Reanimation: Herzdruckmassage wichtiger als Beatmung

Der Erfolg einer Reanimation hängt von der unverzüglichen Einleitung der lebensrettenden Maßnahmen ab. Dabei können Ersthelfer im Zweifel auf eine Beatmung verzichten. Empfehlungen zur alleinigen Anwendung der Herzdruckmassage senken die Hemmschwelle bei der Wiederbelebung und retten so deutlich mehr Leben.

Herzdruckmassage

Die Situation einer Wiederbelebung versetzt Laien nicht selten in Panik. Viele Ersthelfer sind bereits wegen der ungewohnten Situation gestresst. Die Frage nach dem genauen Ablauf der Wiederbelebungsmaßnahmen überfordert Nichtmediziner noch zusätzlich. Oft ist der Erste-Hilfe-Kurs bereits einige Jahre her und die Regeln sind nicht mehr präsent. Überlegungen zum lehrbuchmäßigen Ablauf kosten lebensbedrohliche Zeit. Die EU-Leitlinie für Reanimationen hat sich mit dieser Thematik bereits befasst. Eine schwedische Studie untersuchte aktuell die Auswirkungen unterschiedlicher Erste-Hilfe-Maßnahmen.

EU empfiehlt für Laien seit 2005 Herzdruckmassage ohne Beatmung

Bei aussetzendem Herzschlag zögern nichtmedizinische Laien häufig vor Eintreffen des Rettungsteams, eine standardmäßige Wiederbelebung aus Herzdruckmassage und Beatmung einzuleiten. Gründe dafür sind vor allem Angst vor Fehlern oder Infektionen. Deshalb empfiehlt die europäische Leitlinie seit 2005, dass sich in der Beatmung unsichere Ersthelfer ausschließlich auf die Herzdruckmassage beschränken können. 2010 wurde die Empfehlung zur alleinigen Herzdruckmassage noch weiter intensiviert. Damit soll die Hemmschwelle verringert und der Reanimationserfolg vergrößert werden.

Studie

In Schweden wurden die nationalen Reanimationsleitlinien in den Jahren 2006, 2011 und 2016 hinsichtlich einer alleinigen Herzdruckmassage als Alternative zur kombinierten Wiederbelebung überarbeitet. Ein Forscherteam um Dr. Gabriel Riva aus dem Karolinska Institut in Stockholm untersuchte aktuell die Auswirkungen der veränderten Richtlinien auf das 30-tägige Überleben bei außerklinischen Herzstillständen. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich von 2000 bis 2017, die Zahl der Opfer lag bei 30.445. Von ihnen erhielten insgesamt 40 Prozent keine Erste-Hilfe-Maßnahmen, 39 Prozent eine kombinierte Reanimation aus Herzdruckmassage und Beatmung und 20 Prozent eine alleinige Kardiokompression. Die Daten entnahmen die Forscher aus dem schwedischen Register für Reanimationen.

Auswertung

Riva und Team untersuchten abhängig von der schwedischen Leitlinienanpassung drei Zeiträume: 2000 bis 2005, 2006 bis 2010 und 2011 bis 2017.

  • Die Zahl der Opfer, die zwischen 2000 und 2005 vor Eintreffen des Rettungsdienstes überhaupt Erste Hilfe erhielten, betrug 40,8 Prozent. Im Zeitraum 2006 bis 2010 erhöhte sich der Anteil auf 58,8 Prozent und zwischen 2011 und 2017 auf 68,2 Prozent.
  • Die Zahl derjenigen, die mit den klassischen kombinierten Reanimationsmaßnahmen wiederbelebt wurden, lag im Zeitraum von 2000 bis 2005 bei 35,4 Prozent. Sie stieg im Zeitraum 2006 bis 2010 auf 44,8 Prozent und sank zwischen 2011 und 2017 auf 38,1 Prozent.
  • Die Rate der Opfer, die lediglich eine Herzdruckmassage bekamen, betrug im Zeitraum von 2000 bis 2005 5,4 Prozent. Zwischen 2006 und 2010 stieg die Anzahl auf 14 Prozent und im letzten Zeitraum auf 30,1 Prozent.
  • Die 30-Tage-Überlebensrate erhöhte sich in den drei Zeiträumen:
    o    von 3,9 auf 6,0 auf 7,1 Prozent für Patienten, die gar keine Erste Hilfe erhielten,
    o    von 9,4 auf 12,5 auf 16,2 Prozent für Patienten mit der Standardreanimation und
    o    von 8 auf 11,5 auf 14,3 Prozent bei alleiniger Herzdruckmassage.

Fazit

Die schwedische Studie bestätigt, dass jegliche Art der von Laienhelfern durchgeführten Erste Hilfe besser ist, als überhaupt keine Erste Hilfe zu leisten. Das gilt auch, wenn eine Herzdruckmassage ohne Beatmung erfolgt. Obwohl die Standard-Reanimation mit der höchsten Überlebensrate verbunden ist, liegt die Überlebensrate mit einer alleinigen Kardiokompression höher als ohne Wiederbelebungsmaßnahmen. Im Untersuchungszeitraum versechsfachte sich die Zahl der Patienten, die nur mithilfe einer Herzdruckmassage reanimiert wurden. Ungeachtet dieses Erfolgs erhielt aber ein Drittel der Patienten mit Herzstillstand keinerlei Erste Hilfe. Dies gilt es unbedingt zu verbessern, so die Studienautoren.

Zudem ist weiter zu forschen, ob die Kompressionsqualität hinsichtlich des Reanimationserfolgs eine Rolle spielt und welche Auswirkungen eine Änderung der Erste-Hilfe-Methoden auf das neurologische Outcome der Patienten hat.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 23.04.2019

Quelle:
  1. Riva G. et al.: Survival in Out-of-Hospital Cardiac Arrest After Standard Cardiopulmonary Resuscitation or Chest Compressions Only Before Arrival of Emergency Medical Services: Nationwide Study During Three Guideline Periods. Circulation 2019. DOI:10.1161/CIRCULATIONAHA.118.038179.
     
  2. European Resuscitation Council Guidelines for Resuscitation 2015
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