankheit, Myokardinfarkt und Herzrhythmusstörungen und stiegen bei Patienten mit Herzinsuffizienz. Ein Interesse an einer psychokardiologischen Betreuung bekundeten 64% der Patienten auf Station, nach dem stationären Aufenthalt waren nur noch 56% daran interessiert.

Fazit

Die Autoren schließen aus ihren Ergebnissen, dass ein relevanter Anteil der Patienten mit Herzkrankheiten unter Depressionen und Ängsten leidet und an einer psychokardiologischen Betreuung interessiert ist. Sie stellten auch fest, dass die Art, Häufigkeit und Dauer der psychischen Probleme zu einem gewissen Grad auch von der Art der Herzerkrankung abhängt. Die psychischen Symptome bestehen bei Patienten mit Herzinsuffizienz tendenziell am längsten fort. Patienten mit Vitien hingegen leiden seltener als alle andere Gruppen unter psychischen Problemen infolge ihrer Erkrankung und erholen sich auch am schnellsten davon.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 17.10.2019

Quelle:
  1. Kruse, Wakili (2019): Rolle von Depression und Angststörungen bei kardiologischen Patienten mit Herzrhythmusstörungen, Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz und Vitienerkrankungen. Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie 10.10.2019
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden