Sport zur Prävention und Therapie von Diabetes

Körperliche Inaktivität ist einer der Risikofaktoren für Diabetes und eine Reihe anderer Erkrankungen. Wie man Sport in Prävention und Therapie von Diabetes einsetzt wurde auf dem ECIM 2018 in Wiesbaden erörtert.

Sport ältere Dame

Immer mehr Menschen leiden an Diabetes mellitus. In der Prävention und Therapie von Diabetes spiele die Modifikationen des Lebensstils eine wichtige Rolle, sagte Professor Dr. Josef Niebauer, Universitätsinstitut für präventive und rehabilitative Sportmedizin der PMU (Paracelsus Medizinische Privatuniversität) und Institut für Sportmedizin des Landes Salzburg [1].

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt moderate bis starke körperliche Aktivität, pro Woche 150 Minuten und darüber, zur Prävention und Kontrolle von Typ-2-Diabetes [2].  

Gewichtsverlust und Bewegung bei Prädiabetes besser als Metformin

Der Effekt, den Bewegung in der Prävention von Diabetes haben kann, zeigte sich auch in einer Studie, die bereits 2002 im New England Journal of Medicine erschienen ist [3]. In dieser Studie wurde die Hypothese aufgestellt, dass Lebensstiländerungen oder Metformin die Entstehung von Diabetes verhindern oder verzögern können.

Die Lebensstiländerungen umfassten einen Gewichtsverlust von 7% und > 150 Minuten Bewegung pro Woche. Die über 3200 Studienteilnehmer waren Nicht-Diabetiker mit erhöhter Nüchternglukose. Der Nachbeobachtungszeitraum betrug 2,8 Jahre. Ergebnis: Der veränderte Lebensstil reduzierte die Diabetes-Inzidenz um 58%. Unter Metformin lag die Reduktion der Inzidenz bei 31%.

Umsetzung des Sportprogramms

Die gezeigten Studien untermauern die Wichtigkeit von Bewegung in der Prävention und Therapie von Diabetes mellitus. Was man gefährdeten oder erkrankten Personen konkret an die Hand geben kann, erläuterte Niebauer im zweiten Teil seines Vortrages.

Status quo – wie fit ist mein Patient?

Zunächst müsse man sich einen Überblick darüber verschaffen, wie fit die jeweilige Person ist. Prädisponierende Faktoren wie Hyperglykämie, Übergewicht, Dyslipidämien, arterielle Hypertension oder Rauchen lassen sich leicht messen oder erfragen. Doch wie sieht es mit der Messung der körperlichen Aktivität bzw. Inaktivität aus? Hierzu kann man sich der Ergometrie bedienen.

Konzeption des Trainings

Nach Ermittlung der körperlichen Fitness kann man dem Patienten ein Bewegungsprogramm verordnen. Empfohlen werden Ausdauer- und Krafttraining.

Ausdauertraining

Das Ausdauertraining kann moderat ≥ 150 Minuten/Woche erfolgen oder fordernder für 75 Minuten/Woche. Geeignet sind Walken, Joggen oder Fahrrad fahren. Generell sollte zuerst die Dauer und dann die Intensität gesteigert werden.

Krafttraining

Das Krafttraining sollte drei Mal wöchentlich ausgeführt werden und alle Hauptmuskelgruppen beanspruchen. Folgende Varianten sind möglich:

  • 1, 2 oder 3 Sets à 10 – 12 Wiederholungen mit einer Leistung von 70%
  • 25 – 30 Wiederholungen mit einer Leistung von 40%.

Wichtig, sowohl beim Ausdauer- als auch beim Krafttraining, sei, dass dies in einer Gruppe und unter kontrollierten Bedingungen stattfinde. So können die Effektivität des Trainings und die Adhärenz der Patienten gesteigert werden.

Fazit

Zum Abschluss fasste Niebauer die wesentlichen Punkte des Vortrages zusammen. Die physikalische Inaktivität sei eine Erkrankung und müsse demnach behandelt werden.

Sowohl die primäre als auch die sekundäre Prävention von Diabetes mellitus, ohne Veränderungen des Lebensstils, entspreche nicht den aktuellen Leitlinien.

Eine Bewegungstherapie, die zu moderat und unter nicht kontrollierten Bedingungen stattfinde, sei ineffektiv – wie bei jeder anderen Therapie auch.

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 31.08.2018

Quelle:
  1. Professor Dr. Josef Niebauer: „Exercise strategies in diabetes: Better than medication“, 17th European Congress of Internal Medicine (ECIM), Wiesbaden, 31.08.2018
     
  2. Rydén et al. (2013): ESC Guidelines on diabetes, pre-diabetes, and cardiovascular diseases developed in collaboration with the EASD: the Task Force on diabetes, pre-diabetes, and cardiovascular diseases of the European Society of Cardiology (ESC) and developed in collaboration with the European Association for the Study of Diabetes (EASD). European Heart Journal, DOI: https://doi.org/10.1093/eurheartj/eht108
     
  3. Diabetes Prevention Program Research Group: Reduction in the Incidence of Type 2 Diabetes with Lifestyle Intervention or Metformin. New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa012512
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