Akuttherapie und Sekundärprävention von Schlaganfällen: neue Entwicklungen

Die Ergebnisse aus zwei aktuellen Studien zur Akuttherapie und Sekundprävention von Schlaganfällen wurden auf der Neurowoche 2018 präsentiert.

MRT Gehirn

Der demografische Wandel wird in Zukunft zu einer steigenden Zahl von Schlaganfällen in der Bevölkerung führen. Experten prognostizieren für das Jahr 2050 etwa 350.000 Schlaganfälle jährlich. Aktuelle treten in Deutschland pro Jahr circa 210.000 Schlaganfälle auf. In Hinblick auf diese zu erwartende Steigerung erläuterte Professor Dr. Waltraud Pfeilschifter, Fachärztin für Neurologie, Neurologische Intensivmedizin und Notfallmedizin vom Universitätsklinikum Frankfurt, neue Entwicklungen in der Akuttherapie und Sekundärprävention von Schlaganfällen in der Fachpressekonferenz auf der Berliner Neurowoche 2018 [1].

WAKE-UP-Studie: MRT als „Gewebeuhr“

Bei etwa jedem fünften Schlaganfall handelt es sich um einen sogenannten „Wake-up-Stroke“, d. h. der Schlaganfall hat sich im Schlaf ereignet und das Zeitfenster ist nicht genau zu ermitteln bzw. die Patienten können aufgrund von Sprachstörungen den Beginn nicht benennen. Die intravenöse Thrombolyse zur Eröffnung der verschlossenen Hirnarterien ist nur innerhalb eines Zeitfensters von 4,5 Stunden möglich. „Mehrere Placebo-kontrollierte Studien haben gezeigt, dass es bei späterer Behandlung häufiger zu den gefürchteten thrombolyseassoziierten Hirnblutungen kommt“, so die Neurologin.

Erste Studie bei Patienten mit unbekanntem Symptombeginn

Vor der WAKE-UP-Studie [2] existierten keine Untersuchungen mit Patienten, deren Symptombeginn unklar war. Die 2018 publizierte WAKE-UP-Studie konnte belegen, dass die Thrombolyse auch bei Patienten mit unklarem Beginn der Schlaganfallsymptome wirksam und sicher ist, wenn sie im MRT ein DWI-FLAIR-mismatch aufweisen. „Somit können nun auch diese Patienten erstmals mit einer Thrombolyse behandelt werden, wenn sie rasch genug eine Stroke Unit erreichen“, sagte die Neurologin.

DWI-FLAIR-mismatch

Bei dieser MRT-Untersuchung werden zwei spezielle Untersuchungssequenzen, die diffusiongewichtete Bildgebung (Diffusion Weighted Imaging, DWI) und die „Fluid-Attenuated Inversion Recovery“-Bildgebung (FLAIR) kombiniert. Tritt im DWI eine akute Schlaganfall-Schädigung auf, im FLAIR jedoch nicht eindeutig, so spricht man von einem DWI-FLAIR-mismatch. Bei Vorliegen eines solchen sollten sich die Patienten noch im 4,5-Stunden-Zeitfenster für die Thrombolyse befinden.

POINT-Studie: Duale Plättchenhemmung in früher Sekundärprophylaxe

Patienten mit nichtkardioembolischen Hirninfarkten erhalten bislang ASS zur Antikoagulation. Die Kombination von ASS mit Clopidogrel brachte in der Langzeittherapie nach bisherigem Kenntnisstand keinen zusätzlichen Nutzen, jedoch erhöhte sich das Blutungsrisiko.

Im Jahr 2013 sorgte die chinesische CHANCE-Studie [3] für Aufsehen. Die Analysen zeigten, dass eine kurzzeitig eingenommene duale Plättchenhemmung das Risiko weiterer Schlaganfälle in den ersten drei Monaten nach einem Schlaganfall senkt.

Clopidogrel plus ASS nach TIA ist Monotherapie überlegen

„Bislang war nicht klar, ob sich diese Ergebnisse auch auf die europäische Situation übertragen lassen. Die im Sommer 2018 publizierte POINT-Studie [4] konnte das chinesische Ergebnis in einem internationalen Patientenkollektiv erhärten und zeigt, dass die duale Plättchenhemmung mit ASS und Clopidogrel nach transitorisch-ischämischer Attacke oder leichtem Schlaganfall einer Monotherapie mit ASS überlegen ist“, erläuterte Pfeilschifter. Der größte Nutzen der Kombinationstherapie scheint hierbei in den ersten 30 Tagen zu liegen.

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 02.11.2018

Quelle:
  1. Professor Dr. Waltraud Pfeilschifter: „Behandlungszeitfenster beim Schlaganfall: MRT ist eine zuverlässige Uhr“, Fachpressekonferenz, Neurowoche, Berlin, 02.11.2018
     
  2. Thomalla et al. (2018): WAKE-UP Investigators. MRI-Guided Thrombolysis for Stroke with Unknown Time of Onset. New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1804355
     
  3. Wang et al. (2013): Clopidogrel with Aspirin in Acute Minor Stroke or Transient Ischemic Attack. New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1215340
     
  4. Johnston et al. (2018): Clopidogrel and Aspirin in Acute Ischemic Stroke and High-Risk TIA. New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1800410
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