Thrombose an den Beinen

Hintergrund

Zur venösen Thromboembolie zählen die tiefe Venenthrombose und die Lungenembolie. Neben sogenannten provozierten venösen Thromboembolien, die durch Operationen, schwere Traumata oder andere Risikofaktoren wie beispielsweise langandauernde Immobilisation oder Schwangerschaft ausgelöst werden können, kommt es auch immer wieder zu unprovozierten Ereignissen, der sogenannten idiopathischen venösen Thromboembolie.

Dauer der Antikoagulation

Im Anschluss an die initiale hochdosierte Antikoagulation der venösen Thromboembolie folgt eine antikoagulative Erhaltungstherapie zur Prophylaxe eines Rezidivs. In der Abwägung des Risikos für ein Thromboserezidiv mit dem erhöhten Blutungsrisikos durch die Antikoagulation empfehlen die aktuellen Leitlinien bei einer idiopathischen venösen Thromboembolie eine zeitliche Begrenzung der Erhaltungstherapie auf 3-6 Monate [1]. Dieser Zeitraum ist allerdings nicht durch Studien belegt. Eine aktuelle Metaanalyse deutet daraufhin, dass er zu kurz sein könnte [2].

Zielsetzung

Die Metaanalyse hatte zum Ziel festzustellen, wie hoch die Rezidivrate bei einer erstmals aufgetretenen idiopathischen venösen Thromboembolie nach Absetzen der mindestens dreimonatigen antikoagulativen Erhaltungstherapie ist. Darüber hinaus bestimmten die Autoren die kumulative Inzidenz eines Rezidivs für Zeiträume bis zu 10 Jahre nach dem Erstereignis.

Methodik

Die Autoren unternahmen einen systematischen Review und Metaanalyse verschiedener kontrollierter retro- und prospektiver Studien und Datensätze der Datenbanken Embase und Medline sowie des Cochrane Zentralregisters. Aus den Datensätzen wurden Patienten gefiltert, die erstmals eine idiopathische venösen Thromboembolie erlitten hatten. Bei diesen Patienten wurde über mindestens 24 Monate bis hin zu zehn Jahren nach dem Erstereignis überprüft, ob es zu einem Rezidiv nach der antikoagulativen Erhaltungstherapie gekommen war.

Ergebnisse

Nach dem Auswahlprozess entsprachen 18 Studien von 604 Artikeln den Anforderungen der Autoren und wurden in den Review aufgenommen. Die Daten von insgesamt 7.515 Patienten flossen in die Metaanalyse ein.

Rezidivraten

Im ersten Jahr nach Beendigung der Antikoagulationstherapie erlitten 10,3% der Patienten ein Rezidiv (95% Konfidenzintervall [CI] 8,6-12,1). Im zweiten Jahr waren es 6,3%, in den Jahren 3 - 5 waren es 3,8% und in den Jahren 6-10 noch 3,1%. Das Rezidivrisiko nahm zwar ab, dennoch lag die kumulative Inzidenzrate nach zehn Jahren bei 36%. Männer hatten mit 11,9% Rezidiven im ersten Jahr gegenüber Frauen mit 8,9 % ein erhöhtes Rezidivrisiko. Die kumulative Inzidenzrate (10-Jahres-Zeitraum) betrug bei Männern 41%, bei Frauen 29%. Die Rezidivrate bei distaler tiefer Venenthrombose 1,9 (95% CI 0,5-4,3) war höher als bei proximaler tiefen Venenthrombose plus Lungenembolie (1,5) und isolierter Lungenembolie (1,4). Vier Prozent der Patienten mit einem Rezidiv verstarben an den Folgen der erneuten Thromboembolie.

Fazit

Die idiopathische venöse Thromboembolie sollte als eine chronische Erkrankung betrachtet werden, die auch nach Absetzen der Erhaltungstherapie des Monitorings bedarf. Aufgrund der hohen Rezidivrate im ersten Jahr sollte die Dauer der antikoagulativen Erhaltungstherapie sorgfältig überdacht und gegen das Blutungsrisiko abgewogen werden. Das gilt insbesondere bei den Risikogruppen der Männer und bei Patienten mit distaler tiefer Venenthrombose.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 23.08.2019

Quelle:
  1. Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin (2015) S2k Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie. AWMF Leitlinien-Register Nr. 065/002 https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/065-002.html
     
  2. Khan et al. (2019): Long term risk of symptomatic recurrent venous thromboembolism after discontinuation of anticoagulant treatment for first unprovoked venous thromboembolism event: systematic review and meta-analysis. BMJ 366:I4363, DOI: 10.1136/bmj.l4363