Stentthrombose trotz ASS durch Risikogen

Die Risikovariante von GUCY1A3 schwächt die Wirkung des Thrombozytenaggregationshemmers ASS ab. Es erhöht so das Risiko für eine zeitnahe Stentthrombose nach perkutaner koronarer Intervention.

Acetylsalicylsäure

Hintergrund

Die Methode der Wahl bei einem akuten Koronarsyndrom (acute coronary syndrome [ACS]) ist die perkutane koronare Intervention (percutaneous coronary intervention [PCI]). Dabei wird ein Stent implantiert, um das betroffene Gefäß offen zu halten. Zur Vorbeugung einer Thrombose, die den Stent verstopfen könnte, erhält der Patient Acetylsalicylsäure und Clopidogrel als Thrombozytenaggregationshemmer. Trotz der Medikation kommt es in bis zu 1,5% der Fälle innerhalb eines Jahres nach der PCI zu einer Thrombosierung des Stents.

Risikovariante von GUCY1A3

Eine verbreitete Genvariante des GUCY1A3 Gens, die das Risiko für die koronare Herzkrankheit (KHK) erhöht, beeinflusst auch das Verhalten der Thrombozyten. Eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Deutschen Herzzentrum München (DHM), Klinik an der Technischen Universität München (TUM) untersuchte nun, ob auch Zusammenhänge zwischen diesem Risikogen, der Abschwächung der ASS-Wirkung und der Thrombosierung eines Stents im ersten Monat nach der PCI bestehen [1].

Zielsetzung

Die Forscher untersuchten, ob die Thrombozyten von homozygoten Träger der Risiko-Genvariante GUCY1A3 anders auf ASS reagieren als bei Patienten ohne diese Genmutation. Sie überprüften auch, ob die klinischen Ergebnisse nach einer Stentimplantation bei homozygoten Trägern der Risikovariante schlechter ausfielen.

Methodik

Homozygoten Trägern der Risiko-Genvariante (Genotyp GG) und heterozygoten Patienten (AG) oder Patienten ohne Risikogen (AA), die im Register ISAR-ASPI erfasst worden waren, wurde nach der Applikation von 500 mg ASS Blut entnommen. Den Blutproben wurde Arachidonsäure zugesetzt, um eine Thrombozytenaggregation auszulösen. Danach wurde per Impedanz-Aggregometrie die Plättchenreaktion gemessen.

Auswertung von Patientendaten

Darüber hinaus verglichen die Forscher die klinischen Ergebnisse nach Stentimplantation bei Patienten mit GG mit jenen von heterozygoten Patienten (AG) oder Patienten ohne Risikogen (AA). Sie nutzten dazu Daten, die in Registern ISAR-ASPI, PLATO und UCORBIO erfasst worden waren. Der kardiovaskuläre Tod sowie eine wahrscheinliche oder definitive Stentthrombose wurden als klinische Endpunkte definiert.

Ergebnisse

Die Thrombozyten homozygoter Träger der Risikovariante von GUCY1A3 zeigten trotz ASS-Medikation eine deutlich höhere Aggregation (150 [Interquartilsabstand 91–209] Aggregation Units [AU]/min) als AG- oder AA-Genotypen (134 [85–194)] AU/min, P < 0.01). Bei der Auswertung der klinischen Daten zeigte sich, dass die Homozygotie auch mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskulären Tod oder eine Stentthrombose verbunden war (Hazard Ratio 1,70, 95% Konfidenzintervall 1,08–2,68; P = 0.02).

Fazit

Professor Heribert Schunkert, Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen im Erwachsenenalter im DHM erklärt: „Sowohl Aspirin als auch Clopidogrel haben ein gewisses Risiko nicht hundertprozentig zu wirken.“ Die Wirksamkeit von Clopidogrel kann durch eine Variante von CYP2C19 beeinträchtigt sein. Es dürfte jedoch sehr selten sein, dass ein Patient Träger beider Risikogene ist. Weitere Studien sollen zeigen, ob man Folgen der Risikovariante GUCY1A3 abfangen kann, wenn man statt Clopidogrel Ticagrelor oder Prasugrel einsetzt [2].

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 06.05.2019

Quelle:
  1. Kessler et al. (2019): Association of the coronary artery disease risk gene GUCY1A3 with ischaemic events after coronary intervention. Cardiovasc Res., DOI: 10.1093/cvr/cvz015
     
  2. Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschungs e.V. (DZKH), Pressemitteilung,  17.04.2019
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